Treuhänder greift zuRettungsanker für Primacom
Aufatmen bei Primacom: Der insolvente Kabelnetzbetreiber wird für einen symbolischen Preis von einem Münchner Treuhänder erworben.
Der Kabelnetzbetreiber Primacom ist vorerst gerettet. Das operative Geschäft des insolventen börsennotierten Unternehmens wurde für einen symbolischen Preis an einen Treuhänder verkauft. Die auf Firmensanierungen spezialisierte One Square Advisors aus München soll die Primacom GmbH nun über eine Luxemburger Holding weiterführen und auf längere Sicht verkaufen.
Die Erlöse flössen dann den Gläubigerbanken zu, teilte Primacom mit. "Jetzt wird erst einmal die Lage stabilisiert und Ruhe ins Unternehmen gebracht", sagte ein Insider. Primacom ist mit 360 Millionen Euro verschuldet, die Banken wollen aber auf absehbare Zeit stillhalten.
Die börsennotierte Obergesellschaft Primacom AG hatte vor einigen Wochen Insolvenz angemeldet. Das Tagesgeschäft mit rund einer Million Kabelkunden in Ostdeutschland läuft weiter. Dort haben seither die etwa zehn Gläubigerbanken, darunter die niederländische Bank ING, das Sagen. Die Primacom-Aktionäre haben von der Einigung nichts. Dennoch stieg die Aktie am Montag um 33 Prozent auf 67 Cent.
Auktion findet nicht statt
Mit der Treuhandlösung verhindern die Gläubigerbanken von Primacom, dass sie selbst zum Eigentümer werden. Eine angesetzte Auktion, in der sie die GmbH versteigern wollten, wurde kurz vor Beginn abgesagt. Ein anderer Bieter für den hoch verschuldeten Kabelnetzbetreiber als die Banken war nicht in Sicht. "Die Banken wollen ihr Investment absichern und nicht ins Kabelfernsehgeschäft einsteigen", sagte ein Insider.
Mit der Treuhandlösung folgen die Primacom-Gläubiger nun dem Modell von deren ehemaliger Schwestergesellschaft TeleColumbus, die seit Jahresbeginn von der Düsseldorfer Investmentbank Nikolaus & Co verwaltet wird und verkauft werden soll. Dort hakt aber sowohl der Verkaufsprozess als auch die Umschuldung. In der kommenden Woche sind zwar Gebote fällig.
Senkung der Zinslast im Gespräch
Verhandlungskreisen zufolge dürften diese aber nicht den Vorstellungen der Gläubiger entsprechen. Sie seien allenfalls bereit, die Verbindlichkeiten von mehr als 900 Millionen auf 600 Millionen Euro zu senken - so hoch müssten demnach die Offerten sein. Potenzielle Bieter wie Branchenprimus Kabel Deutschland wollten aber nur rund 400 Millionen Euro bieten. Zudem hat Kabel Deutschland mit der Ungewissheit zu kämpfen, ob das Kartellamt eine Übernahme durchwinken würde.
Bei Primacom wird weiter darüber verhandelt, wie mit den Schulden umzugehen ist. Die Gläubiger favorisieren den Kreisen zufolge, die Höhe der Kredite nicht anzutasten, und dafür die Zinslast zu senken oder zu stunden. Damit könnten sie Abschreibungen verhindern. Frisches Eigenkapital fließt Primacom nicht zu. Die Banken bauen darauf, dass das Unternehmen genügend im Tagesgeschäft verdient.