Wirtschaft

Eine "Art von Geld" - mit allen Rechten und Pflichten: Neue Anerkennung für den Bitcoin

Das virtuelle Zahlungsmittel Bitcoin erhält den Ritterschlag: Ein US-Richter stuft es erstmals als echte Währung ein. Mit der unerwarteten Anerkennung bricht sich auch die Regulierung Bahn. Das Geld dürfte künftig wie Dollar oder Gold kontrolliert werden.

Der jüngste Fall von Bitcoin-Betrug nimmt einen überraschenden Verlauf. Ein US-Bundesrichter stuft die Internetwährung jetzt erstmals als eine "Art von Geld" ein. Das Internetgeld verlässt damit die Anarchoecke der virtuellen Welt und landet in der realen Finanzwelt mit allen Rechten und Pflichten.

Zahlen it Bitcoin: Eine Kundin in einem Café scannt den Ausdruck mit dem Code des Bitcoin-Kontos.
Zahlen it Bitcoin: Eine Kundin in einem Café scannt den Ausdruck mit dem Code des Bitcoin-Kontos.(Foto: picture alliance / dpa)

Der in den USA von der Börsenaufsicht SEC angeklagte Investor Trendon Shavers hatte die Anklage wegen eines angeblichen Schneeballsystems mit Bitcoins mit dem Argument zurückgewiesen, dass es sich bei der Internetwährung nicht um richtiges Geld handele, und dadurch nicht in den Bereich der Wertpapieraufsicht falle. Nach Ansicht der SEC sind jedoch sehr wohl gerichtlich entscheidbare Verträge über Geldanlagen zu Stande gekommen seien. Der Bundesrichter gibt der Börsenaufsicht Recht: Die Währung sei eine Währung beziehungsweise "eine Art von Geld", so sein Urteil. Die einzige Einschränkung, die er im Unterschied zu konventionellem Geld sieht, ist, dass das Geld nicht überall akzeptiert wird. Da Bitcoins aber in richtiges Geld umgetauscht werden könnten, so seine Schlussfolgerung, seien sie auch als Währung zu behandeln.  

Die Einschätzung des Richters könnte Präzedenzcharakter für den weiteren Umgang der US-Behörden mit der Internetwährung haben. Es ist die erste rechtliche Einschätzung dieser Art im Zusammenhang mit der umstrittenen Kunstwährung in den USA. Die Folge dürfte sein, dass der Bitcoin genau so reguliert wird wie etwa Dollar oder Gold.

Mit spektakulären Gewinnaussichten geködert

Laut Klageschrift soll Shavers mindestens von September 2011 bis September 2012 unter dem Pseudonym "pirateat40" eine Anlagemöglichkeit in seinem "Bitcoin Savings and Trust" mit spektakulären Gewinnaussichten angeboten haben. Vermutlich konnte er über 700.000 Bitcoin von Anlegern einsammeln. Zum damaligen Zeitpunkt entsprach das 4,5 Millionen US-Dollar – nach heutigem Stand wären es 60 Millionen. Shavers köderte die Anleger nach SEC-Angaben mit der Aussicht, ihre Bitcoin mit bis zu sieben Prozent pro Woche zu verzinsen. Tatsächlich habe der mutmaßliche Betrüger die Währung aber nie investiert, heißt es. Stattdessen habe er mit dem Geld neuer Anleger lediglich Zinsen sowie Anleger bezahlt, die wieder ausgestiegen sind.

Shavers soll das Geld für seine eigenen Währungsgeschäfte benutzt haben. Als er Verluste erlitt, hob er insgesamt knapp 147.000 US-Dollar vom Börsenkonto ab. Der Rest der Bitcoins floss in Form von Auszahlungen und Zinsausschüttungen an die Anleger zurück. Insgesamt 66 Personen sollen auf die Masche reingefallen sein. Im August 2012 brach das Schneeballsystem zusammen.

Finanzbehörden sind alarmiert

Digitale Währungen sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Staatliche Aufsichtsbehörden und Notenbanken fürchten, dass sie zur Geldwäsche genutzt werden  könnten. Insbesondere der Bitcoin steht international unter verschärfter Beobachtung durch die Finanzaufsichtsbehörden. Die SEC warnte angesichts des jüngsten Bitcoin-Betrugsfalls vor den zunehmenden Gefahren. Virtuelle Währungen lockten womöglich Betrüger an, weil sie weniger reguliert seien und weniger in der Öffentlichkeit stünden als reale Währungen. Angeblich soll das US-Finanzministerium vorhaben, den Bitcoin-Handel zu regulieren. Damit wären Unternehmen, die mit der Kunstwährung handeln, Finanzunternehmen. Damit würden sie auch einer besonderen Aufsicht unterliegen. Die Zentralbank von Thailand sprach jüngst ein komplettes Verbot des An- und Verkaufs von Bitcoin aus. Auch für Zahlungsvorgänge dürfen sie nicht verwendet werden. Als Begründung hieß es, man sei nicht in der Lage, die Vorgänge zu kontrollieren.

Die Kunstwährung Bitcoin wurde 2009 von einem unbekannten Programmierer erfunden, der eine von Zentralbanken und anderen Finanzinstituten unabhängige Währung wollte. Der Bitcoin sollte eine Antwort auf die internationale Finanzkrise sein. Nutzer können die Währung als virtuelle Guthaben über Börsen im Internet kaufen. Der Wechselkurs zu echtem Geld wird täglich errechnet -  er kann teils extrem schwanken.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen