Wirtschaft
Die RWE-Tochter Dea fördert Öl und Gas vor der deutschen Nordseeküste, aber auch in Ägypten und Großbritannien.
Die RWE-Tochter Dea fördert Öl und Gas vor der deutschen Nordseeküste, aber auch in Ägypten und Großbritannien.(Foto: picture alliance / dpa)

"Versorgung nicht gefährdet": Russen dürfen Gassparte von RWE kaufen

Beim Thema Energie ist das Verhältnis zwischen Deutschland und Russland derzeit problematisch. Dennoch genehmigt der Bund den Verkauf der RWE-Tochter Dea an den russischen Milliardär Michail Fridman. Das hat mit dem Sitz der Firma zu tun.

Der RWE-Konzern darf seine Öl- und Gassparte Dea an den russischen Milliardär Michail Fridman verkaufen. Das Bundeswirtschaftsministerium habe das Geschäft "intensiv geprüft und keine Einwände erhoben", sagte eine Sprecherin des Ressorts. Ausschlaggebend für das Prüfungsergebnis sei gewesen, dass der Käufer seinen Firmensitz in der EU habe. Das Unternehmen ist in Luxemburg registriert.

Eine Beeinträchtigung der Versorgungssicherheit in Deutschland sei nicht zu erwarten, sagte die Ministeriums-Sprecherin. Zuvor hatte schon ein Sprecher von Fridmans Investmentholding Letter One von der Zustimmung berichtet. Eine RWE-Sprecherin sagte, mit der Entscheidung habe der Energiekonzern "eine Hürde im Verkaufsprozess genommen".

RWE hatte sich mit Fridmans Unternehmensholding schon Mitte März über die Transaktion geeinigt. Die Verhandlungspartner bewerteten Dea den eigenen Angaben zufolge mit 5,1 Milliarden Euro. RWE will durch den Verkauf der Explorations- und Fördertochter vor allem Schulden abbauen. Das Unternehmen muss wie einige andere Energiekonzerne mit schrumpfenden Gewinnen angesichts der Energiewende in Deutschland umgehen.

Fridman nicht von Sanktionen betroffen

Der Käufer Letter One hatte die Übernahmepläne für Dea im März als "ersten strategischen Schritt zum Eintritt in die Öl- und Gasindustrie" bezeichnet. Das Geschäft verfolgen Beobachter auch angesichts der Spannungen zwischen Russland und dem Westen mit besonderer Aufmerksamkeit. Zwar sind Milliardär Fridman und seine Investmentgesellschaften nicht von den Sanktionen der EU gegen Russland betroffen - das Bundeswirtschaftsministerium hätte den Verkauf aber nach dem Außenwirtschaftsgesetz aufhalten können.

Investoren gaben sich von der Genehmigung durch das Ministerium denn auch wenig überrascht: Der Kurs der RWE-Aktie reagierte am Freitag kaum. Das Papier lag nach anfänglichen Kurssteigerungen am Mittag rund 0,9 Prozent im Minus.

Öl und Gas aus Ägypten und Großbritannien

Dea fördert Öl und Gas vor der deutschen Nordseeküste, aber auch in Ägypten und Großbritannien. Das Unternehmen hat durch die Geschäfte noch im Jahr 2013 erheblich zum Ergebnis von RWE beigetragen: Die Sparte erwirtschaftete in dem Jahr ein Betriebsergebnis von rund 521 Millionen Euro. Der Gewinn verschlechterte sich damit aber vor allem angesichts gesunkener Ölpreise gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund ein Viertel. Im vergangenen Jahr stieß Dea zudem auf Schwierigkeiten beim Ausbau der Fördermenge. Etwa die Aufnahme der Produktion auf dem Nordseefeld Breagh verspätete sich.

Mit dem geplanten Verkauf von Dea dürfte RWE auch die eigenen Investitionsausgaben erheblich senken. Bislang plante der Konzern allein für die Öl- und Gasfördertochter mit jährlichen Ausgaben von durchschnittlich einer Milliarde Euro. Vor dem Hintergrund der schrumpfenden Gewinne aber will RWE die Investitionen zusammenstreichen: Für die Zeit vom Jahr 2016 an plant der Konzern, jährlich nur noch insgesamt etwa 2 Milliarden Euro zu investieren.

Der Dea-Verkauf ist allerdings trotz der Unbedenklichkeitserklärung aus Berlin noch nicht abgeschlossen. RWE werde den Verkaufsprozess "jetzt planmäßig weiterverfolgen", sagte die Sprecherin des Energiekonzerns.

Quelle: n-tv.de

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