Exporteure auf dem RadarRussland kämpft gegen Rubelschwäche an

Wie kann der Wertverfall des Rubel aufgehalten werden? Die russische Regierung appelliert an die Exporteure des Landes, ihre Erträge regelmäßiger in die einheimische Währung umzutauschen. Ministerpräsident Medwedjew hält den Rubel für unterbewertet.
Russland will die Schwankungsanfälligkeit seiner Währung Rubel verringern. Spitzenpolitiker sprachen sich dafür aus, dass die Exporteure des Landes ihre in Fremdwährungen erzielten Erträge regelmäßiger als bislang in Rubel tauschen sollen.
"Die Regierung und die Zentralbank führen Gespräche, um für regelmäßigere Verkäufe zu sorgen", sagte Ministerpräsident Dmitri Medwedjew in einem Fernsehinterview. Auch Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew sagte, es wäre logisch, wenn die Devisenverkäufe regelmäßiger erfolgen würden.
Die russischen Exporteure von Öl, Metallen und anderen Ausfuhrgütern wechseln ihre in Dollar erzielten Erlöse traditionell dann in Rubel, wenn Steuern fällig werden. Damit ist das Dollarangebot großen Schwankungen unterworfen. Weil viele russische Firmen wegen der Sanktionen von den globalen Kapitalmärkten abgeschnitten sind, sind die in Fremdwährungen erzielten Umsätze der Exporteure die wichtigste Dollarquelle in Russland. Uljukajew sagte jedoch, es gebe keine Vorschriften, keine Zeitpläne und keine speziellen Vorhaben für die Verkäufe von Fremdwährungen.
"Der Rubel ist unterbewertet"
Der Rubel hat seit Jahresbeginn mehr als 40 Prozent seines Wertes eingebüßt. Gründe sind fehlendes ausländisches Kapital und der sinkende Ölpreis, Russlands Hauptquelle für Fremdwährungen.
Medwedjew sagte, der Rubel sei unterbewertet. "Die meisten Ökonomen und Analysten sind sich einig, dass der Rubel immer noch über die Maßen schwach ist und dass es eine gewisse Erholung geben wird", sagte der Politiker. Zentralbankvertreter und Regierungsmitglieder hatten wiederholt betont, dass der Rubel unterbewertet und der jüngste scharfe Rückgang das Ergebnis der fallenden Ölpreise sei.
Am Montag hatte die russische Zentralbank erneut am Devisenmarkt interveniert. Sie setzte nach eigenen Angaben 400 Millionen US-Dollar ein, um den Rubel zu stützen. Wie aus Daten der Notenbank hervorgeht, addiert sich die Interventionssumme für Dezember damit auf insgesamt 4,93 Milliarden Dollar.
Die umfangreichste Stützung in diesem Monat erfolgte am Freitag vergangener Woche. Die Zentralbank in Moskau setzte 1,93 Milliarden Dollar ein, um den Druck auf den schwer angeschlagenen Rubel zu vermindern.
Nachdem die Notenbank fast 30 Milliarden Dollar zur Stabilisierung des Wechselkurses aufgewendet hatte, stoppte sie am 10. November ihre regelmäßigen Interventionen, weil sie am Sturzflug des Rubel nichts änderten, und gab den Wechselkurs frei. Sie behielt sich jedoch das Recht vor, jederzeit in den Markt einzugreifen, wenn die Finanzstabilität gefährdet ist und eine Panik droht.
"Wir sitzen in einem Boot"
Medwedjew warnte davor, Ersparnisse in andere Währungen umzutauschen. Er erinnerte daran, dass 2008 und 2009 viele Russen letztlich Geld verloren hätten, nachdem sie bei einem schwachen Stand den Rubel in Dollar und Euro umgetauscht hatten. Auch sein Vermögen bleibe weiterhin in Rubel erhalten, sagte der Regierungschef. "Wir sitzen in einem Boot."
Derweil liefert Medwedjew hinsichtlich der westlichen Sanktionen Zahlen. Seiner Einschätzung zufolge kosten die Maßnahmen der europäischen Wirtschaft 90 Milliarden Euro. Die russische Wirtschaft habe "vermutlich einige Dutzend Milliarden Dollar" verloren. Russische Ökonomen hätten jedoch errechnet, dass der europäischen Wirtschaft durch nicht geschlossene Verträge mit Russland und andere Strafmaßnahmen dieses Jahr 40 Milliarden Euro entgangen seien, im nächsten Jahr kämen noch einmal 50 Milliarden Euro hinzu.