Wirtschaft

BIP sinkt kräftig: Russlands Abschwung verschärft sich

Mit Russlands Wirtschaft geht es im zweiten Quartal kräftig bergab. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) verzeichnet im zweiten Quartal einen höheren Minusbetrag als erwartet. IWF und Weltbank gehen für 2015 von einer kräftigen Schrumpfungsrate aus.

Schwere Zeiten für die russische Wirtschaft.
Schwere Zeiten für die russische Wirtschaft.(Foto: picture alliance / dpa)

Die russische Wirtschaft ist im zweiten Quartal deutlich stärker als im ersten geschrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank nach Angaben der Statistikbehörde um 4,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr nach 2,2 Prozent in den ersten drei Monaten des Jahres.

Die Regierung in Moskau rechnet für dieses Jahr mit einem BIP-Rückgang von rund 3 Prozent, für das Folgejahr dann aber mit einer Rückkehr zu Wachstum. Private Volkswirte, aber auch Ökonomen von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank gehen jedoch von einer höheren Schrumpfungsrate von in Richtung 4 Prozent aus. 2014 wuchs die Wirtschaftsleistung um 0,6 Prozent.

Derweil versuchen Regierung und russische Zentralbank mit verbalen Interventionen offenbar, einem weiteren Rubel-Kursverfall  entgegenzuwirken und den Märkten zu verdeutlichen, dass sie weiter die Kontrolle über die Landeswährung haben. Nach dem deutlichen Wertverlust der russischen Währung in den vergangenen vier Wochen sagte der russische Präsident Wladimir Putin nach einem Gespräch mit Zentralbank-Gouverneurin Elvira Nabiullina, dass die Zentralbank viel mache, "um unser Finanzsystem insgesamt stabil zu halten".

Nabiullina ihrerseits betonte, Russlands Bankensystem sei sicher und gesund. Am Devisenmarkt werden derzeit je US-Dollar 63,92 Rubel gezahlt nach bis zu 64,69 im Tagesverlauf. Marktteilnehmer rechnen mit einer weiteren Abschwächung bis Jahresende, da es eine hohe Nachfrage nach Dollar und Euro geben werde, um fällige Auslandsschulden zurückzuzahlen.

Große ausländische Aktiva

Die Zentralbank hatte zuvor gegen diese Einschätzung argumentiert, trotz der insgesamt 61 Milliarden Dollar, die russische Banken und Unternehmen in den letzten vier Monaten des Jahres laut einer Tilgungsübersicht für Auslandsverbindlichkeiten zahlen müssen. "Die Zentralbank erwartet keine exzessive Nachfrage an den Devisenmärkten wegen der anstehenden Zahlungen", hieß es in einer Erklärung.

Aus Sicht der Zentralbank liegt das fällige Volumen bei lediglich bis zu 35 Milliarden Dollar. Ein bedeutender Teil davon werde innerhalb von Konzernen transferiert, russische Unternehmensteile überweisen die Gelder an interne Gesellschaften ins Ausland.

Russische Banken und Unternehmen halten nach Angaben der Zentralbank ausländische Aktiva von rund 135 Milliarden Dollar. Über die Zahlungsbilanz werde Russland bis Jahresende rund 28 Milliarden Dollar erhalten, sofern der Ölpreis bei durchschnittlich rund 60 Dollar je Barrel liegt. Bei einem Ölpreis nahe 40 Dollar werden sich die Dollar-Einnahmen auf rund 20 Milliarden reduzieren.

Quelle: n-tv.de

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