Wirtschaft
Mieses Wetter: Ein Mann geht an der Zentrale der Znetralbank in Moskau vorbei.
Mieses Wetter: Ein Mann geht an der Zentrale der Znetralbank in Moskau vorbei.(Foto: REUTERS)

Ölpreis-Verfall : Russlands Notenbank wird pessimistischer

Von Jan Gänger

Der niedrige Ölpreis macht Russlands Wirtschaft schwer zu schaffen. Die ohnehin düsteren Aussichten haben sich nach Einschätzung der Zentralbank in Moskau nun noch weiter eingetrübt.

Die russische Notenbank erwartet, dass die Wirtschaft des Rohstoff-Riesen in diesem Jahr deutlich stärker schrumpft als bisher angenommen. Eine genaue Zahl nannte sie allerdings nicht. Ende Dezember hatte die Zentralbank vorhergesagt, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde 2016 um mehr als zwei Prozent sinken, sollte der Ölpreis auf dem damaligen Niveau von knapp unter 37 Dollar verharren. Aktuell kostet Öl etwa zehn Prozent weniger.

Damit verharrt Russland wohl länger in der Rezession als von der Regierung erhofft. Im vergangenen Jahr sei das BIP um 3,7 Prozent zurückgegangen, so die Notenbank. Erst 2017 werde die Wirtschaft wieder wachsen, doch dann werde das Plus gering sein.

Die Regierung geht offiziell zwar noch von einem Plus von 0,7 Prozent für dieses Jahr aus. Doch intern scheint sich Russlands Führung von den optimistischen Vorhersagen verabschiedet zu haben. Die Defizitlatte für den Haushalt in Höhe von drei Prozent der Wirtschaftsleistung wird klar gerissen, schließlich hat der Staat mit einem Ölpreis von 50 Dollar je Fass kalkuliert. Der russische Staat bezieht etwa die Hälfte seiner Einnahmen aus dem Öl- und Erdgassektor.

Russland müsse sich wirtschaftlich auf das Schlimmste vorbereiten, hatte Premier Dmitri Medwedew Mitte Januar gesagt und die Ministerien dem Vernehmen nach angewiesen, Sparprogramme auszuarbeiten.

Medienberichten zufolge müssen in jedem Ressort zehn Prozent eingespart werden – ausgenommen seien nur einige heilige Kühe wie Rentenzahlungen oder die Bezüge für Angestellte des Staats. Sollten Sparmaßnahmen tatsächlich in der kolportierten Höhe durchgesetzt werden, wäre das für die ohnehin schwächelnde Wirtschaft ein schwerer Schlag.

Notenbank in der Zwickmühle

Hinzu kommt: Die Notenbank rührte den Leitzins am Freitag zwar nicht an, er liegt weiter bei elf Prozent. Doch jetzt schloss sie explizit nicht aus, den Leitzins anzuheben, sollten sich die "inflationären Risiken" verstärken. Das ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil sich die Notenbank bisher entschlossen gegeben hat, die Zinsen weiter zu senken.

Für eine Wirtschaft, die in der Rezession steckt, sind hohe Zinsen tendenziell schädlich, weil sie Kredite verteuern. Sie wirken aber anti-inflationär. Die Notenbank steckt in einer Zwickmühle. Denn der niedrige Ölpreis zieht auch den Rubel in die Tiefe, das heizt die ohnehin sehr hohe Inflation in Russland weiter an. Denn Importe werden so teurer. Die Preissteigerung lag im Dezember bei 12,9 Prozent. Die Zentralbank ist so gezwungen, trotz schrumpfender Wirtschaft den Leitzins weiter hoch zu halten – und so die Konjunktur zu bremsen.

In Sachen Inflation geben sich die Notenbanker allerdings zuversichtlich: Sie rechnen damit, dass die Inflation im Januar auf zehn Prozent fällt und Ende nächsten Jahres den Zielwert von vier Prozent erreicht.

Quelle: n-tv.de

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