Wirtschaft
(Foto: REUTERS)

Ratingagentur schlägt Alarm: S&P sieht Ukraine auf Pleite zusteuern

Die Ratingagentur Standard & Poor's hält einen Bankrott der Ukraine für zunehmend wahrscheinlich. Die Staatspapiere erreichen nach einer erneuten Abstufung Ramschniveau. Die Währungsreserven schmelzen.

Die Staatskrise in der Ukraine (alle Entwicklungen im n-tv.de Liveticker) treibt das Land in den Rand der Pleite. Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) senkt die Bonitätsnote des Landes um eine Stufe auf CCC mit negativem Ausblick. Damit werden die Staatspapiere als hochspekulativ eingestuft. Zuvor hatte das Rating bei CCC+ gelegen. "Wir halten inzwischen einen Zahlungsausfall der Ukraine für wahrscheinlich, wenn es nicht zu signifikanten Besserungen kommt", erklärten die Kreditwächter.

Die politische Lage in dem Land habe sich so stark verschlechtert, dass die Fähigkeit, die Schulden zu bedienen, zunehmend gefährdet erscheine, teilte S&P zur Begründung mit. Zudem sei unsicher, ob Russland das Land im Jahresverlauf 2014 weiter finanziell unterstützen werde. Im Dezember hatte Russland eine Finanzspritze von 15 Milliarden US-Dollar versprochen.

Russische Kreditlinie wackelt

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"Wir glauben, dass die russische Hilfe an die gegenwärtige Regierung und ihre Abkehr von der Europäischen Union und ihre Hinwendung zu Russland gebunden ist", erläuterte S&P. "Wegen der eskalierenden Krise in der Ukraine ist die russische Kredithilfe von 15 Milliarden US-Dollar zunehmend unsicher."

Auslöser für die politische Krise in der Ukraine war die Entscheidung der Regierung in Kiew, den Assoziierungsprozess mit der EU auszusetzen und stattdessen den Handel mit Russland auszubauen. Gegen diesen Kurswechsel gibt es seit Monaten heftige Proteste der pro-europäischen Opposition, die zuletzt in blutige Kämpfe umschlugen.

S&P schätzt, dass die Regierung, die Zentralbank und die staatliche Gasfirma Naftogaz in diesem Jahr rund 13 Milliarden US-Dollar benötigen, um ausländische Schulden zu bedienen. Die Währungsreserven der Ukraine sind im Januar auf 17,8 Milliarden US-Dollar von 20,4 Milliarden im Dezember gefallen.

Ausfall lediglich kurzfristiger Papiere?

"Sollte Russland nicht zu seinen Versprechungen stehen, erwarten wir, dass die ukrainische Regierung ihre ausländischen Schulden nicht bedienen wird", erklärten die S&P-Kreditanalysten.

Nicht ganz so pessimistisch ist Viktor Szabo, Portfolio-Manager bei Aberdeen Asset Management: "Sollte Russland die Ukraine fallen lassen, dann gibt es das Risiko, dass zumindest Papiere mit kürzeren Laufzeiten verspätet zurückgezahlt werden, bevor der IWF zur Hilfe kommt."

Inzwischen zeichnet sich eine Wende in der ukrainischen Krise ab. Präsident Viktor Janukowitsch ist zu vorgezogenen Präsidentschaftswahlen bereit. Zugleich erklärte er, eine Verfassungsreform und die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit zu akzeptieren. Ein Datum wurde in der Mitteilung allerdings nicht genannt. Damit scheint möglich, dass Russland den Kampf um die Ukraine verliert und die Opposition an die Macht kommt.

Russland peilt ausgeglichenen Haushalt an

Derweil könnte Russland nach Einschätzung der Regierung in diesem Jahr einen ausgeglichenen Haushalt erreichen und deswegen die Folgen der strafferen US-Geldpolitik besser abfedern als andere Schwellenländer. Das Ministerium habe ein Haushaltsdefizit von 0,5 Prozent der Wirtschaftsleistung einkalkuliert, aber es könnte auch zu einem ausgeglichenen Budget kommen, sagte Finanzminister Anton Siluanow. In anderen Schwellenländern sei eher mit stabilen Defiziten zu rechnen.

Der russische Rubel war in den vergangenen Wochen ähnlich wie Währungen anderer Schwellenländer unter Druck geraten, als die US-Notenbank das Volumen ihrer Wertpapierkäufe drosselte. Investoren zogen deshalb ihr Geld aus vielen aufstrebenden Volkswirtschaften ab, weil die USA dank anziehender Renditen für Geldanlagen wieder attraktiver wurden. Russland habe dank seiner Haushaltslage die Änderungen kaum gespürt, sagte Siluanow. Der Rubel habe rund zehn Prozent an Wert verloren. In den fünf am stärksten betroffenen Schwellenländern hätten die Währungen im Schnitt 20 Prozent nachgegeben. Russland werde deshalb nach derzeitigem Stand auch das Zinsniveau beibehalten.

Die Regierung in Moskau setzt darauf, dass Russland in diesem Jahr von einer anziehenden globalen Konjunktur profitiert. Im vorigen Jahr hatte die Wirtschaft nur um 1,3 Prozent zugelegt. "Es gibt ein langsames, aber nachhaltiges Wachstum", sagte Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew. "Wir rechnen für 2014 damit, dass das Wachstum bei 2,5 Prozent liegen wird." Die russische Notenbank hingegen hat erst vor kurzem ihre Wachstumsprognose von zwei Prozent auf 1,5 bis 1,8 Prozent gesenkt.

Quelle: n-tv.de

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