Wirtschaft
"Es gibt Millionen Unternehmen in China, die in die Welt hinaus streben": Jim Hagemann Snabe.
"Es gibt Millionen Unternehmen in China, die in die Welt hinaus streben": Jim Hagemann Snabe.(Foto: dpa)

Einstieg bei Blackberry?: SAP-Chef Snabe winkt ab

Der kanadische Smartphone-Pionier Blackberry muss weiter auf einen hilfsbereiten Retter warten. Das Walldorfer Dax-Unternehmen hegt tatsächlich ganz andere Pläne. Der scheidende Co-Chef Snabe enthüllt: SAP will mit Macht und viel Geld in China wachsen.

Der größte deutsche Softwarekonzern SAP setzt verstärkt auf das Geschäft mit chinesischen Unternehmen. "Das Potenzial des chinesischen Marktes ist unendlich für uns", sagte Co-Chef Jim Hagemann Snabe der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua. "Dabei sind kleine und mittelgroße Unternehmen der Schlüssel", fügte der Däne an. Snabe wird den Softwareriesen bis zum kommenden Frühjahr noch zusammen mit Bill McDermott leiten. Danach übernimmt der Amerikaner McDermott alleine die Führung.

Zur Umsetzung der China-Strategie nimmt SAP reichlich Schwungmasse in die Hand: Der Walldorfer Konzern will bis 2015 zwei Milliarden Euro in China investieren. Schon jetzt habe SAP dort mehr als 6000 Kunden und mehr als 450 Partner, sagte Snabe weiter. Die Belegschaft habe sich dort auf gut 4200 Beschäftigte verdoppelt.

Im ersten Halbjahr war SAP - unter anderem aufgrund des Regierungswechsels in Peking und Management-Veränderungen im chinesischen Markt - langsamer gewachsen. Im dritten Quartal aber habe der Konzern in Asien wieder zugelegt. Den Zwischenbericht zum dritten Quartal hatte SAP am 21. Oktober vorgelegt. "Vor allem China hat sich stark erholt, was SAP ein prozentual zweistelliges Wachstum brachte", sagte er. "Es gibt Millionen Unternehmen in China, die in die Welt hinaus streben."

SAP ist dabei nicht das einzige deutsche Schwergewicht, das sein wirtschaftliches Schicksal an ein anhaltendes, stabiles Wachstum in China knüpft: Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt wuchs in den ersten drei Quartalen um 7,7 Prozent. Damit dürfte das Ziel der Regierung für das Gesamtjahr von 7,5 Prozent erreichbar sein. Es wäre aber das kleinste Plus seit 23 Jahren, wie Beobachter anmerken.

Gesteuertes Wachstum

Um die Dynamik zu stabilisieren und größere Turbulenzen zu vermeiden, will Peking die Wirtschaft unabhängiger von Investitionen und Krediten machen, unrentable Branchen nicht mehr stützen und dafür den privaten Konsum stärken. Die Wirtschaftslenker der regierenden Kommunistischen Partei nehmen dafür sogar ein vorübergehend langsameres Wachstum in Kauf.

Die allseits bekannten Risiken im chinesischen Markt scheinen SAP unterdessen nicht weiter zu beunruhigen: Im dritten Quartal habe der Umsatz mit Softwarelizenzen sowie mit den sogenannten "Cloud-Subskriptionen" dort jeweils um rund 30 Prozent zugelegt, sagte SAP-Finanzvorstand Werner Brandt im Gespräch mit "Euro am Sonntag". Das neue Führungsteam für die chinesische Landesgesellschaft fahre erste Erfolge ein.

Landeschefin Hera Siu hatte im Februar überraschend eine Auszeit genommen. Neuer Leiter der Geschäfte in China, Hong Kong, Macau, und Taiwan ist Mark Gibbs. Er war zuvor in der Rolle als "Chief Operating Officer" bei SAP für die Geschäftsregion "Asia Pacific Japan" zuständig.

Kein Interesse an Blackberry

Eine Absage erteilte SAP-Finanzchef Brandt den Spekulationen, der deutsche Softwarekonzern könne sich den angeschlagenen Smartphone-Pionier Blackberry einverleiben. Das stehe bei SAP "nicht auf der Agenda", hieß es. "Blackberry passt nicht in unsere Strategie", sagte Brandt. Programme für mobile Geräte seien bereits Teil der SAP-Kernanwendungen.

Für den zum Verkauf stehenden kanadischen Konzern gibt es eine Reihe von Interessenten. Auch SAP war Interesse nachgesagt worden. Blackberry verliert immer mehr den Anschluss an die stetig wachsenden Rivalen Apple und Samsung. Das Unternehmen musste zuletzt eine drastische Gewinnwarnung ausgeben und plant einen massiven Stellenabbau.

Quelle: n-tv.de

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