Wirtschaft
Erfahrene Nyse-Händler wie Peter Tuchman wissen: Leicht wird es nicht, die Pandora-Büchsen des übermenschlich schnellen Computerhandels zu schließen.
Erfahrene Nyse-Händler wie Peter Tuchman wissen: Leicht wird es nicht, die Pandora-Büchsen des übermenschlich schnellen Computerhandels zu schließen.(Foto: dpa)

Dark Pools an der Wall Street: SEC-Chefin packt heißes Eisen an

Ihr ehrgeiziges Vorhaben könnte das ungezügelte Treiben in den Schattenzonen des US-Finanzsystems empfindlich beschneiden: Mary Jo White, Leiterin der mächtigen US-Aufsichtsbehörde SEC will dem Highspeed-Trading einen Riegel vorschieben.

Wenn es jemand schaffen kann, dann die Chefin der mächtigen Securities and Exchange Commission (SEC): Mary Jo White.
Wenn es jemand schaffen kann, dann die Chefin der mächtigen Securities and Exchange Commission (SEC): Mary Jo White.(Foto: picture alliance / dpa)

Die US-Börsenaufsicht SEC geht gegen den umstrittenen Hochfrequenzhandel und undurchsichtige Geschäfte außerhalb der Aktienmärkte in die Offensive. Wie Behördenchefin Mary Jo White in New York ankündigte, arbeitet ihr Haus an einem ganzen Paket an Maßnahmen für mehr Transparenz und Fairness im Finanzhandel.

Damit stellt die Leiterin der Securities and Exchange Commission (SEC) erstmals seit ihrem Amtsantritt im Frühjahr 2013 konkret neue Vorschriften für den Aktienhandel in Aussicht. Der rein elektronische Hochfrequenzhandel und die Transaktionen im Schattenbereich abseits des beaufsichtigten Marktes gelten als ungemein einträglich, bergen aber Experten zufolge enorme Risiken für das gesamte Finanzsystem - gerade weil hier riesige Geldströme ohne jegliche Kontrolle fließen.

Domino-Steine im Dunkeln

Die Befürchtung: Ähnlich wie im Fall der vor der Lehman-Krise enorm beliebten Kredit-Derivate könnten sich Marktteilnehmer im Fall einer Krise untereinander kaum noch einen sicheren Überblick verschaffen. Das könnte das wechselseitige Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit untergraben und damit eine neue, womöglich noch verhängnisvollere Kettenreaktion heraufbeschwören. Diesmal allerdings wäre die öffentliche Bereitschaft für weitere Stützungsaktionen zur Rettung taumelnder Geldhäuser kaum noch durchsetzbar. Ein größerer Zusammenbruch wäre mit herkömmlichen Mitteln nicht mehr aufhaltbar.

Das Transaktionsvolumen im Hochfrequenzhandel ist in den vergangenen Jahren immer weiter angeschwollen. Die US-Börsenaufsicht und mit ihr SEC-Chefin White stehen damit vor einem Problem beunruhigender Größenordnung. Whites als ehrgeizig eingestuftes Vorhaben einer verschärften Kontrolle in diesem Schattenbereich könnte die seit Anfang 2010 laufenden SEC-Bemühungen um eine Reform des Börsengeschäfts nun entscheidend vorantreiben. Scheitert sie, müsste die Welt weiter mit einem kaum kalkulierbaren Unsicherheitsfaktor leben.

Unüberschaubare Risiken

"Anleger und staatliche Unternehmen profitieren in großem Maße von stabilen und widerstandsfähigen Märkten", erklärte White zur Vorstellung ihres Vorhabens. Diese Stabilität und Widerstandsfähigkeit wolle sie durch ihre Maßnahmen weiter stärken. Beobachter erkennen in ihren Äußerungen eine Art Kehrtwende.

Noch Ende April war White Vorwürfen entgegengetreten, extrem schnelle Computergeschäfte mit Aktien führten zu einer weitreichenden Verzerrung des Marktgeschehens. White reagierte damit direkt auf das in den USA vieldiskutierte Buch "Flash Boys" des Besteller-Autors Michael Lewis. Er wirft Hochfrequenzhändlern vor, den Markt zu manipulieren. Befürworter der auf Computeralgorithmen basierenden Methode weisen dies zurück. Auch White sagte, es handele sich dabei nicht um illegale Insider-Geschäfte.

Unerklärliche Flash-Crashs

Trotzdem will sie mit ihren nun geplanten Maßnahmen Hochfrequenzhändler an die kürzere Leine nehmen und beispielsweise bei Marktturbulenzen besonders aggressives Geschäftsgebaren unterbinden. Als ein Auslöser für die neuen Bemühungen gilt ein massiver Kurssturz des Dow Jones im Mai 2010. Damals war die Situation, so sind sich die Marktbeobachter mittlerweile sicher, aufgrund einer Kettenreaktion im Hochfrequenzhandel erst richtig eskaliert. Der Vorfall hatte die zuvor eher theoretisch geführte Diskussion um den rasanten Computerhandel weiter angefacht.

Ebenfalls in Whites Blickfeld geraten ist der Handel in sogenannten Dark Pools: Anbieter solcher anonymen außerbörslichen Geschäfte sollen künftig der Aufsicht und der Öffentlichkeit mehr über ihre Praktiken preisgeben. Genutzt wird dieser Schattenhandel besonders von institutionellen Investoren, die unbemerkt vom Rest der Welt große Aktienpakete kaufen oder verkaufen - und damit ungewollt große Unsicherheiten in den Markt tragen.

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Quelle: n-tv.de

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