Wirtschaft

Gewinnziel auf der Kippe Salzgitter malt schwarz

23.04.2010, 08:25 Uhr

Neue Rohstofflieferverträge und die Unsicherheit am Stahlmarkt könnten das Jahresziel von Salzgitter ins Wanken bringen. Auswege aus dem Rohstoffdilemma gibt es aus Sicht von Unternehmenschef Wolfgang Leese vor allem für kleinere Stahlhersteller wie Salzgitter kaum.

Der Stahlkonzern Salzgitter sieht wegen explodierender Rohstoffkosten und der Unsicherheit am Stahlmarkt sein Gewinnziel für 2010 in Gefahr. "Wenn es hart auf hart kommt, müssen wir unsere Prognose anpassen", sagte Konzernchef Wolfgang Leese der "Financial Times Deutschland" (FTD). Die Wahrscheinlichkeit dafür bezifferte er demnach auf 50 Prozent.

"Weder die Rohstoffkosten noch die nachgefragten Mengen noch der Verkaufspreis sind kalkulierbar - mehr Unsicherheit geht nicht", sagte Leese. Bislang erwartet das Unternehmen einen Vorsteuergewinn im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Die Analystenschätzungen liegen hingegen bei 234 Mio. Euro.

Kein Ausweg aus dem Rohstoffdilemma

Belastet wird die Stahlbranche durch drastische Preiserhöhungen der großen Eisenerzproduzenten. Diese wollen zudem die Laufzeit der Verträge auf drei Monate von bislang einem Jahr verkürzen. Damit könnten sie die Abschlüsse vierteljährlich in die Höhe schrauben. "Wir sind noch in Verhandlungen mit den Rohstoffkonzernen, aber ich mache mir keine Illusionen, dass wir einen besseren Abschluss erzielen können", sagte Leese. Zugleich allerdings bietet ein neuer Nachfrageschub durch die weltweite Konjunkturerholung gute Chancen, die hohen Rohstoffkosten an die Kunden weiterzureichen. "Bei den Verkaufsmengen liegen wir aktuell deutlich über unseren Erwartungen", sagte der Salzgitter-Chef, schränkte allerdings zugleich ein: "Wir wissen nicht, ob der hohe Auftragseingang darauf zurückzuführen ist, dass die Kunden ihre Läger auffüllen, oder ob tatsächlich der Stahlverbrauch steigt."

Auswege aus dem Rohstoffdilemma gibt es aus Leeses Sicht vor allem für kleinere Stahlhersteller wie Salzgitter kaum. Denkbar wäre eine Preisgleitklausel in den Verträgen mit Autokunden, die sich den Rohstoffkosten anpasst. Im Flachstahlgeschäft wäre das aber ein Novum. Zudem liefen Gespräche mit Kunden über kürzere Laufzeiten von Stahllieferverträgen. "Mit einer solchen Volatilität der Einkaufs- und Verkaufspreise haben wir noch keine Erfahrung", räumte Leese ein. Salzgitter habe auf die Neugestaltung der Verträge aber wenig Einfluss. Das sei Sache führender Stahlkonzerne und der großen Autokunden.

Keine Erz-Expansion

Eine Beteiligung an einer Eisenerzmine zur Rohstoffversorgung schloss Leese der Zeitung zufolge aus. "Das wäre ein Milliarden-Dollar-Projekt", sagte er. Vom Rohstoffboom profitieren kann Salzgitter durch seine 25-prozentige Beteiligung am Kupferproduzenten Aurubis. Eine Aufstockung sei "zurzeit nicht beabsichtigt", wird Leese zitiert.

Er deutete der Zeitung zufolge aber zugleich an, dass es im Röhrengeschäft eine negative Überraschung geben könnte. "Bei der zweiten Röhrenlieferung für das Nordstream-Projekt zahlen wir drauf", sagte Leese. Im laufenden Quartal seien daher Rückstellungen für drohende Verluste in Millionenhöhe erforderlich, wird er zitiert.

Quelle: rts/dpa