Wirtschaft
Montag, 09. Juli 2012

Lloyds Fonds plant Auffanggesellschaft: Schiffsfonds in schwerer See

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Die Reederei-Branche steckt in einer tiefen Krise, viele kleinere Unternehmen stehen mit dem Rücken zur Wand. Wie ernst die Situation ist, bekommen auch Anleger zu spüren, die Geld in das einst beliebte Steuersparmodell gesteckt haben.

Etwa ein Drittel der weltweiten Containerschiff-Flotte wurde in Deutschland finanziert.
Etwa ein Drittel der weltweiten Containerschiff-Flotte wurde in Deutschland finanziert.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Schiffsfahrtsbranche steht unter Druck. Stagnierende Frachtraten, Überkapazitäten und die flaue Entwicklung der Weltwirtschaft bringen viele Reeder und Anleger in die Bedrouille, die in Schiffsfonds investiert haben – lange ein beliebtes Steuersparmodell. Nach Angaben der "Financial Times Deutschland" will der Hamburger Lloyd Fonds nun 16 Schiffe in eine Auffanggesellschaft ausgliedern, in eine  Art Band Bank für notleidende Finanzierungen. Den Anlegern drohen massive Kapitalverluste, berichtet die Zeitung. Gut 6000 Investoren seien von den Plänen betroffen.

Der "FTD" zufolge hofft Lloyd-Fonds-Vorstandschef Torsten Teichert, den Zusammenschluss besser als Sicherheit bei Banken hinterlegen zu können und so an frisches Kapital zu kommen, ohne dass die Investoren neues Geld nachschießen müssen. In den vergangenen Jahren gingen bundesweit rund 100 Anlegerschiffe im Wert von 1,7 Mrd. Euro pleite, wie es hieß. Etwa ein Drittel der weltweiten Flotte von Containerschiffen ist in Deutschland finanziert worden. 

Commerzbank zieht sich zurück

Die Entscheidung des Fonds wirft ein Schlaglicht auf den Zustand der Schiffsfinanzierung. Denn auch andere Anbieter planen ähnliche Modelle für ihre Fonds. Außerdem hatte die Commerzbank vor wenigen Tagen angekündigt, aus der Schiffsfinanzierung auszusteigen. Die Bank ist nach der HSH Nordbank die Nummer zwei unter Deutschlands Schiffsfinanzierern. Die HSH war in diesem Bereich Weltmarktführer, fährt das zyklische Geschäft aber nicht zuletzt auf Druck der EU Im Gegenzug für die erhaltenen Staatshilfen zurück.

Vor allem kleinere Reedereien stehen derzeit unter Druck. Von den kürzlich von der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers befragten kleineren Firmen rechnete weniger als die Hälfte in den kommenden zwölf Monaten mit Geschäftszuwächsen. Über 80 Prozent der Befragten waren überdies der Ansicht, dass etliche deutsche Reedereien das nächste Jahr nicht überstehen werden. Zahlreiche Einschiffsgesellschaften stehen vor dem Aus, weil die Erträge nicht für die Tilgung der Kredite ausreichen. Dabei handelt es sich um Gesellschaften, bei denen Investoren Eigenkapital über Fonds bereitgestellt haben.

Die Reeder rufen derweil nach Staatshilfe in Form von Überbrückungskrediten der KfW. Doch die Bundesregierung lehnt das ab.

Quelle: n-tv.de

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