Wirtschaft
Demonstrationsflug durch das Berner Oberland: Die Schweizer testeten den "Greif" mit viel Getöse auf Herz und Nieren.
Demonstrationsflug durch das Berner Oberland: Die Schweizer testeten den "Greif" mit viel Getöse auf Herz und Nieren.(Foto: REUTERS)

Strenge Blicke aus der Schweiz: Schweden bestellt Kampfjets

Schwedische Militärpiloten bekommen neue Maschinen: Zur Verstärkung ihrer Luftstreitkräfte gibt die Regierung in Stockholm grünes Licht für einen milliardenschweren Großauftrag. Das investierte Geld bleibt größtenteils im eigenen Land - und macht den Weg frei für lukrative Folgeaufträge.

Markante Lufteinlässe und nur ein Triebwerk: Experten können den Gripen von seinen direkten Rivalen Eurofighter und Rafele auf den ersten Blick unterscheiden.
Markante Lufteinlässe und nur ein Triebwerk: Experten können den Gripen von seinen direkten Rivalen Eurofighter und Rafele auf den ersten Blick unterscheiden.(Foto: REUTERS)

Die von langer Hand geplante Modernisierung der schwedischen Luftwaffe schreitet voran: Das Militär des gut neun Millionen Einwohner zählenden EU-Landes im Norden Europas hat 60 Kampfflugzeuge vom Typ Jas 39 "Gripen E" beim heimischen Saab-Konzern bestellt.

Insgesamt wird die Staatskasse dem Unternehmen für die bis 2026 vorgesehene Lieferung 47,2 Mrd. Kronen (5,6 Mrd. Euro) überweisen, teilte das zuständige Materialamt FMV und Saab übereinstimmend mit. Rein rechnerisch liegt der Stückpreis für einen "Gripen" in der neuesten Version damit bei umgerechnet rund 93 Mio. Euro.

Wie groß der Auftrag für schwedische Verhältnisse ist, zeigt sich im Vergleich: Der gesamte Militär kam zuletzt auf ein Volumen von etwa 40 Mrd. schwedische Kronen pro Jahr.

Die Regierung in Stockholm fällt jedoch nicht nur in finanzieller Hinsicht eine gewichtige Entscheidung: Die endgültige Einigung über die Lieferung ab 2018 ist Voraussetzung für den von Saab angestrebten Export des Kampfjets in die Schweiz sowie andere Länder.

Erst im Januar hatte der schwedische Reichstag den Weg für die umfassende Neuanschaffung frei gegeben. Dabei meldeten Medien stark voneinander abweichende, inoffizielle Kostenschätzungen zwischen 30 und 90 Mrd. Kronen.

"Gripen" steht für "Greif"

Eine besondere Rücktrittsklausel entbindet den schwedischen Staat von dem Geschäft, falls sich das Flugzeug nicht zu profitablen Konditionen produzieren lassen sollte: Wenn der angestrebte Auftrag über insgesamt 22 "Gripen E" aus der Schweiz ausbleibt oder auch anderweitig insgesamt weniger als 20 Flugzeuge verkauft werden, kann Stockholm die eigene Bestellung bis 2014 rückgängig machen.

Noch liegt die Bestellung aus der Schweiz nicht in trockenen Tüchern. Das Parlament in Bern hat den Großauftrag noch nicht verabschiedet. Vorausgegangen war ein aufwändiges Auswahlverfahren der Schweizer durch die Schweizer Luftwaffe, bei der Testpiloten und Ingenieure die Leistungsmerkmale des Saab-Jets mit den wichtigsten Konkurrenzprodukten ausführlich und unter Alpen-Bedingungen unter die Lupe genommen hatten.

Der Eurofighter fällt durch

Bis in die engere Auswahl der Schweizer geschafft hatten es neben der zweistrahligen Dassault "Rafale" auch der ebenfalls zweistrahlige "Eurofighter".  Neben den fliegerischen Eigenschaften und der konzeptionellen Ausrichtung der getesteten Modelle achteten Schweizer Verteidigungsexperten besonders auch auf nicht-militärische Auswahlkriterien wie etwa Gesamtanschaffungspreis, Beschaffungskonditionen und Instandhaltungskosten.

Den einstrahligen Kampfjet Jas 39 hat Saab bislang bereits an Militärs in Südafrika, Tschechien und Thailand verkauft. Auch die schwedische Luftwaffe verfügt über eigene Erfahrungen mit dieser Baureihe. Neu angeschafft werden jetzt modernisierte Versionen vom Typ "Gripen E". In den Reihen der schwedischen Luftstreitkräfte sollen die neuen Kampfjets die mittlerweile veralteten Vorläufermodelle aus der Gripen-Reihe ersetzen.

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Quelle: n-tv.de

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