Wirtschaft
"Front Running" ist in den meisten Ländern eine illegale Praxis.
"Front Running" ist in den meisten Ländern eine illegale Praxis.(Foto: REUTERS)

Kursmanipulationen auf dem Devisenmarkt: Schweizer Finanzinstitute unter Verdacht

Spätestens seit dem Libor-Skandal kursieren Gerüchte, dass auch der Devisenmarkt nicht ganz sauber ist. Nun stehen mehrere Finanzinstitute im Verdacht, bei einer ganzen Reihe von Währungen Referenzkurse zugunsten eigener Geschäfte manipuliert zu haben.

Die Schweizer Bankenaufsicht FINMA geht dem Verdacht auf Kursmanipulationen im Devisenmarkt nach. In enger Abstimmung mit ausländischen Behörden gebe es Untersuchungen bei mehreren Schweizer Finanzinstituten, teilte die FINMA mit, ohne weitere Einzelheiten zu nennen. International sei möglicherweise eine Vielzahl von Banken betroffen.

Bereits im Sommer hatte die britische Finanzmarktaufsicht FCA (Financial Conduct Authority) erklärt, sie gehe Berichten über Manipulationen bei der Festlegung von Referenzkursen für eine ganze Reihe von Währungen nach. Solche Referenzkurse werden im Devisenhandel auf der Basis von Markt-Transaktionen festgelegt. Sie dienen Firmen und großen Anlegern wie Fonds als Basis für ihre Währungsgeschäfte. Ob die FCA nun mit der FINMA zusammenarbeitet, wollte ein Sprecher nicht sagen.

Händler mit einer genauen Kenntnis des Marktes können versuchen, die Referenzkurse zu manipulieren oder zugunsten eigener Transaktionen auszunutzen. Das gilt vor allem dann, wenn sie wissen, welche großen Kundenaufträge anstehen. Im Händler-Jargon spricht man von "front runnig". Auch im Libor-Skandal ging es darum, dass einzelne Händler den Referenzzins zu ihren Gunsten beeinflussten. Es sei für ihn keine Überraschung, dass es im Devisenhandel solche Versuche gebe, sagte ein Londoner Händler. Angesichts der Größe des Marktes und der Vielzahl von Marktteilnehmern könne das aber auch leicht schiefgehen.

Der Verdacht auf Kursmanipulationen hat nun die Schweizer Kartellbehörde auf den Plan gerufen. Die Wettbewerbskommission (WEKO) leitete Ende September eine Voruntersuchung wegen möglicher Absprachen von Währungswechselkursen zwischen verschiedenen Banken ein.

Kein Kommentar von den Großbanken

Der weltweite Devisenmarkt ist riesig. Pro Tag werden Devisen im Gegenwert von mehr als 5000 Milliarden Dollar umgesetzt. Größere Devisenhandels-Operationen betreiben in der Schweiz vor allem die beiden Großbanken UBS und Credit Suisse. Beide Finanzhäuser wollten zu den Angaben der FINMA keine Stellung nehmen. "Kein Kommentar", erklärten Sprecher der beiden Banken.

Das Schweizer Internet-Portal "Inside Paradeplatz" berichtete, UBS habe zwei Devisen-Chefhändler entlassen. "Kein Kommentar", erklärte ein UBS-Sprecher auch dazu.

Deutsche Bank, die als Marktführer gilt, sowie die amerikanische Citi Group betreiben große Devisenhandelsabteilungen. Das gleiche gilt für Barclays und HSBC aus Großbritannien. Im Libor-Skandal wurden UBS, Barclays und Royal Bank of Scottland zu zum Teil hohen Geldstrafen verurteilt, weil ihre Händler den Referenzzins manipuliert hatten. Die Aktien von Credit Suisse und UBS notierten an der schwächeren Schweizer Börse kaum verändert.

Die Festlegung von Referenzkursen basiert weitgehend auf Marktdaten, die der Informationskonzern Thomson Reuters liefert. Die Berechnungen nimmt World Markets Co, ein Unternehmen von State Street Corp vor. Thomson Reuters lehnte eine Stellungnahme ab.

Quelle: n-tv.de

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