Wirtschaft
Wird das Wunderlist-Logo bleiben?
Wird das Wunderlist-Logo bleiben?(Foto: dpa)
Mittwoch, 03. Juni 2015

Neid auf Microsoft-Millionen: "Seid stolz auf 6Wunderkinder"

Von Samira Lazarovic

Das Berliner Start-up "6Wunderkinder" wird für Millionen von Microsoft aufgekauft. Und was sagt die Heimat? "Rausgeschmissenes Geld." Typisch deutsche Neidgesellschaft, findet der Chefredakteur von Deutsche-Startups.de.

Es ist der Traum aller Gründer: Eine Idee haben, fünf Jahre fleißig arbeiten und dann mit Paukenschlag verkaufen. Genau das ist dem Berliner Start-up 6Wunderkinder geglückt, das hinter der To-Do-App "Wunderlist" steht. Nach dem Gerüchte hochkochten, bestätigte Microsoft zum Wochenstart den Kauf des Unternehmens. Insidern zufolge legt der US-Softwareriese zwischen 100 und 200 Millionen US-Dollar auf den Tisch.

Eigentlich sollte so ein Deal dem Standort Deutschland Mut machen. Stattdessen hagelt es jedoch Häme: Da ist von Geldverschwendung die Rede, von einer überschätzten App und es gibt Empfehlungen, was man mit der kolportierten Summe sinnvolleres tun könnte.  

Neid statt Applaus

Endloser Neid, endlose Missgunst, kommentiert Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de die Reaktionen. Da gelinge einem deutschen Start-up ein richtig grandioser Exit und die erweitere Startup-Szene des Landes kloppe nur drauf, schreibt Hüsing in einem Blogeintrag. Dabei sei die Übernahme der Beweis, dass deutsche Gründer Start-ups mit Weltruf aufbauen können.

Hüsing glaubt nicht daran, dass der Deal nur eine Schwalbe war, die für den Standort D noch lange keinen Sommer macht: "Der Kauf könnte die Start-up Szene des ganzen Landes so richtig befeuern, ein Investment-Feuerwerk im deutschen Gründerland auslösen", hofft der Branchenbeobachter. "Erstmal sollten wir alle, die wir als Deutsche ja ein massives Problem mit dem Wörtchen stolz haben, einmal laut Beifall klatschen. Dieser Exit ist für alle gut, egal, ob Gründer oder nicht. Egal, ob mit Risikokapital ausgestattet oder nicht."

Wehmut bei den Nutzern

Mit Neid haben die 13 Millionen Wunderlist-Nutzer offenbar weniger am Hut, sie fürchten vielmehr, dass ihre liebgewonnenen To-Do-Listen sich einfach im Microsofts "OneNote"-System auflösen werden – auch wenn das Wunderlist-Team anderes versprochen hat: "Unser Team wird für euch weiter an Wunderlist, Wunderlist Pro und Wunderlist for Business arbeiten." Auch soll die App weiterhin kostenlos bleiben.

Das ist ein guter Vorsatz  - ebenso wie der, den German-Wundernamen zu behalten. Schließlich hat dieser nach Ansicht von Branchenexperten nicht unerheblich zum Erfolg beigetragen. Viel Autonomie wird sich aber ein Start-up, das in einem riesigen Konzern aufgeht, möglicherweise nicht bewahren können. Das ist neben der Neiddebatte der Preis für einen solchen Deal.

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Quelle: n-tv.de

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