Wirtschaft
Ein Mädchen demonstriert mit schwarzen Blumen gegen die Sparpolitik der EZB in Nikosia. Im Hintergrund ein Brief an EZB-Chef Draghi.
Ein Mädchen demonstriert mit schwarzen Blumen gegen die Sparpolitik der EZB in Nikosia. Im Hintergrund ein Brief an EZB-Chef Draghi.(Foto: REUTERS)

Ein bisschen wie Griechenland : Wie sich Zypern aus der Krise windet

Von Diana Dittmer

Die Euro-Krisenstaaten machen Fortschritte. Bald ist nur noch Griechenland unter dem Rettungsschirm. Selbst Nachbar Zypern ist auf dem Absprung. Zu viel Nähe zum Pleitekandidaten tut dem Inselstaat nicht gut.

März 2013: Kunden der Laiki Bank wollen ihr Geld abholen. Die Bank muss im Gegenzug für die Troika-Hilfen abgewickelt werden.
März 2013: Kunden der Laiki Bank wollen ihr Geld abholen. Die Bank muss im Gegenzug für die Troika-Hilfen abgewickelt werden.(Foto: REUTERS)

Während Griechenland am Rande der Staatspleite balanciert und viele Negativschlagzeilen produziert, sind die anderen Krisenstaaten sichtlich gesundet. Die Medien feiern die konzertierte europäische Rettungsaktion der vergangenen Jahre mit glühenden Schlagzeilen: Da ist die Rede vom "irren Comeback" der Iren, dem "EU-Musterknaben" Portugal oder dem "Wunder von Zypern". Der Euro-Rettungseinsatz scheint insgesamt gesehen ein großer Erfolg zu sein.

Zypern musste vor zwei Jahren - auf dem vorerst letzten Höhepunkt der Eurokrise mit Bail-in und Bank Run - von EU, EZB und IWF mit zehn Milliarden Euro gestützt werden. Das meiste Geld ist inzwischen geflossen. Die Krisenintervention hat messbare Erfolge gebracht. Die überdimensionierte Finanzbranche hat sich gesundgeschrumpft. Das größte Geldhaus, die Bank of Cyprus, die damals vor dem Aus stand, schreibt heute wieder zweistellige Gewinne. Sie hat sich aus dem Ausland zurückgezogen und wieder auf Zypern konzentriert. Auch das zweitgrößte Geldinstitut, die Hellenic Bank, gilt trotz eines Nettoverlustes als solide kapitalisiert. Im kommenden Jahr sollen die Hilfszahlungen der internationalen Geldgeber an Zypern auslaufen.

Parallelen zu Griechenland

Zypern

Staatschulden 2013

18,52 Milliarden Euro

Wirtschaftswachstum 2014

-2,8 Prozent

Schuldenquote Q3 2014

122 Prozent

Arbeitslosigkeit 2014

16,2 Prozent

Trotz aller Erfolge bleibt die Lage für Zypern aber schwierig. Die Geldgeber sehen neben den Erfolgen auch immer noch große Schieflagen. So kritisieren sie zum Beispiel, dass Krediten von 60 Milliarden Euro immer noch Einlagen von nur 46 Milliarden Euro gegenüberstehen. Jedes zweite Darlehen wird nicht bedient - es ist das Ergebnis jahrelanger Spendierhosen-Mentalität der Banken und mangelnder Zahlungsmoral der Zyprer. Bank of Cyprus-Chef John Hourikan schätzt, dass "15 bis 20 Prozent jener Kreditnehmer, die ihre Darlehen nicht mehr bedienen, zahlen könnten, es aber nicht tun".

Rund ein Viertel der faulen Kredite entfällt auf etwa 30 große Schuldner, vor allem aus der Bauwirtschaft. Eine gesetzliche Handhabe gegen die säumigen Schuldner gibt es nicht - obwohl die Troika dies mehrfach forderte. Den Grund hierfür muss man nicht lange suchen: Seit kurzem kursiert eine Liste mit Namen von Oppositionspolitikern, die ihre Darlehen auch nicht zurückzahlen. Die Troika fackelte nicht lange. Weil das Parlament Zwangsvollstreckungen nicht erleichtern wollte, stellte sie die Hilfszahlungen kurzerhand ein: keine Reformen, kein Geld.

Hohe Schulden, niedriges Wachstum

Auch beim Wirtschaftswachstum und Abbau der Staatsverschuldung gibt es Nachholbedarf. Zwar wird die Wirtschaft Zyperns dieses Jahr wohl erstmals wieder wachsen, das Plus dürfte aber homöopathisch ausfallen. Die für Krisenländer wichtige Schuldenquote im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt dürfte nur geringfügig sinken. Bis Ende 2019 erwartet der IWF einen Schuldenstand von 19,7 Milliarden Euro - also mehr als heute - und dabei eine Schuldenquote von 106,5 Prozent. Zypern wird also auch weiterhin das Maastricht-Kriterium von höchstens 60 Prozent deutlich verfehlen.

Steuererhöhungen brachten Zypern keine Mehreinnahmen. Viele Unternehmen,  die mit niedrigen Abgaben gelockt worden waren, haben dem Inselstaat den Rücken gekehrt. Der Bevölkerung dürften somit noch viele magere Jahre bevorstehen. Denn, wo es hohe Schulden und wenig Wachstum gibt, entstehen keine neuen Jobs. Die Arbeitslosigkeit ist seit 2007 bereits um 12,3 Prozent gestiegen. Damit rangiert der 1,1 Millionen-Einwohnerstaat in einer Liga mit Griechenland und Spanien.

Zyperns Finanzminister "Wir haben unsere Staatsfinanzen bereits konsolidiert."
Zyperns Finanzminister "Wir haben unsere Staatsfinanzen bereits konsolidiert."(Foto: REUTERS)

Die Hilfsprogramme von Zypern und Griechenland sind zwar schwer vergleichbar, weil die Schuldenstaaten in unterschiedlichen Ligen spielen, trotzdem gibt es deutliche Parallelen. Nicht zu übersehen sind auch Anzeichen von Reformmüdigkeit. Parlamentspräsident Yiannakis Omirou von der links-nationalistischen EDEK-Partei appellierte kürzlich an die Zyprer, an der Seite der Griechen zu stehen, um die "kolonialistischen Fesseln des Bailouts" für Griechenland zu verändern. "Der Kampf der Nachbarn ist ein Kampf für nationale Würde, Unabhängigkeit und Souveränität."

Von Irland lernen

Die zyprische Regierung gibt sich jedoch hochmotiviert. Finanzminister Harris Georgiades ist überzeugt, dass "2015 das Jahr der Erholung" sein wird. Leuchtendes Vorbild ist Irland. Es sei beeindruckend, wie das Land die Reformen durchgezogen habe "und nun die am schnellsten wachsende Wirtschaft der Eurozone aufweist", sagte er.

Ende 2010 war Irland als erstes Land der Eurozone unter den damals neuen Rettungsschirm geschlüpft und hat Fremdkredite in Höhe von 67,5 Milliarden Euro bekommen. Im November 2013 gab die Troika grünes Licht, den Rettungsschirm zu verlassen. Zypern will dieses Jahr ebenfalls vorzeitig an den Kapitalmarkt zurückkehren. Sogar die Gesetzesvorlage für einfachere Zwangsvollstreckungen wurde inzwischen gebilligt. Die Hilfsgelder könnten also schon bald wieder fließen.

Die zyprische Regierung will auf jeden Fall den Eindruck vermeiden, sie könnte abtrünnig werden. Der konservative Staatspräsident Nikos Anastasiadis gilt als guter Freund von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Er brachte seine Regierung vorsorglich auf Distanz zu Griechenland. "Es gibt kulturelle Bande, mehr nicht", brachte es Finanzminister Georgiades auf den Punkt: "Wir gehen unseren eigenen Weg." Der ist noch lang. Der Rettungsschirm war nur der erste Schritt. Nur wenn weitere folgen, werden sich die Jubel-Schlagzeilen bewahrheiten.

Quelle: n-tv.de

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