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Konzernumbau nimmt Gestalt an: Siemens streicht 11.600 Stellen

Siemens nimmt den Rotstift in die Hand. Bei der Neuaufstellung sollen weltweit Tausende Jobs wegfallen. Zudem wird wohl die Medizin-Sparte ausgegliedert. Siemens versucht zu beschwichtigen: Es sei nicht von Kündigungen gesprochen worden.

Erstmals hat der Technologiekonzern Siemens den Umfang der geplanten Stellenstreichungen beziffert. Demnach plant Konzernchef Joe Kaeser den Wegfall von 11.600 Arbeitsplätzen. Dies erklärte er auf einer Investoren-Konferenz gesagt. Angaben dazu, wie viele Jobs am Ende tatsächlich dem Umbau zum Opfer fallen werden, machte der Manager nicht. "Herr Kaeser hat zunächst einmal nur gesagt, wie viele Stellen vom organisatorischen Umbau bei Siemens betroffen sind", sagte ein Sprecher. Dass sich der Konzern neu aufstellen will, ist bereits länger bekannt. Laut einem Bericht der Agantur Bloomberg verfolgt der Konzern zudem weiter die Abspaltung seiner Medizintechnik-Sparte.

Die IG Metall reagierte reserviert. "Die Zahl, die jetzt aufgeschlüsselt wurde, ist mit uns nicht besprochen worden", sagte eine Sprecherin. "Wir warten die Gespräche ab." In einem Abkommen mit den Arbeitnehmervertretern hatte Siemens vor einigen Jahren betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland für einen unbefristeten Zeitraum ausgeschlossen.

"7600 Menschen arbeiten in der Sektorkoordination, einer Managementebene, die weg ist", sagte Kaeser. "Weitere 4000 Beschäftigte haben sich mit Regionalanalyse beschäftigt, aber die Kunden sind die gleichen geblieben."

Durch den Wegfall der Sektorebene und der sogenannten Regionalcluster werde das Unternehmen transparenter und es falle weniger Arbeit an. "Wir wissen ziemlich genau, welche Aufgaben wir herausnehmen können. Das ist der Unterschied zum letzten Mal. Wir streichen jetzt konkret diese Arbeiten und teilen unsere Ressourcen anders auf", sagte er.

Siemens: Abbau bedeute nicht zwangsläufig Kündigung

Der Sprecher betonte, dass Stellenabbau nicht zwangsläufig Jobverluste bedeuten müsse. Es sei klar, dass es faire Lösungen geben müsse. "Das heißt zum Beispiel, dass wir natürlich sehen, ob und gegebenenfalls wo wir betroffene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an anderer Stelle im Unternehmen einsetzen können." kaeser hatte gesagt: "Wir sparen, wir nehmen Arbeit heraus, wir verteilen unsere Ressourcen neu."

Kaeser hatte erst kürzlich einen großangelegten Konzernumbau angekündigt. Neben dem Wegfall der Sektor-Organisation soll die Zahl der Divisionen von 16 auf 9 reduziert werden. Die Kosten sollen um rund eine Milliarde Euro gesenkt werden. Die Pläne hatten prompt Sorgen geweckt, dass sich die 360.000 Mitarbeiter nach zahlreichen Spar- und Sanierungsprogrammen der vergangenen Jahre erneut auf Einschnitte gefasst machen müssen.

Börsengang der Medizin-Sparte?

Weiter sagte Kaeser laut Bloomberg, dass die Medizintechnik-Sparte künftig separat geführt werden soll. Zwar gebe es keine Verkaufspläne, doch sei man vorbereitet auf alles, was komme, sagte er. Zugleich sagte er laut Bloomberg, dass der Konzern in diesem Bereich zu viel in Zukäufe bei der Sparte investiert habe. Seit einiger Zeit wird spekuliert, dass der Konzern nach seiner früheren Tochter Osram auch diesen Bereich an die Börse bringen könnte.

Die IG Metall hatte eine Trennung von der traditionsreichen Medizintechnik, kategorischwie sie Siemens anklingen ließ, lehnt Kerner grundsätzlich ab. "Die Medizintechnik ist für die IG Metall und den Gesamtbetriebsrat ein fester Bestandteil des Unternehmensverbunds. Eine komplette Verselbständigung würden wir nie mittragen, das weiß der Vorstand auch."

Derweil ringt Siemens weiter dem US-Konkurrenten General Electric (GE) um eine Übernahme von Teilen des französischen Alstom-Konzerns. Die Münchener wollen am 16. Juni eine Offerte vorlegen. GE hatte zuletzt sein Angebot verbessert.

Quelle: n-tv.de

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