Wirtschaft
Ifo-Chef Hans-Werner Sinn wartet mit unbefriedigenden Daten auf.
Ifo-Chef Hans-Werner Sinn wartet mit unbefriedigenden Daten auf.(Foto: dpa)

Ifo-Zahlen unter Erwartungen: Sinn registriert "erschrockene Wirtschaft"

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft trübt sich merklich ein. Während sich die Einschätzungen der Unternehmen zur aktuellen Geschäftslage nur leicht verschlechtern, geben die Erwartungen für das kommende Halbjahr deutlich nach.

Die deutsche Wirtschaft hat einen Fehlstart ins Jahr 2016 hingelegt: Die Stimmung in ihren Chefetagen trübte sich im Januar angesichts vieler internationaler Krisenherde überraschend kräftig ein. Das Barometer für das Geschäftsklima fiel um 1,3 auf 107,3 Punkte und damit auf den niedrigsten Wert seit knapp einem Jahr, wie das Münchner Ifo-Institut zu seiner Umfrage unter 7000 Managern mitteilte. "Die deutsche Wirtschaft blickt erschrocken ins neue Jahr", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Ökonomen hatten lediglich mit einem leichten Rückgang auf 108,4 Zähler gerechnet.

Dass der wichtigste Frühindikator für die Entwicklung der deutschen Konjunktur schlechter ausfiel, lag vor allem am sorgenvollen Blick nach vorn. Die Führungskräfte beurteilten die Lage nur einen Tick schlechter, die Geschäftsaussichten für die kommenden sechs Monate dagegen merklich pessimistischer als zuletzt. Besonders in der Industrie, aber auch in der Baubranche, bei den Dienstleistern und im Einzelhandel verschlechterte sich die Laune der Manager. Nur im Großhandel besserte sie sich.

"Die Finanzmärkte verunsichern die Unternehmer", sagte der Chefvolkswirt der Förderbank KfW, Jörg Zeuner, mit Blick auf die jüngsten Turbulenzen an den Aktienbörsen. Aber auch die schwächere Weltwirtschaft macht Sorgen.

Kauffreudige Verbraucher machen Hoffnung

"Der Rückgang war lange überfällig, auch in der Größenordnung", so Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe. "Das zeigt, dass die trüben Aussichten für die Weltwirtschaft jetzt auch das Ifo-Geschäftsklima erreicht haben. Aber wir sollten daraus keine Sorgen um einen Absturz der deutschen Wirtschaft ableiten. Der Rückenwind von der Industrie für das Bruttoinlandsprodukt wird in den nächsten Monaten relativ gering bleiben. Das deutsche Wachstum bleibt bis auf weiteres eine Konsumstory."

Viola Julien von Helaba sagte: "Der erneute Rückgang des Ifo-Index' war weitgehend erwartet worden. Das Wachstumsszenario sollte angesichts des vergleichsweise hohen Niveaus aber nicht infrage gestellt werden, auch wenn es keinerlei Anzeichen für eine Zunahme der konjunkturellen Dynamik gibt."

"Die Schwellenländer-Konjunktur ist unverändert schwach", ergänzte DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle. "Der gesunkene Ölpreis hilft zwar den Binnenbranchen, doch die Exportbranchen leiden unter der gesunkenen Nachfrage der Ölländer." Es wachse die Sorge, dass der geringe Ölpreis auch ein Reflex einer insgesamt schwachen Weltkonjunktur ist.

Sorgen vor einer starken Konjunkturabkühlung in China und einer Destabilisierung der vom Ölpreis-Verfall geschwächten Förderstaaten wie Russland drücken derzeit weltweit auf die Stimmung. Experten trauen der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr trotzdem ein Wachstum auf dem Vorjahresniveau von 1,7 Prozent zu. Grund ist die gute Kauflaune der Verbraucher, die sich aus der Rekordbeschäftigung, steigenden Löhnen und der Entlastung durch niedrige Energiepreise speist.

(Hinweis für Mobilnutzer: Die Infografik zur Entwicklung des Ifo-Index' finden Sie hier.)

Quelle: n-tv.de

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