Wirtschaft
"Unwiderruflich dazu verpflichtet" - Slim wird dem Deal zwischen KPN und Telefonica zustimmen.
"Unwiderruflich dazu verpflichtet" - Slim wird dem Deal zwischen KPN und Telefonica zustimmen.(Foto: REUTERS)

Telefonica bessert nach: Slim will E-Plus-Verkauf durchwinken

Letztlich ist es wohl eine Preisfrage gewesen: Ein höheres Angebot aus Spanien lässt den KPN-Großaktionär seinen Widerstand gegen den Verkauf der Mobilfunksparte an Telefonica aufgeben. Sein Wunsch, KPN komplett zu übernehmen, hatte zuletzt Zweifel an dem Deal aufkommen lassen.

Mit einer verbesserten Offerte hat die O2-Mutter Telefonica offenbar die letzten Zweifel des mexikanischen Milliardärs Carlos Slim beim Verkauf des Konkurrenten E-Plus beseitigt. Der spanische Konzern hob sein Angebot für die Mobilfunktiochter des niederländischen Telekom-Unternehmens KPN auf 8,55 Milliarden Euro an. KPN-Großaktionär Slim will sich der Übernahme nun nicht in den Weg stellen. "Als Ergebnis des verbesserten Angebots hat America Movil sich unwiderruflich verpflichtet, auf der außerordentlichen Hauptversammlung von KPN für den geplanten Verkauf von E-Plus zu stimmen", teilte KPN.

Slims Konzern America Movil gehören knapp 30 Prozent der KPN-Titel. Nicht nur deshalb ist seine Zustimmung so wichtig. Auch hat Slim Interesse angemeldet, KPN komplett zu schlucken - für rund 7,2 Milliarden Euro.

Hauptversammlung im Oktober

KPN erhält nun zwar wie geplant einen Anteil von 24,9 Prozent an Telefonica Deutschland und 3,7 Milliarden Euro in bar. Im zweiten Teil der Transaktion winkt KPN aber mehr Geld. Der spanische Telefonica-Konzern wird KPN 1,3 Milliarden Euro zahlen und dafür statt 7,3 Prozent an der deutschen Tochter lediglich 4,4 Prozent erhalten. Die weiteren 2,9 Prozent an Telefonica Deutschland können die Spanier der KPN innerhalb eines Jahres für 510 Millionen Euro abnehmen. Slim hatte die ursprünglich gebotenen gut acht Milliarden Euro für E-Plus für zu niedrig erachtet und drohte, die Pläne zu durchkreuzen.

Am 2. Oktober sollen die KPN-Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung über das vorgeschlagene Zusammengehen der Nummer drei und der Nummer vier auf dem deutschen Mobilfunkmarkt entscheiden. Abstimmen dürfen dann aber nur Anteilseigner, die am 4. September KPN-Titel halten. Der baldige Termin ist mit Absicht gewählt, da Slim bis dahin die KPN-Übernahme nicht abschließen kann.

Kartellamt hat genaue Prüfung angekündigt

Neuer Herr im Haus - O2 will E-Plus übernehmen.
Neuer Herr im Haus - O2 will E-Plus übernehmen.(Foto: REUTERS)

Fraglich bleibt aber, ob die Regulierer den Milliardendeal durchwinken. Durch die Übernahme würde sich der deutsche Mobilfunkmarkt von vier auf drei Anbieter verkleinern. Übrig blieben nur T-Mobile, Vodafone und Telefonica Deutschland. "Dass ein solcher Zusammenschluss erhebliche Folgen für den Wettbewerb hätte und in all seinen Facetten genau geprüft werden muss, liegt auf der Hand", hatte Kartellamts-Chef Andreas Mundt vor wenigen Tagen gesagt.

Zwar gebe es in Ländern wie Österreich nur noch drei überregionale Netzbetreiber, doch spielt das für Mundt keine Rolle. Ein Vergleich mit Deutschland sei schon mit Blick auf die Einwohnerzahl wenig sachgerecht. Zudem seien in den meisten EU-Staaten, selbst in kleineren Ländern wie Schweden, immer noch vier Mobilfunknetzbetreiber aktiv. "Andere EU-Länder können keine Blaupause für dieses Fusionskontrollverfahren liefern. Es kommt allein auf die Marktverhältnisse in Deutschland an", sagte er.

Telefonica-Papiere gesucht

An der Börse reagieren Telefonica Deutschland mit einen Kurssprung von mehr als fünf Prozent auf die America-Movil-Zustimmung. "Carlos Slim scheint seinen Widerstand gegen einen Verkauf von E-Plus an Telefonica aufgegeben zu haben", sagt ein Händler. Für Slim sei es offenbar hauptsächlich um einen höheren Kaufpreis gegangen. Das habe er erreicht, heißt es.

Mit einem E-Plus-Verkauf schreitet die Konsolidierung in Europa voran. "Diese ist noch lange nicht abgeschlossen", so der Händler weiter. Profiteure davon sind die verbleibenden Player am Markt. KPN-Aktien steigen um 2,4 Prozent, Telefonica rücken 0,8 Prozent vor und Freenet um 2,5 Prozent. Die Aktie der Deutschen Telekom liegt 0,2 Prozent im Plus.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen