Wirtschaft
(Foto: imago/Westend61)
Freitag, 20. Januar 2017

Lernen für die Zukunft : So sieht die Bildung von morgen aus

Von Carola Ferstl

Die Digitalisierung und die Globalisierung haben Einfluss auf jeden Bereich unseres Lebens. Auch das Lernen verändert sich. Das Internet braucht keine Hörsäle mehr und jeden Tag werden neue Jobs geschaffen, die es gestern noch nicht gab.

Auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos wird auch über die Zukunft der Bildung diskutiert. Laut einer neuen Studie des WEF werden Berufstätige schon in fünf Jahren rund ein Drittel ganz neuer Fähigkeiten brauchen, um in ihrem Job mithalten zu können. Welche "Future skills" sind das?

Im Forum-Netzwerk der Young Global Leaders sind Bildungs-Experten aus verschiedenen Erdteilen, die auf dem Kongress ihre Erfahrungen teilen.

Esteban Bullrich ist Argentiniens Erziehungsminister. Er stellt die gesamte Bildung seines Landes auf das digitale Zeitalter um und geht dabei unkonventionelle Wege. In einer großangelegten Umfrage bei 900 argentinischen Firmen erfragte er die Anforderungen, die an neue Mitarbeiter gestellt werden. Teamwork, Kenntnisse der digitalen Werkzeuge, Verantwortungsbewusstsein und Engagement stehen ganz weit oben auf der Liste.

Wie aber bringt man das jungen Menschen bei? Indem man den Lehrplan entrümpelt, fächerübergreifend unterrichtet und neben dem Kodieren den Schülern auch Unternehmertum beibringt, davon ist Bullrich überzeugt. Am Nachmittag ist nicht Schluss mit Zukunft. In landeweiten Projekten können argentinische Kinder auch außerhalb der Schule spielerisch lernen. Jeder junge Argentinier soll nach den Plänen des Ministers einen 200 Stunden-Praxis-Kurs durchlaufen, in dem es das theoretische Wissen praktisch anwenden kann.

Vikas Pota, CEO der Varkey Foundation, sieht die Zukunft der Bildung in den Lehrern, die sie vermitteln. Sein mit einer Million Dollar dotierter "Teacher-Preis" zeichnet jedes Jahr herausragende Arbeit von Lehrkräften aus der ganzen Welt aus.

Im vergangenen Jahr bewarben sich 20.000 Lehrer aus 179 Ländern um den Preis. In diesem Jahr ist auch eine Deutsche Lehrerin in der Endrunde. Marie-Christine Ganbari setzt in ihrem Unterricht darauf, Kindern Verantwortung beizubringen und ihnen den Glauben zu geben, Probleme selbst lösen zu können. Die Entscheidung, wer den Teacher -Preis 2017 erhält, fällt im März in Dubai.

Veronica Colondam von der YCAB Stiftung, arbeitet mit Menschen in Indonesien, die nur wenig oder keine Zugang zu Bildung haben. Sie erkennt in ihnen ein großes unternehmerisches Potential. Denn von der Fähigkeit zu Handeln und ein kleines Geschäft aufzubauen, hängt hier häufig das Überleben ab. In ihren Augen sind der Zugang zu Kapital und die finanzielle Bildung der Menschen zwei wichtige Schritte, um eine neue Generation von Unternehmers zu erziehen, die sich selbst und ihr Land aus der Armut bringen können.

Der Deutsche Christopher Jahns blickt auf viele Jahre in der Bildungsbranche zurück. In Berlin startete er im vergangenen Jahr die Digital-Universität XU. Für ihn hört Bildung nicht nach der Schulzeit auf. Er will auch all jenen, die mitten im Berufsleben stehen, die Fähigkeiten für die digitale Arbeitswelt näher bringen. Rund 4000 Manager werden in diesem Jahr die Programme der XU durchlaufen. Jahns ist der Meinung, dass es nicht ausreicht, eine Digital-Abteilung in einem Unternehmen einzurichten, um in der Industrie 4.0 erfolgreich zu sein. Nur wenn alle Mitarbeiter einen Einblick in die digitale Welt bekommen, kann die Transformation einer Firma erfolgreich sein.

Vier Beispiele, die zeigen, dass auch das Lernen in Zeiten der Digitalisierung neuen Maßstäben unterworfen ist. Auch Bildung muss sich an das Tempo und die Erfordernisse der neuen Zeit anpassen. Neue Ideen und Initiativen wie die der Young Global Leaders helfen dabei.
 

Quelle: n-tv.de

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