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Solarmodule aufs Dach: Chinas Firmen räumen den Markt auf - mit  Kampfpreisen.
Solarmodule aufs Dach: Chinas Firmen räumen den Markt auf - mit Kampfpreisen.(Foto: picture alliance / dpa)

EU-Kampfzölle gegen Billigheimer: Solar-Krieg mit China droht

Q-Cells insolvent, Solarworld in Bedrängnis: Schuld soll der Preisdruck der chinesischen Konkurrenz sein. Der Vorwurf ist nicht unbegründet: Der Preis von Solarmodulen aus China sank zwischen 2009 und 2012 um fast 75 Prozent. Nun reagiert die EU-Kommission auf den immer lauter werdenden Protest der deutschen und europäischen Firmen. Damit ist Ärger vorprogrammiert.

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Chinesische Solarproduzenten müssen künftig für Einfuhren in die EU bis zu 67,9 Prozent Zoll bezahlen. Das sieht ein Kampfplan der EU-Kommission gegen die Billigpreise chinesischer Solarmodulherstelle r vor, in den das "Wall Street Journal" Einblick hatte. Die Zölle sollen demnach zwischen 37,3 Prozent und 67,9 Prozent liegen und am 6. Juni in Kraft treten.

Einige der größten chinesischen Hersteller werden Zölle am oberen Ende der Skala zahlen müssen. Mit ihrem Vorhaben dürfte die EU einen der schärfsten Handelskriege anzetteln, den es unter dem Jahrzehnte alten System internationaler Handelsregeln je gegeben hat.

Wer nicht kooperiert ...

Wie das EU-Papier vorsieht, werden der chinesische Konzern Suntech Power Holdings STP und seine Tochtergesellschaften Zölle von 48,6 Prozent zahlen müssen. LDK Solar wird 55,9 Prozent Zoll zahlen müssen und Trina Solar 51,5 Prozent. Auf Produkte von Jingao Solar werden demnach 58,7 Prozent Zoll aufgeschlagen.

Die meisten anderen chinesischen Unternehmen aus der Branche, die mit den EU-Ermittlern zusammengearbeitet haben, werden einen durchschnittlichen Zoll von 47,6 Prozent zahlen müssen. Wer nicht mit den Ermittlern koopiert habe, bekommt laut Dokument die volle Wucht eines Zolls von 67,9 Prozent zu spüren.

Die Zölle sollen europäische Solarkonzerne vor einer Schwemme importierter chinesischer Konkurrenzprodukte schützen. Europäische Solarproduzenten behaupten, chinesische Konzerne würden ihre Produkte weit unter fairen Marktpreisen verkaufen, um sich eine beherrschende Position im Handel mit Solarmodulen zu verschaffen.

Dutzende von europäischen Herstellern sind bereits pleite, nachdem die Preise für Solarmodule abgestürzt waren; aus der Branche heißt es, China mit seinen unfair billigen Importen sei schuld daran.

Harter Schlag

Der jüngste Aktionsplan bezieht sich lediglich auf den Vorwurf der unfairen Preise. Europäische Produzenten hatten zuvor eine gesonderte Beschwerde bei der EU eingereicht, in der sie chinesische Firmen beschuldigten, staatliche Subventionen zu nutzen und damit gegen internationale Handelsregeln zu verstoßen. Die EU-Kommission untersucht diese Vorwürfe noch und wird nicht vor August dazu Stellung nehmen.

Die europäische Solarbranche ist in den vergangenen Jahren stark expandiert. Mitte 2011 aber nahm die Konkurrenz aus China deutlich zu und traf die europäischen Produzenten hart. Der Preis von Solarmodulen aus China sank zwischen 2009 und 2012 um fast 75 Prozent. Die Preise importierter Solarzellen und Siliziumscheiben, für die künftig auch Einfuhrzölle fällig werden, sanken um 42 Prozent beziehungsweise 40 Prozent.

Solarmodule und damit zusammenhängende Ausrüstung machen inzwischen einen Großteil der chinesischen Ausfuhren in die EU - den weltgrößten Markt für Solarprodukte - aus. Für Chinas Produzenten wären neue EU-Zölle ein herber Schlag. Viele haben hohe Verluste angehäuft und finden kaum neues Kapital, um ihre riesigen Schulden zu bezahlen. Die USA haben bereits vor einiger Zeit Zölle auf importierte Solarmodule aus China erhoben.

Quelle: n-tv.de

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