Wirtschaft
Das größte Solarstrom-Kraftwerk in Europa: Blick aus einem Kleinflugzeug auf die Baustelle von "Finow Tower I und II" auf dem ehemaligen Militärflughafen im brandenburgischen Finowfurt (Barnim).
Das größte Solarstrom-Kraftwerk in Europa: Blick aus einem Kleinflugzeug auf die Baustelle von "Finow Tower I und II" auf dem ehemaligen Militärflughafen im brandenburgischen Finowfurt (Barnim).(Foto: picture alliance / dpa)

Nächste Pleite in der Solarbranche: Solarhybrid stellt Insolvenzantrag

Nach Solon und Solar Millennium bekommt nun auch Solarhybrid die Kürzung der Solarförderung schmerzlich zu spüren. Das 2008 an die Börse gegangene Unternehmen aus dem Sauerland beantragt wegen Zahlungsunfähigkeit die Eröffnung des Insolvenzverfahrens.

Firmenchef und -gründer Tom Schröder ist fein raus. Er hat einen Großteil seiner Solarhybrid-Aktien schon verkauft.
Firmenchef und -gründer Tom Schröder ist fein raus. Er hat einen Großteil seiner Solarhybrid-Aktien schon verkauft.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Krise der deutschen Solarindustrie fordert ein weiteres Opfer: Solarhybrid will beim Amtsgericht Arnsberg Insolvenzantrag stellen. Das teilte der Solarkraftwerks-Entwickler mit. Überraschend kommt die Pleite nicht

Solarhybrid hatte bereits Anfang März gewarnt, durch die Streichung der Förderung größerer Solar-Anlagen sei das Geschäftsmodell der Firma in Deutschland gefährdet. Wenig später sorgte Firmenchef und -gründer Tom Schröder für Aufsehen, als er einen Großteil seiner Solarhybrid-Aktien verkaufte. Er hält jüngsten Angaben zufolge noch 2,77 Prozent der Stimmrechte nach über elf Prozent im November.

Solarhybrid hat sich auf die Entwicklung von Solarkraftwerken spezialisiert und leidet somit besonders unter der geplanten Kürzung der Solarförderung. Die Bundesregierung will unter anderem die Förderung von Freilandanlagen über zehn Megawatt Spitzenleistung ab 1. Juli komplett streichen. Für Kraftwerke, die bis zu dem Zeitpunkt nicht fertiggestellt sind, sollen keine Einspeisevergütungen mehr gezahlt werden. Das beträfe unter anderem das Großprojekt der Solarhybrid in Neuhardenberg, das erst Ende des Jahres ans Netz geht und in das die Firma bereits 7,5 Mio. Euro investiert habe.   

Die Firma aus dem sauerländischen Brilon setzte in den ersten neun Monaten 2011 rund 286 Mio. Euro um. Das Konzernergebnis lag laut ungeprüften Zahlen bei rund 5,9 Mio. Euro, wie aus dem jüngsten Quartalsbericht hervorgeht.           

Götterdämmerung in der Solarbranche

Die Solarbranche in Deutschland ringt derzeit mit einem massiven Preisverfall infolge weltweiter Überkapazitäten. Verluste sind inzwischen auch bei Branchengrößen wie Solarworld und Centrotherm an der Tagesordnung. Andere wie Conergy und Q-Cells kämpfen ums Überleben. Solon und Solar Millennium hatten den Kampf bereits verloren und im Dezember Insolvenz angemeldet. Solon wurde inzwischen vom Solarzellen-Produzenten Microsol aus den Vereinigten Arabischen Emiraten übernommen.

Auch der einst stets optimistische Solarworld-Chef Frank Asbeck warnt inzwischen vor dauerhaft schweren Zeiten. "Wenn die Kürzung so durchgeht, ist die gesamte Branche gezwungen, unter ihren Kosten zu verkaufen. Das halten wir nicht lange durch", sagte er dem "Focus" zu der geplanten Kürzung der Solarförderung. Es gebe in der gesamten Branche kein Unternehmen mehr, das noch schwarze Zahlen schreibe. Das gelte auch für die chinesischen Hersteller.

Noch drastischer schätzt Klaus-Dieter Maubach, Technologie-Vorstand beim Energieversorger Eon, die Lage ein: Deutschlands Solarindustrie werde in den kommenden fünf Jahren angesichts des Wettbewerbs aus China verschwinden. Nicht ein einziger Arbeitnehmer werde dann noch bei den deutschen Solarunternehmen arbeiten, denn die seien dann alle pleite, zitierte ihn die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Quelle: n-tv.de

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