Wirtschaft

Kunden kassieren bei Krediten: Spanische Bankinter zahlt bei Darlehen drauf

Von Diana Dittmer

Schuldenmachen wird in manchen Ländern zu einer lukrativen Angelegenheit: Bankkunden leihen sich Geld und kassieren dafür Zinsen. Jetzt sind solche Fälle auch in Spanien und Portugal bekannt. Möglich wird das durch Negativzinsen.

Manche Bankkunden trauen ihren Augen nicht.
Manche Bankkunden trauen ihren Augen nicht.(Foto: REUTERS)

Manche Bankkunden werden sich die Augen gerieben haben, als sie ihre Kontoauszüge gesehen haben. Eine Gutschrift für einen Kredit? Wer bekommt denn so was? Das hört sich an, als spielte hier einer verkehrte Finanzwelt. Aber diese schöne neue Schuldenwelt ist real. Passiert ist es zuletzt in Spanien. Gezahlt hat die Bankinter.

"Das ist ein Stück Finanzgeschichte", zitiert das "Wall Street Journal" (WSJ) einen begeisterten Bankkunden aus Madrid: "Ich werde den Auszug einrahmen, auf dem steht, dass die Bank mir Zinsen auf meine Darlehen zahlt." Der Glückliche hat einen Kredit bei der Bankinter aufgenommen und bekommt Geld dafür gutgeschrieben. Eine kleine Besonderheit gibt es dabei aber zu erwähnen: Dieser Kunde hat seinen Kredit - wie einige wenige andere auch - in Spanien in Schweizer Franken aufgenommen. Für das Gros der Kreditnehmer gilt dieses Szenario also nicht. Beobachter gehen allerdings davon aus, dass sich das schon sehr bald ändern könnte.

Möglich ist die "verkehrte Finanzwelt" durch die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und die speziellen Kreditpraktiken südeuropäischer Länder. Banken in Spanien, Italien und Portugal bieten Hypothekenkredite meist nicht mit langer Zinsbindung, sondern zu variablen Zinssätzen an. Und diese richten sich nach dem Euribor. Das ist der Zinssatz, zu dem sich Banken untereinander Geld leihen. Der Euribor liegt bei mageren 0,078 Prozent und damit im Plus. Das heißt, für Kredite müssen Kunden immer noch Zinsen zahlen.

Für die Kunden der spanischen Bankinter, die Franken-Darlehen haben, gilt jedoch der Franken-Libor. Und dieser Referenzzinssatz ist negativ. Es handelt sich also um einen Spezialfall. Ihre Schulden schrumpfen deshalb: Nicht sie zahlen Zinsen an die Bank, sondern die Bank an sie. Die Kunden können sich also glücklich schätzen. Einen Wermutstropfen gibt es aber dennoch: Der Franken hat zuletzt ordentlich an Wert zugelegt. Am Ende werden sie also wohl doch mehr Geld zurückzahlen müssen, als sie aufgenommen haben.

Portugiesische Bankenaufsicht wird aktiv

Aus Portugal, wo es ebenfalls Negativzinsen gibt, wird mittlerweile Ähnliches berichtet. Hier hat sich bereits die Bankenaufsicht eingeschaltet, um sicher zu stellen, dass die Kreditinstitute auch an ihre Kunden zahlen. Neue Darlehensverträge dürfen allerdings so aufgesetzt werden, dass den Banken diese Überweisungen in Zukunft erspart bleiben.

Aus Dänemark wurde vor kurzem ebenfalls berichtet, dass eine Bankkundin Zinsen für einen Kredit bekommen hat. In Deutschland ist diese schöne neue Schuldenwelt eher nicht zu erwarten. Deutsche Häuslebauer schließen ihre Hypothekenverträge mit längerer Zinsbindung ab.

Von "Verbrauchern im Glück" kann man sowieso nicht sprechen. Denn unterm Strich sind sie die Leidtragenden der Niedrigzinspolitik der EZB. Wie aus einer DZ-Studie hervorgeht, brachten die schrumpfenden Renditen deutliche Einkommenseinbußen für die Verbraucher mit sich. Die Mini-Zinsen kosteten jeden deutschen Haushalt in den letzten fünf Jahren rund 2800 Euro. Pro Kopf machte das einen Verlust von rund 1400 Euro.

Quelle: n-tv.de

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