Wirtschaft
"Der Spiegel" schlingert nicht, muss aber vorsorgen.
"Der Spiegel" schlingert nicht, muss aber vorsorgen.(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Personalabbau steht an: "Spiegel" muss kräftig sparen

Die schlechten Nachrichten aus der Medienbranche reißen nicht ab. Auch der "Spiegel" schwenkt nach deutlich schlechteren Umsatzergebnissen auf eine Schrumpfkur ein. Der Personalaufwand müsse reduziert werden, ein Stellenabbau sei daher nicht ausgeschlossen, heißt es. Schon jetzt stehen 40 Mitarbeiter vor der Entlassung.

Starke Unruhe in einem der Flaggschiffe des deutschen Journalismus: Der Geschäftsführer der Hamburger "Spiegel"-Gruppe, Ove Saffe, hat einen Sparkurs  für den Verlag angekündigt. "Wir müssen sparen und die Kostenstrukturen so gestalten, dass die Spiegel-Gruppe trotz rückläufiger Umsätze solide Ergebnisse erwirtschaftet", sagte Saffe der "Süddeutschen Zeitung". Auch einen Stellenabbau schließt er nicht aus. Der Personalaufwand müsse reduziert werden.

Die Maßnahmen sind bei nüchterner Betrachtung eine Art Vorsorge. Umsatz und Gewinne der Gruppe sind 2012 zwar gesunken - aber auf hohem Niveau. Nach Angaben Saffes wird der Umsatz der Spiegel-Gruppe 2012 um 6 Prozent auf 307 Millionen Euro sinken. Das wäre das Niveau von 2003. "Die für das Printgeschäft entscheidenden Marktbereiche Anzeigen und Vertrieb sind rückläufig. Der Spiegel verliert netto rund 10 Prozent Anzeigenerlöse, selbst die Vertriebsumsätze könnten erstmals seit vielen Jahren rückläufig sein", sagte Saffe. Auch für 2013 rechne er mit weiter sinkenden Erlösen aus Werbung und Vertrieb. Rund zwei Drittel des Umsatzes entfallen laut "Horizont" auf den "Spiegel", der Rest auf "Spiegel-TV", "Spiegel Online" und "Manager Magazin". Die Umsatzrendite ist nach Schätzungen des Fachblattes von hohen 20 auf immer noch sehr gute 15 Prozent gesunken - in Hamburg widersprechen die Zuständigen diesen Zahlen nicht.

Die Kosten entwickelten sich nicht parallel zu den Erlösen und das Ergebnis sei rückläufig. "Deshalb müssen wir gegensteuern und unsere Kostenstruktur so gestalten, dass wir weiterhin in der Lage sind, auch bei rückläufigen Umsätzen ein Ergebnis zu erzielen, das unsere Zukunftsfähigkeit, unsere wirtschaftliche Unabhängigkeit und somit unsere publizistische Unabhängigkeit sicherstellt", sagte er "Horizont". Er gehe davon aus, dass die "Spiegel"-Gruppe in einem Jahr weniger Mitarbeiter beschäftigen werde als die 1100 derzeit. Bereits bekannt ist, dass "Spiegel-TV" 40 Stellen abbauen wird.

"Hohe Sozialleistungen"

Die Qualität soll unter dem Sparkurs nicht leiden. "Wir können aber an vielen Stellen sparen, ohne dass es an die Substanz unserer Publikationen geht", sagte Saffe. "Die Mitarbeiter der 'Spiegel'-Gruppe genießen außerordentlich gute Arbeitsbedingungen, mit Services, hohen Sozialleistungen und einer überdurchschnittlichen Vergütung", sagte er. Zum möglichen Stellenabbau sagte er: "Wir müssen unsere gesamte Organisation verändern - entsprechend dem medialen Strukturwandel und den Veränderungen im Markt. Dazu gehört auch, dass wir den Personalaufwand reduzieren müssen."

Zudem könnten besonders werthaltige Inhalte bei "Spiegel Online" kostenpflichtig werden, sagte der Geschäftsführer. "Damit einher geht die Überlegung, inwieweit der wöchentliche 'Spiegel' gegen Bezahlung stärker im Internet stattfinden kann", so Saffe. In diesem Herbst haben die Pleiten der "Frankfurter Rundschau" und der Nachrichtenagentur dapd sowie das bevorstehende Aus der "Financial Times Deutschland" die deutsche Medienlandschaft bereits erschüttert.

Quelle: n-tv.de

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