Wirtschaft
Nach wie vor sind die Chinesen aber der größte ausländische Gläubiger der Vereinigten Staaten. 1,277 Billionen schulden die USA China.
Nach wie vor sind die Chinesen aber der größte ausländische Gläubiger der Vereinigten Staaten. 1,277 Billionen schulden die USA China.(Foto: picture alliance / dpa)

Sorgen um eine Supermacht auf Pump: Springt China als Gläubiger der USA ab?

China hält mehr US-Staatsanleihen als jedes andere Land. Doch zuletzt hat die Volksrepublik ihren Bestand stark abgebaut. Was steckt dahinter? Lässt der größte ausländische Gläubiger die USA im Regen stehen? Keineswegs. Experten erklären, warum.

Seit zwei Jahren hat China nicht mehr so viele Staatsanleihen abgestoßen wie im Dezember. Um 47,8 Milliarden Dollar schrumpfte der Anleihebestand zum Jahresende, wie US-Statistiken zeigen. Was haben die jüngsten Verkäufe zu bedeuten? Springt China als größter Gläubiger ab? Aufgeregte Analysten warnen bereits vor "ungeahnten Folgen" einer möglichen "Verkaufswelle" oder sehen gar eine "neue Bankenkrise" in den USA am Horizont. Denn mit der Notenbank Fed zieht sich auch der größte Finanzierer von US-Staatsschulden langsam aus dem Markt zurück. Wer soll die Staatsanleihen in Zukunft kaufen? Sind die Sorgen angebracht?

Experten geben Entwarnung: "All das verzweifelte Händeringen um den chinesischen Besitz an amerikanischen Schatzanleihen liegt völlig daneben", sagt der frühere Professor an der Tsinghua Universität in Peking und heutige Chefstratege der US-Anlagenverwaltung Silvercrest, Patrick Chovanec. "Diese Veränderungen sind langfristig gesehen ohne Bedeutung."

Interpretationsspielraum

China könnte kurzfristig umgeschichtet haben. Der Umfang könnte sich nicht einmal verändert haben, weil China auch über Konten in Großbritannien Staatsanleihen kauft, was das US-Finanzministerium nicht China zuordnen würde. Überhaupt zeigen die Daten für das ganze Jahr 2013 immer noch einen Anstieg der Staatsanleihen im chinesischen Besitz um 48 Milliarden US-Dollar auf 1,27 Billionen Dollar. Und insgesamt betrachtet hält China ohnehin "nur" acht Prozent der US-Anleihen.

Die USA stehen nicht nur bei China tief in der Kreide. Sie schieben ein mehr als 17 Billionen Dollar schweres Schuldenproblem vor sich her. Seit Jahrzehnten lebt die weltgrößte Volkswirtschaft über ihre Verhältnisse. Weil man sich mit dem Sparen schwertut, muss ständig neues Geld geliehen werden.

Aber würde es wirklich kritisch für Washington, wenn China am Anleihemarkt kürzertreten würde? "Die US-Regierung braucht Chinas Käufe nicht, um ihr Defizit zu finanzieren", sagt  Michael Pettis, Professor an der Guanghua Management Schule der Peking Universität. Die USA hätten zwar mehr Schulden, aber auch mehr Kapital als jedes andere Land.

Es geht nicht um Gefälligkeiten

China steckt sowieso in der Zwickmühle: Wegen enormer Handelsüberschüsse muss das Land US-Schuldpapiere kaufen, weil es eine weitere Aufwertung seiner Währung verhindern will. Kein anderer Markt ist groß und liquide genug dafür. "China hält die Anleihen nicht, um den USA einen Gefallen zu tun, sondern um die Nachfrage in den USA anzukurbeln und damit sein eigenes Wachstum zu stärken", sagt Experte Chovanec auch mit Blick auf die hohe Exportabhängigkeit Chinas. Die USA sind einer der wichtigsten Abnehmer chinesischer Produkte.

In Washington hätte man wohl ohnehin lieber, dass China seine Überschüsse aus dem Außenhandel nutzt, um den Produktabsatz statt den Anleihemarkt zu stützen. "Wenn US-Beamte nach China reisen, bitten sie die chinesische Regierung nicht, weiter US-Schatzanleihen zu kaufen, um ihr Haushaltsdefizit zu finanzieren", sagt Silvercrest-Chefstratege Chovanec. "Stattdessen fordern sie China auf, mit den verdienten Dollar Waren und Dienstleistungen in den USA zu kaufen, um die globale Nachfrage anzutreiben."

"Ich denke nicht, dass es jetzt plötzlich zu einem großen Ausverkauf von US-Staatsanleihen kommt", sagt Thomas Gitzel, Chefökonom der Verwaltungs- und Privatbank in Liechtenstein. Die USA dürften auf absehbare Zeit kaum Probleme haben, Investoren für ihre Staatspapiere zu finden. Sie verschulden sich in der globalen Reservewährung Dollar, ohne die im Welthandel nichts läuft. Allerdings könnten für die USA durchaus etwas höhere Zinsen fällig werden, um an frisches Geld zu kommen, wenn  große Kreditgeber wie die Notenbank Fed oder China ihr Engagement weiter verringern.

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Quelle: n-tv.de

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