Wirtschaft
Sind die heißen Jahre schon vorbei?
Sind die heißen Jahre schon vorbei?(Foto: picture alliance / dpa)

Krise schlägt voll zu: Stahlkocher auf kleiner Flamme

Die Stahlindustrie gilt als konjunktureller Frühindikator - und sie steckt mitten in der Krise. Egal ob Branchenprimus ArcelorMittal, ThyssenKrupp oder Salzgitter, jeder Konzern kämpft mit der schwachen Nachfrage aus gleich mehreren Branchen. Die Aussichten sind auch alles andere als rosig.

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Die Stahlindustrie hadert derzeit mit ihrem Schicksal. Wegen der schwachen Nachfrage von Kunden aus der Autoindustrie, der Baubranche oder dem Maschinenbau schrauben einige Konzernlenker ihre Jahresziele nach unten. Die Gewinne von ArcelorMittal oder Salzgitter sinken, auch die Aussichten für 2013 sind nicht glänzend. Einzige Hoffnung der Firmen: Die Kunden müssten ihre leergefegten Lager auffüllen - dies werde für Belebung sorgen.

ArcelorMittal schreibt rote Zahlen, Salzgitter senkt seine Prognose und bei ThyssenKrupp sind Stahlkocher in Kurzarbeit. Neben den Folgen der Wirtschaftsflaute in den schuldengeplagten Ländern Europas kämpfen die Konzerne aber auch mit eigenen Problemen.

Schwache Verhandlungsposition

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Salzgitter-Chef Heinz Jörg Fuhrmann hatte lange Zeit davon profitiert, dass die Geschäfte in Deutschland noch recht gut liefen, während in Südeuropa schon Krisenstimmung herrschte. Doch das ist nun vorbei. "Neben dem gesamtwirtschaftlich bedingt schwachen europäischen Stahlmarkt haben zuletzt auch die Geschäftsaktivitäten von deutschen Stahlverarbeitern und -händlern spürbar an Dynamik verloren", teilte der deutsche Branchenzweite mit. Anstatt eines Gewinns im mittleren zweistelligen Millionenbereich bleibe am Jahresende wohl nur noch ein "in etwa ausgeglichenes Vorsteuerergebnis" übrig.

Zu schaffen macht den Niedersachsen eine schwache Verhandlungsposition im Tauziehen mit den Kunden. Eigentlich wollte Fuhrmann höhere Preise durchdrücken, schließlich kämpfe der Konzern mit hohen Rohstoff- und Energiekosten. Preiserhebungen seien aber nicht durchsetzbar gewesen, räumte er nun ein.

Börse baut vor 

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An der Börse waren die schlechten Nachrichten von Salzgitter schon fast erwartet worden. Die Anpassung der Prognose sei keine große Überraschung mehr gewesen, erklärte DZ-Bank-Analyst Dirk Schlamp. Hatte die Salzgitter-Aktie den Handel nach der Mitteilung am späten Montagnachmittag noch mit einem Minus von 3,6 Prozent beendet, legte sie am Dienstag zeitweise über 3 Prozent zu. Equinet-Experte Stefan Freudenreich verwies darauf, dass Konkurrenten bereits zuvor die Stimmung gedrückt hatten.

So hatte Weltmarktführer ArcelorMittal in der vergangenen Wochen die Anleger mit einem Quartalsverlust von rund 700 Mio. Dollar (etwa 550 Mio. Euro) vergrault. Der Konzern, der auch Werke in Duisburg, Bremen, Hamburg und Eisenhüttenstadt hat, zahlt auch die Zeche für seinen Expansionskurs der vergangenen Jahre.

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Die Stahlindustrie leidet seit längerem unter Überkapazitäten. Vorstandschef Lakshmi Mittal schaltet nun Öfen in Frankreich und Belgien ab. Darauf sind hohe Abschreibungen fällig. Mittal hat zudem auf das konjunkturanfällige Massengeschäft gesetzt. Wichtige Kunden sitzen in Südeuropa. Sie halten sich mit Bestellungen zurück.

KlöCo rücken in den Fokus

Am Mittwoch legen der österreichische Voestalpine-Konzern und der Duisburger Stahlhändler Klöckner & Co ihre Zahlen vor. Voestalpine-Chef Wolfgang Eder hat in den vergangenen Jahren die Spezialisierung vorangetrieben und stand bislang vergleichsweise gut da. Trotz der einbrechenden Stahlnachfrage hatte Eder erst kürzlich die Gewinnprognose bekräftigt.

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Aber auch in Österreich herrscht nicht eitel Sonnenschein. Von Reuters befragte Analysten erwarten bei Voest für das vergangene Quartal einen Rückgang des Überschusses nach Minderheiten um knapp 17 Prozent auf 97 Millionen Euro.

KlöCo-Chef Gisbert Rühl muss hingegen den Experten zufolge für das Quartal sogar unter dem Strich einen Verlust von 24,5 Mio. Euro hinnehmen. Rühl hat bereits die Axt an die Jobs gelegt und streicht 1300 Stellen. Er schließt elf Standorte und gibt zudem das Osteuropageschäft auf. "Die Konsumenten sind unsicher und fahren nur auf Sicht", hatte er im Sommer gesagt. Für die Krise in Europa zeichne sich keine Lösung ab.

ThyssenKrupp reagiert früh

Der deutsche Branchenprimus ThyssenKrupp hatte bereits im August reagiert und 2150 Stahlkocher in Kurzarbeit geschickt. Eine Ausweitung des Programms sei derzeit nicht geplant, sagte ein Sprecher am Dienstag. Für den November sei für 1700 Beschäftigte Kurzarbeit angemeldet worden. Vorstandschef Heinrich Hiesinger musste im europäischen Stahlgeschäft in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2011/12 einen Absturz des Betriebsgewinns um 81 Prozent auf 170 Mio. Euro hinnehmen.

"Die schwache konjunkturelle Entwicklung und insbesondere die allgemeine Unsicherheit infolge der ungelösten Staatsschuldenkrise machen sich in unseren Märkten zunehmend bemerkbar", sagte er. Noch stärker machen dem ehemaligen Siemens -Manager aber die Verluste der neuen Werke in Brasilien und den USA zu schaffen, für die er händeringend Käufer sucht. Die Sparte fuhr in neun Monaten einen Verlust von knapp 800 Millionen Euro ein.

Quelle: n-tv.de

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