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Die Commerzbank-Zentrale in Frankfurt am Main.
Die Commerzbank-Zentrale in Frankfurt am Main.(Foto: REUTERS)

Alles neu macht der Mai: Startet die Commerzbank jetzt durch?

Von Egmond Haidt und Benjamin Feingold

Der neue Commerzbank-Chef übernimmt eine Bank, die eine erfolgreiche Schrumpfkur hinter sich hat. Doch es gibt noch etliche Baustellen, auf denen Martin Zielke viel Arbeit erwartet.

Die Personaldebatte bei der Commerzbank ist entschieden. Martin Zielke, der bisherige Privatkunden-Vorstand, wird Anfang Mai neuer Vorstandschef der zweitgrößten Bank Deutschlands. Der scheidende Chef Martin Blessing hat einen zuversichtlichen Ausblick auf 2016 abgegeben. Allerdings erwartet das Institut reichlich Gegenwind. Wie geht es mit der Aktie weiter?

Martin Zielke erntet erstmal die Früchte seiner Arbeit: "Er hat auf eindrucksvolle Weise das Privatkundengeschäft zurück auf die Erfolgsspur gebracht", lobte Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller. "Mit ihm hat sich nach einem intensiven Auswahlprozess der richtige Kandidat durchgesetzt, dem der gesamte Aufsichtsrat sein Vertrauen schenkt", sagte Müller. Zielke "erbt" eine Bank, die klar auf dem Wege der Besserung ist.

Deutschlands zweitgrößte Bank hatte sich im Jahr 2015 trotz des Niedrigzinsumfelds und der beginnenden Turbulenzen am Finanzmarkt überraschend gut geschlagen. So hatte sich der Gewinn auf mehr als 1,06 Milliarden Euro vervierfacht. Verantwortlich hierfür war vor allem das starke Privatkundengeschäft. Es profitierte davon, dass die Nachfrage nach Hypotheken- und Konsumentenkrediten kräftig nach oben schoss. Mit einem operativen Gewinn von 751 Millionen Euro ist es damit zum zweitgrößten Gewinnlieferanten des Konzerns aufgestiegen.

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Da der scheidende Vorstandschef Martin Blessing den Schrumpfkurs der Bank energisch fortgesetzt hat, waren die risikogewichteten Aktiva auf nur mehr 197 Milliarden Euro gesunken. Im Gegenzug ist die harte Kernkapitalquote im Jahresvergleich von 9,3 Prozent auf 12 Prozent nach oben geklettert. Damit liegt die Commerzbank etwas oberhalb des Branchenschnitts von rund 11 Prozent und erfüllt bereits jetzt den von der EZB erst für das Jahr 2019 geforderten Wert.

Ziel in Gefahr

Die starke Verbesserung der harten Kernkapitalquote hat die Investoren ebenso begeistert wie die Dividende. "Wir haben erstmals seit fünf Jahren wieder ein Konzernergebnis von über einer Milliarde Euro erzielt und unsere Kapitalbasis weiter deutlich gestärkt. Der Vorstand plant, eine Dividende für das Geschäftsjahr 2015 in Höhe von 20 Cent je Aktie vorzuschlagen", sagte Blessing. Das entspricht einer Dividendenrendite von 2,5 Prozent.

Blessing ist zudem sehr schnell bei dem Abbau der hauseigenen Bad Bank vorangekommen. Sie war 2012 eingerichtet worden, um ein riesiges Portfolio von 160 Milliarden Euro an Staatsanleihen, Schiffs- und Immobilienkrediten schonend loszuwerden. Ende 2015 war der Wert auf insgesamt nur mehr 63 Milliarden Euro gesunken. Der Großteil wird nun auf die einzelnen Geschäftsbereiche der Commerzbank verteilt und die Bad Bank aufgelöst.

Ein weiteres wichtiges Ziel musste Blessing allerdings aufgeben. Die Eigenkapitalrendite der Kernbank, also alle Geschäftsbereiche außerhalb der hauseigenen Bad Bank, werde 2016 wohl nicht auf die geplanten zehn Prozent steigen. Im Jahr 2015 lag sie bei 8,1 Prozent, konzernweit, also inklusive der Bad Bank, lag sie bei lediglich 3,8 Prozent. "Dieser Wert zeigt, dass die Rendite trotz eines Milliardengewinns immer noch sehr gering ist. Mit der sehr niedrigen Eigenkapitalrendite gehört die Commerzbank zu den Schlusslichtern im Dax", sagt Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst von CMC Markets.

Für den neuen Chef Martin Zielke bleibt also noch eine Menge Arbeit, auch für seinen Hauptanteilseigner, den Bund. Er besitzt noch einen Anteil von rund 15 Prozent an der Commerzbank. Der Bund dürfte seinen Anteil auf absehbare Zeit aber nicht verkaufen, da er heute wesentlich weniger wert ist als zum Einstiegszeitpunkt. Finanzminister Wolfgang Schäuble wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als die Entwicklung der Commerzbank weiter zu beobachten.

Quelle: n-tv.de

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