Wirtschaft
Grube hat noch Rückhalt bei der Kanzlerin. Das sichert ihm den Job.
Grube hat noch Rückhalt bei der Kanzlerin. Das sichert ihm den Job.(Foto: imago/STAR-MEDIA)
Freitag, 10. Juni 2016

Grube verliert an Rückhalt: Stolpert der Bahnchef über Stuttgart 21?

Tieferlegen kostet viel Geld. Erst recht, wenn ein Bahnhof tiefergelegt werden muss. Weshalb man das erst jetzt beim Bahnprojekt Stuttgart 21 weiß, ist schon ein Skandal an sich. Dass die Kosten explodieren - nur eine Folge davon. Den Bahnchef könnte das den Job kosten.

Mögliche Kostensteigerungen und Verzögerungen beim umstrittenen Großprojekt Stuttgart 21 setzen den Vorstand der Deutschen Bahn unter Druck. Mehrere Medien berichteten, Bahn-Chef Rüdiger Grube verliere aufgrund der zahlreichen ungelösten Probleme des Konzerns Rückhalt im Aufsichtsrat und müsse um seine Vertragsverlängerung bangen. Der Druck wachse auch auf seinen Stellvertreter, Infrastrukturvorstand Volker Kefer.

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Grubes Vertrag läuft Ende 2017 aus. Der Bahn-Manager möchte jedoch, dass über die Verlängerung ein Jahr vorher - also Ende dieses Jahres - entschieden ist. "Damit braucht er jetzt gar nicht erst anzukommen", zitierte die "Wirtschaftswoche" ein einflussreiches Mitglied des Aufsichtsrats. Grube müsse nun "erst einmal liefern".

Der "Spiegel" zitierte ein Mitglied des Kontrollgremiums: "Wenn wir frei über Grube abstimmen dürften, wäre er seinen Job wohl los." Allerdings werde die Personalie im Kanzleramt entschieden. Weil Bundeskanzlerin Angela Merkel weiter zu Grube stehe, könne der 64-Jährige auf die Vertragsverlängerung setzen.

S21 wird erheblich teurer

Grund für den Vertrauensverlust im Aufsichtsrat ist das umstrittene Bahnhofsprojekt Stuttgart 21. Vor einer Woche war bekannt geworden, dass sich die Tieferlegung des Stuttgarter Hauptbahnhofs um rund eine halbe Milliarde Euro verteuern und um bis zu zwei Jahre verzögern könnte.

"Risiken für Zeit- und Kostenplan ergeben sich unter anderem aus zusätzlichen Aufwendungen für Brandschutz, Artenschutz und Tunnelbau", sagte Grube der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Die vom Infrastrukturvorstand an den Aufsichtsrat übermittelte neue Bestandsaufnahme bedeute jedoch nicht, "dass alle aufgeführten Risiken eintreten müssen und werden". Das Kontrollgremium befasst sich am nächsten Mittwoch mit Stuttgart 21.

Kefer hatte beim Umbau des Vorstands vor knapp einem Jahr an Bedeutung gewonnen und war zu Grubes Stellvertreter aufgestiegen. Als Infrastrukturvorstand wird er intern für Kostensteigerungen bei Stuttgart 21 verantwortlich gemacht. Der "Spiegel" berichtete, der Aufsichtsrat stehe Kefer zwar grundsätzlich wohlwollend gegenüber. Er könnte allerdings binnen Wochen rausfliegen, verlautete dem Bericht zufolge aus dem Konzern.

Pofalla kann sich Hoffnung machen

Kefers Vertragsverlängerung müsse "kritisch hinterfragt" werden, sagte ein Aufsichtsrat der "Welt am Sonntag". In jedem Fall müsse seine "bisherige Aufgabenfülle" als Vorstand für Infrastruktur, Dienstleistungen und Technik reduziert werden. "Das geht so nicht mehr." Jedes seiner Gebiete sei zu anspruchsvoll.

Kefer wird aufgrund seiner Position im Vorstand als möglicher Nachfolger für Grube gehandelt. Allerdings soll sich auch der ehemalige Kanzleramtschef Ronald Pofalla Hoffnung auf den Posten machen. Er ist seit vergangenem Jahr Vorstand für Wirtschaft, Recht und Regulierung.

Quelle: n-tv.de

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