Wirtschaft
Alles wird teurer, doch keiner hat Schuld.
Alles wird teurer, doch keiner hat Schuld.(Foto: dapd)

"Energiewende treibt Preise": Stromriesen zeigen auf Staat

Vattenfall und RWE warnen vor deutlichen Preissprüngen beim Strom. Schuld daran sei die Energiewende, die sich deutlich hinziehe. Eine ganz andere Rechnung macht der Bundesverband Windenergie auf. Er kommt zum Schluss, dass konventionelle Energien wie Kohle und Atom deutlich mehr Kosten verursachen, als die Verbraucher auf ihrer Stromrechnung erkennen können.

Die Stromkonzerne rechnen im Zuge der Energiewende mit deutlich höheren Preisen und machen für diese Entwicklung den Staat verantwortlich. "Ich gehe davon aus, dass die Rechnung für Privatkunden bis 2020 um bis zu 30 Prozent steigen könnte", sagte der Europa-Chef von Vattenfall, Tuomo Hatakka, der "Süddeutschen Zeitung".

Die Versorger hätten die Preise nicht mehr in der Hand, betonte Hatakka. Schuld seien Verzögerungen bei wichtigen Großprojekten, etwa dem Anschluss von Windparks auf hoher See. Allein in den nächsten zehn Jahren seien für die Energiewende Investitionen von 150 Mrd. Euro nötig: "Ein Großteil dieser Kosten wird qua Gesetz auf die Stromrechnung umgelegt werden."

Wer hat den Schwarzen Peter?

Mit diesen Aussagen schiebt Vattenfall den Schwarzen Peter in Sachen Strompreisen dem Staat zu. Verbraucherschützer werfen den großen Versorgern E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW seit Jahren, und damit bereits vor der Energiewende, Preistreiberei vor. In den vergangenen Tagen sind erneut Vorwürfe laut geworden, die Konzerne gäben den gefallenen Börsenpreis für Strom nicht an die Kunden weiter, während gestiegenen Kosten stets umgehend auf der Rechnung der Verbraucher auftauchten.

Die Unternehmen weisen dies unter anderem mit dem Hinweis zurück, ihren Strom auf Jahre im Voraus zu verkaufen. Die jetzigen Preise hätten ihren Ursprung in den Marktbedingungen vergangener Jahre, als die Preise höher waren. Derzeit liegt der Börsenpreis für Strom mit rund 50 Euro je Megawattstunde fast auf dem tiefsten Stand seit zwei Jahren.

RWE nur für ein Viertel verantwortlich

Auch RWE-Chef Peter Terium sieht den Staat als eigentlichen Preistreiber. "Wir haben gesunkene Preise für Strom auf der Beschaffungsseite, an der Börse genutzt, um den Anstieg der staatlichen Abgaben und Umlagen aufzufangen", sagte er der "Bild"-Zeitung. Knapp die Hälfte des Preises gehe auf Kosten des Staates, hinzu komme ein knappes Drittel für die staatlich regulierten Netzentgelte. "Die Energiewirtschaft ist mittlerweile nur noch verantwortlich für ein Viertel des Strompreises."

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Egal, wo die Verantwortung liegt: Auf die Verbraucher dürften bald höhere Preise zukommen. Es wird erwartet, dass die Umlage zur Förderung des Ökostroms wegen des massiven Ausbaus von Solar- und Windenergie 2013 über die derzeit 3,5 Cent je Kilowattstunde steigen wird. Spekuliert wird über einen Wert von etwa fünf Cent. Der Haushaltskundenpreis liegt derzeit etwa bei 25 Cent je Kilowattstunde. Die Ökostrom-Lobby kritisiert, dass weite Teile der Industrie aus Gründen der Wettbewerbsfähigkeit die Abgabe zur Förderung der Erneuerbaren Energie kaum oder gar nicht berappen müssten. Dadurch müssten die Haushaltskunden deutlich mehr zahlen.

"Hysterische Debatte"

Der Bundesverband Windenergie dreht den Spieß um. Konventionelle Energien wie Kohle und Atom verursachten deutlich mehr Kosten als auf der Stromrechnung ausgewiesen werden, erklärte der Verband nun. Verbraucher zahlten diese versteckten Zusatzkosten unter anderem über Steuern und Abgaben. "Würde man die Kosten aufsummieren und auf die Verbraucher umlegen, läge diese Konventionelle-Energien-Umlage 2012 bei 10,2 Cent pro Kilowattstunde und wäre damit fast dreimal so hoch wie die derzeitige EEG-Umlage."

Dies sei das Ergebnis einer Studie mit dem Titel "Was Strom wirklich kostet", die das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag des Verbandes und von Greenpeace Energy erstellt habe. "Während Steinkohle-Verstromung zwischen 1970 und 2012 insgesamt 177 Mrd. Euro an Förderungen, Braunkohle 65 Mrd. und die Atomstromproduktion sogar 187 Mrd. Euro erhielt, kommen die erneuerbaren Energien bis heute gerade einmal auf 54 Mrd. Euro."

Marcel Keiffenheim, Leiter Energiepolitik bei Greenpeace Energy, sprach von einer fast hysterischen Debatte um die Strompreise. "Da wird der Eindruck erweckt, die erneuerbaren Energien seien ein großer Kostentreiber, während fossile Energieträger quasi kostenneutral zu seien." Hermann Albers, Präsident des Bundesverbands Windenergie, forderte von der Bundesregierung eine ehrliche Kostendebatte.

Quelle: n-tv.de

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