Wirtschaft
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"Kräfte verschieben sich": Studie: Deutschland wird durchgereicht

Deutschland wird in gut 35 Jahren nur noch knapp unter den zehn wirtschaftsstärksten Ländern weltweit sein. Fehlende Fachkräfte bremsen das Wachstum. Dagegen werden vor allem Asien und auch ein afrikanisches Land zulegen.

Deutschland und Europa werden in den kommenden Jahrzehnten laut einer Studie im weltweiten Vergleich erheblich an wirtschaftlichem Gewicht verlieren. Während Europa aktuell mit Deutschland (Rang fünf), Frankreich (Rang acht) und dem Vereinigten Königreich (Rang zehn) noch hinter Asien die stärkste Region im Ranking der Top-Volkswirtschaften ist, werde 2050 nur noch Europas größte Volkswirtschaft unter den Top Ten bleiben, wie es in der Studie "The World in 2050" der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) heißt.

Allerdings wird Deutschland 2050 laut dieser Studie nur noch die zehntgrößte Volkswirtschaft der Welt sein - hinter Nigeria, der es als erster afrikanischer Staat in die Spitzengruppe schaffen wird. "Unsere Prognose zeigt deutlich, dass Europa im weltweiten Vergleich weiter an wirtschaftlichem Gewicht verliert", sagte Norbert Winkeljohann, Sprecher des Vorstands von PwC Deutschland.

China wird dominante Wirtschaftsmacht

PwC sieht China 2014 knapp, 2030 deutlich und 2050 mit großem Abstand auf Platz eins. "Früher als von uns erwartet hat China die Vereinigten Staaten von ihrer Spitzenposition verdrängt", erläuterte Winkeljohann. Bis 2050 müssten die USA dann auch noch Indien vorbeiziehen lassen. "Die Kraftzentren der Weltwirtschaft verschieben sich auch in Zukunft weiter nach Asien."

Die USA werden bis 2050 von Indien auf Rang drei verdrängt. Noch vor Nigeria (Rang neun) folgen Indonesien, Brasilien, Mexiko, Japan und das derzeit kriselnde Russland.

Deutschland bekommt Japans Probleme

Für die Prognose gehen die PwC-Volkswirtschaftler von einem durchschnittlichen Wachstum der Weltwirtschaft von rund drei Prozent pro Jahr aus - Deutschland wächst laut Prognose nur um etwa 1,5 Prozent. "Der demografische Wandel wird ab etwa 2020 das Wachstum in weiten Teilen der Welt deutlich abkühlen", sagte Winkeljohann. Das werde auch das deutsche Wachstum bremsen: Deutschland müsse sich auf eine ähnliche Entwicklung einstellen, wie sie Japan bereits erlebe.

Die Wirtschaftsleistung der Euro-Zone dürfte 2050 - unter optimistischen Annahmen - laut Studie etwa 1,5 bis zwei Prozent zulegen. Nigeria, Vietnam und die Philippinen hingegen seien dann mit einem durchschnittlichen Plus von 4,5 bis fünf Prozent "die dynamischsten Wachstumsregionen der Welt".

Ungeachtet der Aufholjagd der Schwellenländer mahnte Winkeljohann: "Investoren sollten die reifen Volkswirtschaften in Nordamerika und Europa trotz der globalen Verschiebungen nicht einfach abschreiben." Denn die Studie zeige auch, dass das Durchschnittseinkommen in den Schwellenländern nur sehr langsam steige und 2050 etwa in China noch immer bei nur rund 40 Prozent des US-Niveaus liege.

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Quelle: n-tv.de

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