Wirtschaft
Gut gebrüllt, Tiger: Die Asean-Staaten wollen 2015 einen gemeinsamen Binnenmarkt starten.
Gut gebrüllt, Tiger: Die Asean-Staaten wollen 2015 einen gemeinsamen Binnenmarkt starten.(Foto: picture alliance / dpa)

Der Tiger will brüllen: Südostasien kopiert EU

Die Wirtschaft in Südostasien boomt. Damit das so bleibt, nimmt sich die aus zehn Ländern bestehende Staatengemeinschaft Asean die Europäische Union zum Vorbild. 2015 kommt ein gemeinsamer Binnenmarkt für 600 Millionen Menschen. Ziel ist es, "in zehn Jahren die größte Wachstumsregion der Welt" zu sein.

Die EU ist mit ihrer Schuldenkrise im Moment nicht gerade ein leuchtendes Beispiel für regionale Integration. Trotzdem kopieren die zehn Länder der Südostasiatischen Staatengemeinschaft (Asean) jetzt ihr Konzept: Ende 2015 verwirklichen sie einen gemeinsamen Binnenmarkt, mit mehr als 600 Millionen Einwohnern auf einer Fläche so groß wie die Europäische Union. Unternehmer und Politiker sehen Riesenpotenzial. Beim Weltwirtschaftsforum in der birmanischen Hauptstadt Naypyidaw war der Enthusiasmus diese Woche deutlich zu spüren.

"Dies wird in zehn Jahren die größte Wachstumsregion der Welt sein", sagt der Unilever-Geschäftsführer in Singapur, Harish Manwani, voraus. "In zehn Jahren wird diese Region ihr Bruttoinlandsprodukt pro Kopf verdoppeln und die Wachstumslokomotive in Asien sein", meint der philippinische Finanzminister Cesar Purisima.

BIP pro Kopf zwischen 600 und 35.000 Euro

Das bitterarme Birma als Gastgeber der Wirtschaftselite - das illustriert die Aufbruchstimmung der Region, aber gleichzeitig auch die enormen Herausforderungen: Noch haben Dreiviertel der 60 Millionen Einwohner Birmas keinen Strom. Auch in Laos und Kambodscha sind bislang nur wenige aus der Armutsfalle gekommen.

Sie sitzen im Staatenverbund Asean aber in einem Boot mit Boomländern und Schwergewichten wie Indonesien, Singapur und den Philippinen.  Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf reicht von gut 35.000 Euro in Singapur bis zu kaum mehr als 600 Euro in Birma. Alle Zeichen stehen auf Boom, wenn in eineinhalb Jahren praktisch alle Zoll- und Handelsschranken fallen. "Ich bin in Sachen Asean total zuversichtlich", sagt Jaime Zobel de Ayala, Chef des gleichnamigen mächtigen philippinischen Mischkonzerns. "Die Integration geht voran. Das wird alle nach oben ziehen."

China im Visier

Während die USA, Europa und Japan mit Konjunktureinbrüchen und Arbeitslosigkeit kämpfen, geht in Südostasien die Post ab: im Schnitt 5,5 Prozent Wachstum im Jahr seit 1999, Exporte plus 9,9 Prozent pro Jahr. Überall junge Bevölkerungen mit einem Durchschnittsalter unter 30, eine rasant wachsende Mittelklasse: von 40 Millionen Menschen 2010 auf 85 Millionen in sieben Jahren, schätzt die Zeitschrift "Economist".

Schon wollen die Asean-Länder China Konkurrenz machen, bei der Anwerbung von Investitionen etwa, indem sie mit niedrigeren Löhnen und Steuersubventionen locken, und als Absatzmarkt mit ihrer  rasant wachsenden Mittelschicht, schreibt Chris Devonshire-Ellis in einer Analyse für den Investment-Newsletter «China Briefing».

Gefahren sieht Xiaobo Hu, Professor für China-Studien allerdings für China nicht aus der Asean-Ecke: Chinas Bevölkerung sei mehr als doppelt so groß und habe Kultur, Geschichte und Traditionen. Asean dagegen sei in Sprache, Religion, Geschichte und Entwicklungsstand höchst divers. Das mache das Investieren aber auch den Absatz von Produkten deutlich schwieriger.

Zwar reden die Asean-Länder vor allem vom Ausbau des Handels untereinander, an China kommen sie jedoch nicht vorbei. Der mächtige Nachbar ist ein bedeutender Investor. Asean hat mit China seit 2010 ein Freihandelsabkommen. China und Asean zusammen beherbergen ein Drittel der Weltbevölkerung. "China und Asean sind beide wichtig und ergänzen sich", meint Xiaobo.

Quelle: n-tv.de

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