Wirtschaft

Folge der Wirtschaftskrise: Suizidrate in Griechenland steigt

Angesichts der Wirtschaftskrise leben in Griechenland immer mehr Menschen in Arbeitslosigkeit und Armut. Besserung ist nicht in Sicht. Doch Sparpakete und Konjunkturschwäche haben offenbar noch weitaus schlimmere Konsequenzen: Die Selbstmordrate in dem südeuropäischen Land steigt kräftig.

Ein Obdachloser in Athen.
Ein Obdachloser in Athen.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Lange war die Selbstmordrate in Griechenland die geringste in Europa. Doch in den letzten drei Jahren stieg sie rasant – und hat nun das höchste Niveau auf dem Kontinent erreicht. Dem griechischen Gesundheitsministerium nahm die Zahl der Suizide in den ersten fünf Monaten des Jahres im Vergleich zum Vorjahr allein um 40 Prozent zu. Vor drei Jahren lag die Rate demnach bei 2,8 je 100.000 Einwohner – nunmehr hat sie sich nahezu verdoppelt.

Die Behörde führt das auf die Wirtschaftskrise zurück. Bereits im Juli hatten britische und US-Forscher eine Studie veröffentlicht, derzufolge die Wirtschafts- und Finanzkrise zu einer Zunahme der Suizide in Europa führt. Die Wissenschaftler werteten dazu Daten der Weltgesundheitsorganisation aus.

Der griechischen Gesundheitsbehörde zufolge stieg auch die Zahl der Selbstmordversuche. Außerdem haben sich die Anrufe bei Beratungsstellen vervierfacht. "Es gibt niemals nur eine Ursache", zitiert der britische "Guardian" eine griechische Psychologin, die bei einer solchen Beratungsstelle arbeitet. "Aber fast immer werden Schulden, Arbeitslosigkeit oder die Angst vor der Kündigung genannt, wenn Menschen von Selbstmordgedanken sprechen." Vor der Krise habe es rund zehn Anrufe pro Tag gegeben, so die Psychologin. Derzeit seien es an manchen Tagen mehr als 100.

Obdachlosigkeit wächst

In Griechenland leben immer mehr Menschen in Arbeitslosigkeit und Armut. Allein in Athen gibt es offiziellen Angaben zufolge 200.000 Obdachlose. Der Bürgermeister Giorgos Kaminis spricht von einem Plus von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In den Suppenküchen der Stadt habe die Nachfrage um 15 Prozent zugenommen.

Auch der Chef der kirchlichen Armenhilfe der Athener Diözese, Chrysostomos Simeonidis, sagte, es seien immer mehr Menschen auf Gratis-Essensausgaben angewiesen. Landesweit gebe seine Organisation pro Woche etwa 250.000 Mahlzeiten aus. Nach offiziellen Angaben verloren während des vergangenen Jahres rund 320.000 Griechen ihre Arbeit, die Arbeitslosenquote hat mit 17,7 Prozent einen neuen Rekord erreicht.

Eine Besserung der Lage ist angesichts drastischer Sparprogramme und der ins fünfte Jahr gehenden Rezession nicht in Sicht. Der Internationale Währungsfonds rechnet mit einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit, die 2013 mit einer Quote von 19,5 Prozent ihren Höhepunkt erreichen dürfte. Mit einem Rückgang sei zwar ab 2014 zu rechnen, doch werde die Quote auch 2020 noch über 13 Prozent liegen.

Quelle: n-tv.de

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