Wirtschaft
Gibt den Feuerwehrmann: Mario Draghi.
Gibt den Feuerwehrmann: Mario Draghi.(Foto: REUTERS)

Die EZB tut, was sie kann: Super, Mario!

Ein Kommentar von Jan Gänger

Sympathischer ist Mario Draghi vielen Deutschen mit der Zinssenkung der EZB sicher nicht geworden. Doch das wird ihm wohl herzlich egal sein. Hoffentlich.

Eines müssen selbst die schärfsten Gegner Mario Draghi lassen: Er kann einstecken. Seit geraumer Zeit kassiert der Italiener aus Deutschland Prügel - und lockert die ohnehin schon laxe Geldpolitik trotzdem weiter. Das sorgt hierzulande für schlechte Laune. Dabei ignorieren Draghis Kritiker einen nicht ganz unwesentlichen Punkt geflissentlich. Der Mann ist gerade dabei, die Eurozone zu retten.

Zugeben, für einige seiner lautesten Gegner ist genau das das Problem. Sie wünschen sich das Ende dieser vermaledeiten Währungsunion und sehnen sich nach der D-Mark. Andere empören sich, dass der Sparer enteignet wird. Und wieder andere regen sich darüber auf, dass das billige Zentralbankgeld Spekulationsblasen schafft, die irgendwann mit lautem Knall platzen. Und dann kommt natürlich noch die Hyperinflation auf uns zu.

Gemach, möchte man den Wütenden entgegnen, gemach. Von Inflation ist in der Eurozone nichts zu sehen. Die Preissteigerung liegt gerade einmal bei 0,5 Prozent. Und genau wie die EZB eine zu hohe Inflation bekämpfen muss, ist sie verpflichtet, zu niedrige Inflation zu bekämpfen. Denken die Draghi-Basher auch einmal daran, was diese für die Krisenländer bedeutet? Die Anpassungsprozesse werden noch viel schwieriger. Zur Erinnerung: Die Arbeitslosenquote liegt in Spanien und Griechenland bei rund 25 Prozent. Bei Jugendlichen ist sie doppelt so hoch.

Zudem gibt es hierzulande keine Spekulationsblasen. Und sollten beispielsweise Immobilienpreise zu kräftig steigen, dann müssen die Aufsichtsbehörden die Regeln für die Vergabe von entsprechenden Krediten verschärfen.

Nein, Deutschland braucht keine niedrigeren Zinsen. Ja, Sparer verlieren Geld. Doch die EZB darf ihren Kurs nicht an einem Mitglied der Eurozone ausrichten. Sie ist die Zentralbank des gesamten Währungsraums. Sie ist nicht dafür zuständig, deutschen Sparern eine anständige Rendite zu ermöglichen. Jeder Sparer sollte sich in Erinnerung rufen, dass höhere Zinsen die fragile Konjunktur der Eurozone belasten - und damit nicht zuletzt den eigenen Job gefährden.

Der Weg der EZB ist selbstverständlich riskant. Doch ihr bleibt gar nichts anderes übrig. Die Krise ist mitnichten vorüber. Und so lange die Politik viel zu wenig unternimmt, muss die EZB unter der Führung Draghis handeln. Es tut ja sonst niemand.

Quelle: n-tv.de

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