Wirtschaft
Eine Zusammenstellung von Anzeigetafeln an Tankstellen aus ganz Deutschland (Stand: April 2012).
Eine Zusammenstellung von Anzeigetafeln an Tankstellen aus ganz Deutschland (Stand: April 2012).(Foto: picture alliance / dpa)

Letzte Testphase für offiziellen Preisvergleich läuft: Tankstellen müssen Spritpreise melden

Alle Tankstellen in Deutschland müssen ab diesem Wochenende verbindliche Preise für Benzin und Diesel ans Kartellamt melden. Eine "Transparenzstelle" soll für mehr Wettbewerb sorgen. Autofahrer werden davon aber erst in ein paar Wochen profitieren.

Die Vorbereitungen für eine Benzin-Preismeldestelle gehen in die heiße Phase: Ab diesem Samstag sind Tankstellen per Gesetz und Verordnung verpflichtet, ihre Preise für Benzin und Diesel unverzüglich an die sogenannte Markt-Transparenzstelle zu melden. Vor zwei Wochen hatten sich 13.000 der rund 14.500 Tankstellen in Deutschland mit ihren Geodaten und Öffnungszeiten für die Erfassung ihrer Daten angemeldet.

Der Autofahrer hat im Augenblick noch nichts davon. Die neue Transparenzstelle soll aber noch im Sommer den Betrieb aufnehmen - dafür blieben jetzt noch drei Wochen, dann ist Herbstanfang. Danach sollten die Daten auch für die Konsumenten nutzbar sein.

Apps werden künftig mit amtlichen Daten gespeist.
Apps werden künftig mit amtlichen Daten gespeist.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Verbraucher sollen dadurch profitieren, dass sie die Benzin- und Dieselpreise der Tankstellen ohne Zeitverzug über Smartphone-Apps und Navigationsgeräte abrufen und vergleichen können. Bereits jetzt speisten zahlreiche Tankstellen ihre Preise in der vorgesehenen Form und in der notwendigen Taktung ein, sagte Kartellamts-Präsident Andreas Mundt in Bonn. Das Gesamtsystem könne derzeit also umfassend getestet werden. "Wir sind nach wie vor auf einem guten Weg."

Der Bundestag hatte die neue Meldestelle für Kraftstoffe im vergangenen Jahr per Gesetz beschlossen, um für mehr Wettbewerb unter den Tankstellen zu sorgen und die Informationsgrundlage für Verbraucher zu verbessern. Zudem will das Kartellamt besser gegen Kartellrechtsverstöße vorgehen können, etwa Verdrängungsstrategien großer Mineralölkonzerne gegenüber freien Tankstellen.

Benzin- und Dieselpreise konnten bislang schon im Internet oder per Smartphone-App abgerufen werden. Doch die Daten waren nicht immer zuverlässig.

Daten fließen in die Programme privater Anbieter

Mit der Markt-Transparenzstelle erhalten die Autofahrer jetzt amtliche Angaben, die von den Tankstellen auf einer gesetzlichen Grundlage geliefert werden müssen. Eine staatliche Preiskontrolle ist damit nicht verbunden. Die Daten werden privaten Anbietern von Apps und Navigationssystemen zur Verfügung gestellt, die sie in ihren Produkten weiterverbreiten.

Möglicherweise werden die Daten zu Beginn nur auf Webseiten im Internet abrufbar sein, weil die Apps für mobile Telefone zunächst geprüft und zertifiziert werden müssen. Ob die Apps gratis oder gegen einen Geldbetrag abgegeben werden, entscheidet der Anbieter. Bislang sollen sich fünf Verbraucher-Informationsdienste an den Tests beteiligen, darunter der ADAC und clever-tanken.de.

Über die Auswirkungen der erhöhten Markttransparenz sind sich Experten nicht einig, da keine vergleichbaren Erfahrungen vorliegen. Es gibt verschiedene Szenarien. Das Auf und Ab der Preise, das sich seit Jahren immer mehr beschleunigt hat, könnte einerseits einem stabileren Preisgefüge auf etwas höherem Niveau Platz machen. Denn nicht nur die Autofahrer, auch die Anbieter verfügen nun über vollständige Markttransparenz. Es wäre aber auch denkbar, dass sich der Wettbewerb nochmals verschärft und die Preise noch stärker schwanken.

Quelle: n-tv.de

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