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Das Taxigewerbe sieht in Uber unfaire Konkurrenz.
Das Taxigewerbe sieht in Uber unfaire Konkurrenz.(Foto: picture alliance / dpa)

Bedrohung aus dem Internet : Taxifahrer wehren sich gegen Fahrdienste

Das traditionelle Taxigewerbe hat ein großes Problem: Mithilfe von Apps lassen sich in etlichen Metropolen Mitfahrgelegenheiten organisieren. Das setzt der Branche zu. In Berlin, Madrid, Paris und London machen Tausende darauf aufmerksam.

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Mehrere tausend Taxifahrer haben in europäischen Großstädten gegen Konkurrenz aus dem Internet protestiert. Die Aktion richtete sich gegen Unternehmen wie Uber aus den USA, die mittels Handy-Apps Fahrer anbieten. Damit würden die Regeln der Branche unterlaufen, kritisiert das Taxigewerbe. In Berlin beteiligten sich nach Polizeiangaben 450 Fahrer mit ihren Wagen an einer Sternfahrt zum Olympiastadion. In Berlin sind rund 7000 lizenzierte Taxis unterwegs. Auch in Hamburg wurde protestiert.

Nach Ansicht von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt liegen Kontrollen umstrittener neuer Taxi-Apps in der Hand der Länder. Entgeltliche und geschäftsmäßige Personenbeförderung sei genehmigungspflichtig, sagte der CSU-Politiker. Die Länder müssten dafür sorgen, dass die gesetzlichen Vorgaben eingehalten würden. Ihm lägen keine Erkenntnisse dazu vor, ob Angebote der Fahrervermittlungs-App Uber nach diesen Kriterien stattfänden.

Hupkonzert in London - Dumpingpreise in Rom

Auch in London wehren sich Taxi-Fahrer gegen die Konkurrenz privater Fahrdienste.
Auch in London wehren sich Taxi-Fahrer gegen die Konkurrenz privater Fahrdienste.(Foto: REUTERS)

In Madrid streikten fast alle Taxifahrer den ganzen Tag. Auch am Flughafen war kein einzigen Taxi aufzutreiben. Protestfahrten mit kleineren Verkehrsbehinderungen gab es unter anderem auch in Hamburg, Barcelona und einigen italienischen Städten. In Paris blockierten mehrere Hundert Taxifahrer kurzzeitig den Verkehr an den internationalen Flughäfen Charles de Gaulle und Orly. Dann rollten sie im Schneckentempo Richtung Innenstadt. In der französischen Hauptstadt wurden Staus mit einer Gesamtlänge von mehr als 250 Kilometern registriert.

n London blockierten Tausende der berühmten Taxis die Straßen um den Trafalgar Square im Stadtzentrum. Viele der "Cabbies" drückten minutenlang die Hupe. Die römischen Taxifahrer veranstalteten einen "umgedrehten Streik" - sie fuhren zum Preis von maximal zehn Euro, um sich den Tarifen der ungeliebten Konkurrenz anzupassen.

Investoren geben Milliarden

Die Taxifahrer sehen ihr Geschäft von Anbietern bedroht, die über Handy-Apps Fahrer vermitteln. Aus ihrer Sicht gibt es einen unfairen Wettbewerb, weil für die neuen Rivalen aus dem Internet die strikte Regulierung des Taxi-Gewerbes ausgehebelt sei. Ein rotes Tuch ist für sie vor allem die US-Firma Uber, die in rund 20 europäischen Städten aktiv ist. Vergangene Woche besorgte sich Uber 1,2 Milliarden Dollar frisches Geld von Investoren, das Unternehmen aus San Francisco wurde dabei insgesamt mit 17 Milliarden Dollar bewertet.

Private Fahrer seien oft nicht für die Beförderung versichert, absolvierten keine regelmäßigen Gesundheitschecks, ihre Ausbildung und der technische Zustand des Autos würden nicht geprüft, kritisierte der Präsident des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbands BZP, Michael Müller. Uber entgegnet stets, man überprüfe die Fahrer und sorge für die Sicherheit der Fahrgäste. Zudem bringe das Unternehmen "Wettbewerb in einen Markt, der sehr lange nicht gefordert wurde".

Taxifahrer haben sich schon häufiger über nicht lizenzierte private Chauffeur-Dienste beschwert. Das rapide Wachstum von Uber und anderen Anbietern aber erhöht die Bedrohung in den Augen der Taxiunternehmen nun erheblich. Der Dienst musste in Europa bereits Rückschläge hinnehmen. In Brüssel wurde Uber der Betrieb untersagt, in Frankreich gibt es Einschränkungen. In Berlin erwirkte ein Taxifahrer im Frühjahr eine einstweilige Verfügung gegen Uber, vollstreckte sie jedoch unter Hinweis auf wirtschaftliche Risiken nicht.

Trotz der vielen Rechtsstreitigkeiten haben Kunden - auch in Europa - den Dienst bisher angenommen. Die Demonstranten würden "die Leute schlichtweg auf die Tatsache stoßen, dass hier der Störenfried, die coole Sache kommt", sagt Brian Blau, Analyst bei der Marktforschung Gartner. Uber-Manager nutzen die Aufmerksamkeit, die ihnen die Proteste bescheren, um auf die Vorteile ihres Dienstes hinzuweisen. "Wenn überhaupt, macht es Uber noch sichtbarer und wird eine Menge Leute erkennen lassen, dass sie jetzt Wahlmöglichkeiten haben, die sie vorher nicht hatten", sagt Pierre-Dimitri Gore-Coty, Ubers Geschäftsführer für West- und Nordeuropa.

Quelle: n-tv.de

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