Wirtschaft
Auf einer Konzertankündigung für heute prangt noch das Telekom-T.
Auf einer Konzertankündigung für heute prangt noch das Telekom-T.

Regierung ruft zum Boykott auf: Telekom ist Ungarn nicht sexistisch genug

Die Ungarn-Tochter der Deutschen Telekom sieht sich einem Boykott der Regierung ausgesetzt. Denn das Unternehmen habe die Verfassung verletzt. Der Grund: die Telekom will einen sexistischen Sänger nicht mehr sponsorn.

Die ungarische Regierung ist empört über die dortige Tochter der Deutschen Telekom, Magyar Telekom (MT), und will das Unternehmen fortan boykottieren. Grund ist wiederum die Empörung des Konzerns über sexistische Äußerungen eines populären Schlagersängers. MT hatte ihren Sponsorenvertrag mit dem Künstler namens Akos aufgekündigt, nachdem dieser gesagt hatte: "Es ist nicht Sache der Frauen, gleich viel Geld zu verdienen wie die Männer. (...) Ihre Sache ist es, Kinder zu gebären und Mutter zu sein."

"Den aus den Äußerungen sprechenden Geist halten wir für unvereinbar mit der Mission und der Werteordnung unserer Firmengruppe", teilte MT mit. Sehr gut vereinbar ist Akos' Haltung dagegen mit der Werteordnung der stramm konservativen Regierung in Budapest.

Im Kabinett von Ministerpräsident Viktor Orban sitzt keine einzige Frau. Sänger Akos soll bei den Ministern sehr beliebt sein. Politiker aus der Regierungspartei Fidesz von Ministerpräsident Viktor Orban äußern sich regelmäßig ähnlich frauenfeindlich wie der Künstler. So erklärte etwa Parlamentspräsident Laszlo Köver am Sonntag: "Unsere Töchter sollten es als den höchsten Grad der Selbstverwirklichung ansehen, dass sie uns Enkelkinder gebären können."

Das MT solche Äußerungen zum Anlass für eine Vertragskündigung nimmt, bezeichnete ein Regierungssprecher gar als "verfassungswidrig". Es könne nicht akzeptiert werden, dass in Ungarn heutzutage jemand wegen seiner Meinung diskriminiert werde, sagte der Sprecher. Im Gegenzug wies die Regierung alle ihr unterstehenden Ämter und die Ministerien an, sämtliche Handy- und Internetvertrage mit MT zu kündigen.

Von Magyar Telekom, dem einstigen Staatsunternehmen, das im Jahr 2000 privatisiert worden war, lag zunächst keine Reaktion vor.

Quelle: n-tv.de

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