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Die Telekom will, dass Nutzer auf dem Land lieber mobil statt über Festnetz telefonieren.
Die Telekom will, dass Nutzer auf dem Land lieber mobil statt über Festnetz telefonieren.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Bald nur noch Mobilfunk auf dem Land?: Telekom will Festnetz einschränken

Die Telekom will stärker prüfen, ob sich teure Festnetz-Anschlüsse noch lohnen, wenn neue Leitungen verlegt werden - Menschen auf dem Land sollen lieber auf Mobilfunk umsteigen. Dabei ist die Telekom eigentlich zur Grundversorgung verpflichtet – überall in Deutschland.

Die Telekom erwägt einem Bericht zufolge den Verzicht auf unrentable Festnetz-Anschlüsse. Der Konzern will künftig prüfen, ob er etwa an Stadträndern oder im ländlichen Raum noch Kupferkabel für Festnetz-Anschlüsse verlegt, wenn sich dies nicht rechne, berichtet die "Saarbrücker Zeitung". Als Alternative sollen drahtlose Telefonanschlüsse, also Mobilfunktechnik, dienen.

Dies werde für Neubaugebiete überlegt, in denen sich eine Festnetzversorgung gegenüber einer drahtlosen Lösung als unwirtschaftlich erweise, teilte die Telekom mit. "Voraussetzung dafür ist jedoch, dass sich in der Qualität der Versorgung durch einen drahtlosen Anschluss nichts ändert und auch die Kosten für den Kunden nicht höher sind", so das Unternehmen weiter.

Im Einvernehmen mit der Bundesnetzagentur und den kommunalen Spitzenverbänden solle es demnächst einen Pilotversuch mit freiwilliger Teilnahme geben, hieß es. Wo, wann und mit wieviel Teilnehmern sei aber noch unklar. Der Pilotversuch soll mindestens ein Jahr laufen. Die betroffenen Neubaugebiete sollen währenddessen parallel mit Festnetz wie bisher auch ausgebaut werden. Erst nach dem Test soll festgestellt werden, ob sich ein drahtloser Anschluss als gleichwertige Alternative eignet. Das bisherige Telefongerät soll dabei weiter genutzt werden können. Auch alle anderen Funktionen des Festnetzanschlusses sollen verfügbar bleiben.

Bundespolitiker kritisieren Telekom-Pläne

Dem Bericht zufolge stößt das Vorhaben der Telekom bei der Bundesnetzagentur, die den Wettbewerb im Telefonmarkt überwacht, auf Kritik. Auch Bundespolitiker sehen die Pläne skeptisch.

Die Telekom habe nicht nachgewiesen, dass das Mobilangebot gleichwertig mit dem Festnetz sei. "Da bestehen hohe Zweifel", sagte Bernhard Kaster (CDU), parlamentarischer Geschäftsführer der Union im Bundestag. Kaster ist auch Mitglied des Beirats bei der Bundesnetzagentur. "Wir werden darauf pochen, dass es zu keiner Verschlechterung kommt." Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Bärbel Höhn, sagte: "Was nicht eintreten darf, ist, dass die Kunden für weniger Qualität mehr bezahlen müssen."

Die Telekom ist laut Telekommunikationsgesetz bundesweit zur Mindestversorgung der Bevölkerung verpflichtet. Dazu gehört neben öffentlichen Telefonzellen ein Festnetz-Anschluss für jeden Haushalt zu einem erschwinglichen Preis.

In den vergangenen Wochen hatten bereits Pläne der Telekom für Protest gesorgt, fürs schnelle Internet-Surfen über den Festnetzanschluss zu Hause eine Datenvolumengrenze einzuführen. Die Begrenzung soll für neue Verträge gelten, die seit dem 2. Mai abgeschlossen werden. Altverträge sollen davon unberührt bleiben. Technisch wird das Vorhaben voraussichtlich nicht vor 2016 umgesetzt.

Quelle: n-tv.de

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