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Auch zwei Jahre nach der Katastrophe haben sich die Arbeitsbedingungen in Bangladesch nicht wesentlich verbessert.
Auch zwei Jahre nach der Katastrophe haben sich die Arbeitsbedingungen in Bangladesch nicht wesentlich verbessert.(Foto: REUTERS)

Zwei Jahre Rana-Plaza-Katastrophe: Textilindustrie hat nichts gelernt

Sexuelle Übergriffe, fehlender Arbeitsschutz, später Lohnzahlungen - die Bedingungen für Textilarbeiter in Bangladesch sind skandalös. Wer etwa versucht, eine Gewerkschaft zu gründen, wird bedroht. Die deutsche Textilbranche denkt jetzt allerdings langsam um.

Fast zwei Jahre nach dem verheerenden Einsturz der Rana-Plaza-Fabriken in Bangladesch herrschen dort nach Angaben von Menschenrechtlern noch immer unwürdige Arbeitsbedingungen. Die Textilarbeiter leiden unter Attacken ihrer Arbeitgeber, sexuellen Übergriffen, erzwungenen Überstunden, fehlendem Mutterschutz und verspäteten oder nicht vollständigen Lohnzahlungen. Das geht aus einem neuen Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hervor. Für den in Dhaka vorgestellten Bericht befragte die Organisation mehr als 160 Arbeiter in 44 Fabriken in dem armen südasiatischen Land.

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Die Regierung Bangladeschs und die Auftraggeber arbeiteten an einer Verbesserung der Fabriksicherheit, erklärte HRW weiter. Doch sollte mehr getan werden, etwa für die Rechte der Arbeiter zur Bildung von Gewerkschaften. "Wenn Bangladesch ein zweites Rana Plaza verhindern will, muss es seine Arbeitnehmerrechte effektiv durchsetzen", erklärte der stellvertretende HRW-Asien-Chef Phil Robertson.

Bei dem Unglück am 24. April 2013 kamen mehr als 1100 Menschen ums Leben. Etwa 2500 Menschen wurden verletzt. Wer eine Gewerkschaft gründe, müsse mit Drohungen rechnen, erklärte HRW. Die befragten Arbeiter berichteten auch von Einschüchterungen oder sogar tätlichen Angriffen.

Deutsche Unternehmen sehen "Defizite"

Keine der Fabriken im Rana-Plaza-Gebäude hatte Gewerkschaften. Die Arbeiter wurden am Unglückstag ins Gebäude gezwungen, obwohl es schon Risse hatte. Bislang gibt es laut HRW nur in zehn Prozent der Fabriken in Bangladesch Gewerkschaften. Auftraggeber für die Fabriken in dem armen Land sind viele bekannte Modeunternehmen, darunter auch deutsche Marken.

Auch der deutsche Textilhandel sieht offenbar Handlungsbedarf bei seinen Zulieferbetrieben. Nach anfänglichem Zögern wollen sich zahlreiche Handelsketten und Modehersteller jetzt doch dem von der Bundesregierung gegründeten Textilbündnis für faire Arbeitsbedingungen in Entwicklungsländern anschließen. Der Präsident des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels, Josef Sanktjohanser, kündigte nach einem Treffen mit Entwicklungsminister Gerd Müller an, er werde bei seinen Mitgliedern für einen Beitritt werben.

Mehrere Handelsketten haben demnach schon ihre Bereitschaft signalisiert, dem Bündnis für Umwelt- und Sozialstandards in den Lieferketten beizutreten. Die Präsidentin des Verbandes Textil + Mode, Ingeborg Neumann, sagte, viele Produktionsstätten deutscher Unternehmen seien "Vorzeigebetriebe". In fremden Betrieben, in denen Deutsche nur Auftraggeber seien, gebe es aber noch Defizite.

Müller hatte das Bündnis im Oktober 2014 unter dem Eindruck mehrerer Unglücke in asiatischen Textilfabriken gegründet. Viele Firmen traten damals mit Hinweis auf Wettbewerbsverzerrung und Haftungsrisiken nicht bei. Später änderte das Bündnis seinen "Aktionsplan". In der neuen Fassung müssen die Unternehmen konkrete Verbesserungen nicht mehr zu einem festen Zeitpunkt erreichen.

Quelle: n-tv.de

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