Wirtschaft
Keine Zukunftschancen sieht der ThyssenKrupp-Vorstand für das Geschäft mit Gleisen.
Keine Zukunftschancen sieht der ThyssenKrupp-Vorstand für das Geschäft mit Gleisen.(Foto: picture alliance / dpa)

260 Mitarbeiter müssen gehen: ThyssenKrupp macht Schienen-Sparte dicht

Erneut schlechte Nachrichten für ThyssenKrupp-Beschäftigte: Der angeschlagene Konzern gibt sein Gleistechnikgeschäft auf. Die Sparte hatte zuletzt wegen Preisabsprachen für Schlagzeilen gesorgt. Doch auch wirtschaftliche Gründe spielen eine Rolle.

Der angeschlagene ThyssenKrupp-Konzern steigt aus dem Geschäft mit Schienen und Weichen aus. Bis zu 260 Beschäftigte an Standorten in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt sind von der Aufgabe des Bereichs betroffen. Das Gleistechnikgeschäft war zuvor durch illegale Preisabsprachen des sogenannten Schienenkartells in die Schlagzeilen geraten. Der Personalabbau solle voraussichtlich bis zum Ende des Geschäftsjahres 2014/15 umgesetzt werden, teilte das Unternehmen mit.

Im Mai 2013 hatte ThyssenKrupp bereits angekündigt, den Kartellsünder abzustoßen. Die Gleistechnik hatte Preise mit anderen Herstellern wie der österreichischen Voestalpine und dem Bahntechnikkonzern Vossloh abgesprochen und war deswegen vom Bundeskartellamt zu zwei Bußgeldern von insgesamt 191 Millionen Euro verdonnert worden.

"Keine realistische Chance"

Mit der geschädigten Deutschen Bahn hatte sich der Konzern im Herbst auf eine Schadenersatzzahlung geeinigt, die sich nach Angaben von Insidern auf rund 150 Millionen Euro belief. Eine Einigung über Schadenersatz-Forderungen aus dem sogenannten Privatmarkt steht dagegen noch aus. Zum "Privatmarkt" gehören etwa Nahverkehrsunternehmen oder Baufirmen, die Opfer des Schienenkartells geworden waren.

ThyssenKrupp-Vorstandschef Heinrich Hiesinger hat Kartellverstößen im Konzern den Kampf angesagt. Den Verkauf des Gleistechnik hatte das Management allerdings vor allem mit den schlechten Geschäftsaussichten begründet. "Wir sehen für die Gleistechnik leider keine realistische Chance, langfristig einen wertschaffenden Beitrag zum Konzernergebnis leisten zu können", sagte Bereichsvorstand Klaus Keysberg. Auch die erhaltenen Angebote hätten die wirtschaftlichen Anforderungen von ThyssenKrupp nicht erfüllt.

Die Sparte verkauft als Handelsunternehmen Schienen, Schwellen und Weichen. Ursprünglich hatte ThyssenKrupp auch die Bautechnik verkaufen wollen, die Maschinen und Geräte im Programm hat. Dieses Geschäft mit über 400 Mitarbeitern sei im Gegensatz zur Gleistechnik profitabel und solle nun im Konzern fortgeführt werden, teilte der Konzern mit. Zusammen erzielten beide Bereiche zuletzt einen Umsatz von 400 Millionen Euro.

IG Metall fordert Ersatzarbeitsplätze

Über den Stellenabbau in der Gleistechnik will das Management nun Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern aufnehmen. Die IG Metall forderte den Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen. Den Betroffenen müssten Ersatzarbeitsplätze innerhalb des Unternehmens zur Verfügung gestellt werden, sagte ein Sprecher. Es dürfe nicht sein, dass die Beschäftigten für Verfehlungen im Zusammenhang mit dem Schienenkartell zahlen müssten, sagte er.

So gehen bei ThyssenKrupp weitere Jobs verloren: Nach mehreren Milliardenverlusten streicht der Konzern bereits Tausende Stellen. In der Stahlsparte sollen mehr als 2000 Jobs wegfallen, in der Verwaltung rund 3000. Für Streit mit Gewerkschaften und dem Betriebsrat sorgen zudem Pläne, zahlreiche Arbeitsplätze in Bereichen wie dem Personalwesen und der Datenverarbeitung zu streichen oder zu verlagern.

Quelle: n-tv.de

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