Wirtschaft
(Foto: picture alliance / dpa)
Donnerstag, 28. Juli 2016

Umstellung der Förderung: Torschlusspanik bei den Windmüllern

Im kommenden Jahr wird die Ökostromvergütung umgebaut. Dann sollen die Zuschüsse sinken. Das bringt die Betreiber unter Druck. Mit Macht schließen sie ihren Anlagen noch ans Netz an.

Deutschlandweit sind im ersten Halbjahr 2016 viel mehr Windräder an Land aufgestellt worden als im Vorjahr. Die Branche der Windmüller erwartet deshalb, dass im Gesamtjahr die Ausbauziele der Bundesregierung für die Windkraft an Land weit übertroffen werden. Zwischen Januar und Ende Juni kamen 579 Windräder mit einer Leistung von knapp 1900 Megawatt hinzu, wie der Bundesverband Windenergie BWE und der Maschinenbauverband VDMA mitteilten. Das entspricht einem Anstieg bei den Anlagen von fast zwei Drittel, bei der Leistung gar von drei Viertel. Die meisten neuen Windräder wurden in Niedersachsen gebaut.

Den starken Zuwachs verursacht hat laut der Branche eine Torschlusspanik bei den Windmüllern. Zum einen wird die Ökostromförderung ab 2017 auf Auktionen umgestellt, was die Zuschüsse für den Windstrom dämpfen könnte. Außerdem hatte der Gesetzgeber eine quartalsweise Absenkung der Einspeisepreise beschlossen. Je schneller eine Anlage an das Netz geht, desto mehr Geld lässt sich mit ihr verdienen.

Für das Gesamtjahr rechnet die Branche mit einem Netto-Zubau zwischen 4000 und 4400 Megawatt. "Es gibt das Potenzial, dass das ein Rekordjahr wird", sagte Matthias Zelinger vom VDMA. Die Bundesregierung hat für den Zubau eigentlich nur einen Wert von 2500 Megawatt festgelegt. Auch für 2017 erwarten die Windmüller einen Zubau auf Rekordhöhe.

Wegen der Umstellung auf Ausschreibungen rechnet BWE-Präsident Hermann Albers mit einem tiefgreifenden Wandel der Unternehmenslandschaft in dem Wirtschaftszweig - weg von der mittelständischen und bürgernahen hin zu einer stark von Großunternehmen geprägten Branche. Weil zum Beispiel Bürgerenergiegesellschaften bei den Herstellern der Turbinen keine Rabatte durchsetzen könnten, sagte Albers, "werden sie kaum günstige Angebote (bei den Versteigerungen) abgeben können." Laut dem BWE-Chef sind noch heute 80 Prozent der Projekte in der Hand kleiner- und mittelständischer Anbieter. Das Bundeswirtschaftsministerium sieht gerade in der kleinteiligen Struktur eine der Ursachen dafür, dass der Rückgang der Kosten für den Ökostrom bisher verhalten ausfällt.

Mittelfristig rechnet Albers damit, dass der deutsche Markt bei der Windkraft an Land an Volumen einbüßen wird. Dies wollen die Unternehmen durch höhere Exporte ausgleichen. Ein entscheidender Markt wird dabei China sein. Albers und Zelinger schlossen eine Debatte über Anti-Dumpingzölle aus. Die EU müsse aber auf der Hut sein, was die Exportförderung der Chinesen angehe, damit der Windkraft das Schicksal der Photovoltaik erspart bleibe.

Quelle: n-tv.de

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