Wirtschaft

Geländewagen kippt um: Toyota ruft Lexus zurück

Anhaltende Berichte über Qualitätsmängel und Pannen weiten sich für den japanischen Autobauer Toyota in den USA immer mehr zur Imagekatastrophe aus: Nach Presseberichten über Stabilitätsprobleme bei zwei Geländewagen-Modellen muss der Hersteller erneut nachbessern. Aus Washington drohen weitere Geldstrafen.

Der Lexus GX 460, hier bei seiner Weltpremiere auf der Automesse im chinesischen Guangzhou.
Der Lexus GX 460, hier bei seiner Weltpremiere auf der Automesse im chinesischen Guangzhou.(Foto: dpa)

Eine Woche nach ersten Berichten über Sicherheitsmängeln an Geländewagen sorgt der japanische Autobauer Toyota mit einer weiteren Rückrufaktion für Aufsehen. Bei einem Ausweichmanöver oder in Kurven bei hoher Geschwindigkeit könnten die Modelle "Lexus GX 460" und "Land Cruiser Prado" seitlich wegschlittern, teilte der Autohersteller mit. Ursache des Problem ist demnach das elektronische Stabilitätsprogramm VSC, das nun verändert wird. Betroffen sind weltweit 34.000 Autos.

Für den Lexus GX 460 hatte der japanische Automobilhersteller bereits vergangene Woche ein weltweites Verkaufsverbot verhängt. Grund war ein Pressebericht, wonach das Fahrzeug der Toyota-Luxusmarke beim so genannten "Elchtest" zu überschlagen droht. Diese Test-Variante simuliert ein plötzliches Ausweichmanöver bei voller Fahrt. Vom Lexus GX 460 werden rund 13.000 Fahrzeuge in die Werkstätten gerufen, die meisten davon in den USA (rund 9400).

Vom Land Cruiser sind 21.000 Fahrzeuge betroffen, allerdings ausschließlich solche, bei denen das Steuer links angebracht ist. Die Rückrufaktion geht auf einen Testbericht des US-Verbrauchermagazins "Consumer Reports" zurück. Toyota hat die unsichere Straßenlage in Extremsituationen nach eigenen Tests mittlerweile bestätigt.

Die Geländewagen haben einen hohen Schwerpunkt, was sie generell anfälliger fürs Umkippen macht. Im Normalfall hält das serienmäßige elektronische Stabilitätsprogramm die Autos im Zaum. Unfälle wegen des Defekts sind nicht bekannt. Verglichen mit den anderen Pannen des weltgrößten Autoherstellers nimmt sich diese klein aus. Zuletzt hatte Toyota 870.000 Minivans in Nordamerika zurückgerufen, weil das Reserverad nach Rostschäden auf die Straße zu stürzen drohte.

Zerknautsches Image

Weitere 8,5 Mio. Autos weltweit mussten wegen klemmender Gaspedale, rutschender Fußmatten und kurzzeitig aussetzender Bremsen zurück in die Werkstätten. Nach einer Reihe von Vorfällen im Zusammenhang mit Toyota-Produkten steht der japanische Autobauer in den USA unter besonderer Beobachtung. Auch die US-Regierung hat sich über das Verkehrsministerium bereits eingemischt. Minister Ray LaHood wirft dem Autohersteller vor, die Defekte über Monate verheimlicht zu haben und auch jetzt noch nicht die ganze Wahrheit zu sagen.

Zu Wochenbeginn hatte Toyota eine Strafzahlung über knapp 16,4 Mio Dollar akzeptiert - ohne allerdings eine Schuld einzugestehen. Der Konzern will nach eigenem Bekunden so einem langwierigen Verfahren aus dem Weg gehen.

Bilderserie

Niemals zuvor hatte die Regierung eine Strafe in dieser Höhe - das für solche Fällen vorgesehene gesetzliche Maximum - gegen einen Autohersteller verhängt. Weitere Strafen könnten folgen, wie Verkehrsminister LaHood andeutete. Noch immer ist nicht endgültig geklärt, was der Grund für das angeblich ungewollte Beschleunigen in etlichen Modellen ist. Toyota beharrt darauf, dass mechanische Probleme vorliegen, einige Experten und viele Politiker gehen indes von einem Versagen der Elektronik aus.

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Quelle: n-tv.de

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