Wirtschaft

"Mustergültige" Wirtschaft: Trichet lobt Deutschland

Dickes Lob für niedrige Löhne: Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, glaubt das Erfolgsgeheimnis der Deutschen zu kennen. Jetzt erklärt er den Franzosen, warum sie sich vor dem starken Nachbarn im Osten nicht zu fürchten brauchen.

Mit Jeans und Pulli in Jackson Hole: Jean-Claude Trichet kümmert sich um Europa.
Mit Jeans und Pulli in Jackson Hole: Jean-Claude Trichet kümmert sich um Europa.(Foto: REUTERS)

Dickes Lob von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet für Deutschland: Der Chef der Europäischen Zentralbank hält die Bundesrepublik in wirtschaftlichen Dingen für mustergültig. Der äußerst strenge Blick auf die Produktionskosten und die Reformen für eine flexiblere Wirtschaft könnten als Vorbild für alle Nachbarn dienen, sagte der Franzose der Pariser Tageszeitung "Le Figaro". Darauf sei auch der derzeitige Erfolgskurs Deutschlands zurückzuführen.

"Die Löhne und Gehälter sowie der Nominallohn sind weniger schnell angestiegen als im Schnitt der Eurozone", erklärte der 67-Jährige. Zudem hätten es die deutschen Unternehmen verstanden, sich schnell der Globalisierung anzupassen. Auch die Reformenanstrengungen im Bereich des Arbeitsmarktes seien zu einem guten Ergebnis geführt worden.

Keine Angst vor Deutschland

Nach Ansicht von Trichet müssen sich andere Länder jedoch nicht vor der Stärke Deutschlands fürchten. "Das ist selbstverständlich gut für die gesamte Eurozone", sagte der EZB-Chef. "Deutschland ist die wichtigste Wirtschaft für die Union und der erste Exportmarkt für fast alle anderen Länder."

Vor allem ein kräftiges Plus bei den Exporten hatte die Konjunktur in Deutschland im zweiten Vierteljahr 2010 im Rekordtempo anziehen lassen. Im Vergleich zum Vorquartal legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von April bis Ende Juni real um 2,2 Prozent zu und damit so stark wie nie seit der Wiedervereinigung. Im Schnitt lag das Wachstum in den 16 Euro-Ländern nur bei 1,0 Prozent.

Hinter den deutschen Spitzenwerten blieben andere große Länder weit zurück: Großbritannien kam auf ein Plus von 1,1 Prozent, auch Frankreich (0,6 Prozent), Italien (0,4 Prozent) und Spanien (0,2 Prozent) hat weit weniger Wachstum zu verkünden.

Europas Stimmen im Währungsfonds

Unabhängig von seinen Erkenntnissen zur Stärke Deutschland tritt EZB-Chef Trichet mittlerweile offen dafür ein, dass Europa bei internationalen Fragen im IWF als geschlossene Einheit auftritt. "Ich appelliere an Europa, eine einheitliche Position einzunehmen", sagte Trichet. Dies sei seine persönliche Meinung, fügte der Franzose hinzu. Die Zentralbank habe dazu keine offizielle Haltung.

Die Machtverteilung im Internationalen Währungsfonds (IWF) wird seit einiger Zeit kontrovers diskutiert. Die USA plädieren zum Beispiel dafür, den Schwellenländern mehr Macht zu geben. Die europäischen Staaten fürchten, dass ein solcher Schritt zu ihren Kosten gehen würde.

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Quelle: n-tv.de

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