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Reporter werten geheime Daten aus: Tricks der Steueroasen enthüllt

Briefkastenfirmen und komplizierte Firmenkonstrukte: Viele Reiche nutzen Steueroasen in Übersee, um ihr Geld zu vermehren. Journalisten aus aller Welt haben nun eine Unmenge an Daten ausgewertet. Ihre Enthüllungen sind schonungslos - auch im Falle des deutschen Industriellenerben Gunter Sachs.

Die Cook-Inseln: In solchen Steueroasen werden für dubiose Geschäfte viele Millionen geparkt.
Die Cook-Inseln: In solchen Steueroasen werden für dubiose Geschäfte viele Millionen geparkt.(Foto: picture alliance / dpa)

Medien in aller Welt ist ein riesiger Datensatz über geheime Steuerschlupflöcher und dubiose Briefkastenfirmen in Übersee zugespielt worden. Die bislang vertraulichen Dateien belegen, auf welchen geheimen Wegen Superreiche und Kriminelle Briefkastenfirmen und sogenannte Trusts nutzten, um große Vermögen zu verstecken und zweifelhafte Geschäfte zu verschleiern. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung", die in Deutschland zusammen mit dem NDR jene Daten auswertete. Auch Hunderte deutsche Fälle sind Teil der als "Offshore Leaks" bezeichneten Enthüllungen.

Laut der Zeitung arbeiteten 86 Journalisten in 46 Ländern an dem Datensatz, der so umfangreich ist, dass er ausgedruckt Informationen für 500.000 Ausgaben der Bibel enthält. Die Daten aus insgesamt zehn Steueroasen umfassen 2,5 Millionen Dokumente - darunter Firmendatenbanken, E-Mails und Briefe aus der "Schattenwelt" der Steueroasen.

Die Daten kamen auf einer Festplatte per Post

"Playboy" Gunter Sachs: Ließ er dubiose Geschäfte in Steuerparadiesen abwickeln?
"Playboy" Gunter Sachs: Ließ er dubiose Geschäfte in Steuerparadiesen abwickeln?(Foto: picture alliance / dpa)

Die Namen von 130.000 Personen aus mehr als 170 Ländern würden in den Unterlagen aufgelistet, die vor einem Jahr dem Internationalen Konsortium Investigativer Journalisten (ICIJ) von geheimen Informanten auf einer Festplatte per Post gesendet wurden. Unter den Verdächtigen sind Oligarchen, Waffenhändler und Finanzjongleure. Auch Staatsoberhäupter und deren Verwandte sollen an den entsprechenden Geschäften beteiligt sein, etwa die Töchter des aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Alijew, Arzu und Leyla. Die Dokumente stammten von zwei Firmen, die auf die Errichtung sogenannter Offshore-Gesellschaften spezialisiert sind.

Als erstes prominentes deutsches Beispiel berichtet die "Süddeutsche Zeitung" über umstrittene Geschäfte des bereits verstorbenen Industriellenerben Gunter Sachs. Er soll Teile seines Vermögens in Firmenkonstrukte gesteckt haben, die ihren Sitz in Steueroasen wie den Cook-Inseln im Südpazifik und in Panama haben. Sollten so Steuern hinterzogen worden sein, könnte dies für die Erben des vor knapp zwei Jahren gestorbenen einstigen "Playboys" Nachzahlungen zur Folge haben.

Viele Billiarden Dollar liegen im Verborgenen

So stießen die Rechercheure auf zahlreiche von Sachs unterschriebene Dokumente und weitere Spuren, die auf ein komplexes Geflecht aus Stiftungen, sogenannte Trusts, hinweisen. Sachs soll nach Angaben der Zeitung nicht nur auf den Cook-Inseln "mithilfe einiger Berater ein anonymes Firmengeflecht" errichtet haben.

Auch in anderen Ländern, die von Wohlhabenden genutzt werden, um Kapital steuersparend und möglichst im Verborgenen anzulegen, soll Sachs mit Millionensummen an Firmen beteiligt gewesen sein. Die Rede ist unter anderem von den Britischen Jungferninseln und Jersey, einer Insel im Ärmelkanal.

Steuerzahlerbund hofft auf Einschreiten der Behörden

Der Bund der Steuerzahler in Deutschland hofft nun auf empfindliche Konsequenzen seitens der Behörden. Präsident Reiner Holznagel sagte bei n-tv: "Wir wollen, dass Steuerhinterzieher bestraft werden. Schließlich schädigen sie alle anderen, alle ehrlichen Steuerzahler. Die müssen mit ihrem Geld das auffüllen, was die anderen hinterziehen und das geht nicht." Für die Zukunft forderte Holznagel die internationale Gemeinschaft auf, in der Steuerpolitik zusammenzuarbeiten: "Hier braucht man Doppelbesteuerungsabkommen, um dem beizukommen."

Wie hoch der exakte Schaden durch Kapitalflucht für die Staatskassen ist, bleibt freilich ungewiss. Die Organisation Tax Justice Network schätzte im vergangenen Jahr, dass Reiche ein Vermögen von 21 bis 32 Billiarden Dollar (umgerechnet 16 bis 25 Billiarden Euro) gegen den Zugriff durch Steuerbehörden nach Übersee weggeschafft haben. Solch eine Summe kann kaum ein Mensch begreifen - deutlich wird erst der Vergleich: Das so entzogene Vermögen entspricht in etwa der Wirtschaftsleistung der USA und Japans zusammen.

Quelle: n-tv.de

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