Wirtschaft

Mit vier Zinssätzen gegen den Lira-Verfall: Türkei sorgt für Verwirrung

Die jüngste Währungskrise in einigen Schwellenländern erfasst die Türkei. Das Wachstum schwächt sich deutlich ab, die Lira befindet sich gegenüber dem US-Dollar im freien Fall. Die Notenbank in Ankara will die Geldpolitik straffen. Vier Zinssätze können sich täglich ändern. Bei Experten kommt dies nicht gut an.

Die Türkei hat in der ersten Hälfte der vergangenen Dekade eine Währungsreform durchgeführt.
Die Türkei hat in der ersten Hälfte der vergangenen Dekade eine Währungsreform durchgeführt.(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Die türkische Zentralbank hat ein neues Bündel an Maßnahmen angekündigt, mit dem der freie Fall der Lira gestoppt und der Finanzmarkt des Landes stabilisiert werden soll. Ökonomen sagten jedoch, der neue Schritt steigere nur die ohnehin schon große Verwirrung über die Politik des Notenbankgouverneurs Erdem Basci. Diese könnte die türkische Wirtschaft endgültig zur Entgleisung bringen.

Die Notenbank in Ankara will täglich jede zusätzliche Straffung der Geldpolitik ankündigen und außerdem den Minimumbetrag für Devisenverkäufe mitteilen. Mit diesen Maßnahmen hofft die Zentralbank, die Transparenz für die Marktteilnehmer zu erhöhen. Die Akteure erfahren bereits sechs Stunden vor der täglichen Auktion, wie viele US-Dollar in den Markt kommen und wie hoch die Finanzierungskosten sein werden.

Mit diesem weitgefächerten Ansatz der Notenbank, der insgesamt vier Zinssätze umfasst, die sich täglich ändern können, kann kein klares Signal an die Märkte transportiert werden, kritisierten Volkswirte. Die Experten schlugen vor, eine traditionelle Geldpolitik mit nur einem Leitzins zu ergreifen.

Starke Konjunkturabkühlung 2012

Die Türkei wurde von der jüngsten Währungskrise, die in einigen Schwellenländern tobt, voll erfasst. Weil die US-Zentralbank Federal Reserve bald mit einer Straffung ihrer Geldpolitik beginnen dürfte, ziehen viele Investoren ihre Gelder aus Ländern wie Indien, Indonesien, Malaysia und Thailand ab, um es gewinnbringend in den USA anzulegen.

Am Donnerstag war die türkische Lira auf ein neues Rekordtief gegenüber dem US-Dollar gefallen. Die Rendite der zweijährigen Staatsanleihe sprang von 9,53 auf 9,88 Prozent.

Die geldpolitische Lockerung in den USA hat Milliarden von US-Dollar in Schwellenländer strömen lassen und ein kräftiges Wirtschaftswachstum erzeugt. Die türkische Wirtschaft wuchs 2010 und 2011 um jeweils rund 9 Prozent, doch im vergangenen Jahr gab es eine scharfe Bremsung auf 2,5 Prozent.

Nach Ansicht der meisten Ökonomen wird Basci den Kurs der Notenbank nicht ändern. Die meisten Experten verweisen auf den Druck der Politik, die auf niedrige Zinsen drängt, um ihr Wachstumsziel für dieses Jahr erreichen zu können. Die türkische Regierung peilt 2013 eine Verdoppelung der Wachstumsrate an, doch dieses Ziel gerät immer ins Wanken.

Mit dem schnellen Absturz der Lira und einer höheren Inflation könnte sich die Lage aber noch weiter verschärfen. Um den Fall der Landeswährung aufzuhalten, hat die türkische Zentralbank bisher fast 8 Milliarden US-Dollar in den Markt geworfen, das sind rund 15 Prozent ihrer Währungsreserven. Zudem wurde im Juli und August der Zinskorridor von 6,50 auf 7,75 Prozent erhöht.

Quelle: n-tv.de

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