Wirtschaft
Wann platzt der Börsentraum?
Wann platzt der Börsentraum?(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

"Etwas derartiges noch nie gesehen": Twitter & Co lassen Börsenblase schillern

Von Daniel Saurenz

Die Kursexplosion beim Börsengang von Twitter entfacht erneut die Diskussion über eine Spekulationsblase am Aktienmarkt. Denn der Kurznachrichtendienst ist kein Einzelfall. Selbst alte Hasen auf dem Parkett können sich an so etwas nicht erinnern.

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Gewaltiger Hype um den Börsengang von Twitter: Nachdem die Aktie am ersten Handelstag mit 45,10 US-Dollar an der New Yorker Börse eröffnet hatte, ist das Papier auf mehr als 50 Dollar geklettert, um am Ende bei 44,90 Dollar zu schließen. Am Freitag folgte noch einmal eine kleine Korrektur auf knapp 42 Dollar. Gegenüber dem Ausgabepreis ist das ein Kursanstieg von rund 70 Prozent. Der Börsenwert beläuft sich damit auf astronomische 24,5 Milliarden Dollar, dabei wird der Kurznachrichtendienst laut den Schätzungen der Analysten frühestens 2015 einen Gewinn erwirtschaften.

Weil es keinen Profit gibt, schauen Analysten auf die Bewertung im Verhältnis zu den Erlösen. Das Unternehmen ist demnach mit dem 21,2fachen des 2014er-Umsatzes bewertet. Die Bewertung von Twitter ist damit deutlich höher als diejenige von Facebook, die bei "nur" dem 11,3fachen Umsatz liegt. Dabei ist Facebook hochprofitabel. Twitter ist damit für viele Börsianer die Personifizierung der Blase, die sich am Finanzmarkt gebildet hat.

Warnende Stimmen

Mittlerweile sind etliche renommierte Investoren der Meinung, dass sich eine Blase gebildet hat. "Meiner Meinung nach befinden wir uns inmitten einer riesigen Blase. Etwas Derartiges habe ich während meiner Karriere in der Branche noch nicht gesehen", warnte Joseph Baratta, Chef der Private-Equity-Sparte von Blackstone Ende September eindringlich. Er sei daher beim Kauf von Firmenbeteiligungen zurückhaltend, weil sie so hoch bewertet seien. Und Bill Gross, der Chef des ehemals weltgrößten Anleihenfonds erklärte zuletzt: "Die Preise aller riskanten Vermögenswerte sind künstlich erhöht."

Steigende Kurse müssen nicht sofort mit einer Überbewertung oder gar einer Spekulationsblase gleichgesetzt werden. Das kann Performancepunkte kosten. Der japanische Aktienmarkt ist hier ein gutes Beispiel. Dort gibt es seit geraumer Zeit ebenfalls viele warnende Investorenstimmen. Doch der Aktienmarkt stieg unvermindert weiter und ist in diesem Jahr der am besten performende Aktienmarkt unter den großen Industrienationen. Inzwischen ist der Markt jedoch an einem Punkt angelangt, der nicht vernachlässigt werden sollte.

Teure Aktienmärkte

Investoren sind aber weiterhin auf der Suche nach ansprechenden Renditechancen. Und sie kaufen Aktien, weil die Dividendenrendite höher ist als die Verzinsung von Anleihen. Doch der Wirtschaftszyklus zeigt Ermüdungserscheinungen. Die Gewinnschätzungen für den S&P500 sinken zusehends, obwohl die Gewinnmarge der Unternehmen mit 8,2 Prozent in der Nähe des Allzeithochs und damit weit über dem Schnitt früherer Jahrzehnte liegt.

Doch hauptverantwortlich für die glänzenden Bilanzen sind die niedrigen Zinsen. Laut den Berechnungen der Citigroup belaufen sich die Zinszahlungen der S&P500-Unternehmen derzeit auf lediglich rund 1,7 Prozent der Umsätze. Das ist das niedrigste Niveau seit Jahrzehnten. Im Zeitraum 1990 bis zum Ausbruch der Finanzkrise lag der Schnitt noch bei rund drei Prozent. Die niedrigen Zinsen sind damit eine enorme Entlastung für die Firmen. Damit und mit Hilfe niedrigerer Steuern haben sie ihre Profitabilität auf Allzeithochs getrieben. Die so stimulierte Gewinnentwicklung lässt auch das Kurs-Gewinn-Verhältnis trotz Rekordständen an den Aktienmärkten noch gut aussehen. Mit rund 14,5 liegt der S&P 500 dennoch am oberen Ende seiner fünfjährigen Bandbreite. Auch andere Aktienmärkte befinden sich auf einem ähnlich hohen relativen Niveau. Bei den Einzel-Aktien sind neben Twitter auch andere Internet- und Technologiefirmen hoch bewertet.

So liegt das KGV des weltgrößten Internethändlers Amazon für 2014 bei 120 und das KGV für das Karrierenetzwerk LinkedIn (Börsenwert 25,6 Milliarden Dollar) liegt auf Basis des bereinigten Gewinns je Aktie für 2014 bei fast 100. Auf Basis des unbereinigten Gewinns liegt das KGV sogar bei mehr als 300. Noch höher bewertet ist das Onlinenetzwerk Yelp, das lokale Geschäfte sowie Dienstleistungen beurteilt – auffällige Parallelen zum Jahr 2000 und der Blase am Neuen Markt.

Quelle: n-tv.de

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