Wirtschaft
Die Schlangen am Arbeitsmarkt werden kürzer: Am US-Arbeitsmarkt beobachten Fachleute einen unerwartet kräftigen Stellenaufbau (Archivbild).
Die Schlangen am Arbeitsmarkt werden kürzer: Am US-Arbeitsmarkt beobachten Fachleute einen unerwartet kräftigen Stellenaufbau (Archivbild).(Foto: REUTERS)

Starke Daten aus Washington: US-Arbeitsmarkt springt an

Damit haben Analysten nicht gerechnet: Im April schaffen die Unternehmen in den Vereinigten Staaten deutlich mehr neue Stellen als erwartet. Die Arbeitslosenquote fällt. Die US-Notenbank gerät langsam unter Zugzwang.

Die Situation am US-Arbeitsmarkt stellt sich im April sehr viel besser dar als prognostiziert: Wie aus dem offiziellen Monatsbericht der US-Regierung zur Lage am Stellenmarkt hervorgeht, nahm die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft im zurückliegenden Monat um 288.000 zu. Dies war der größte Anstieg seit Januar 2012. Im Vorfeld befragte Beobachter hatten lediglich mit einem Stellenzuwachs von 215.000 gerechnet.

Zum Jahresanfang hatte der harte Winter das Wachstum abgewürgt. Das Bruttoinlandsprodukt legte zwischen Januar bis März aufs Jahr hochgerechnet nur minimal um 0,1 Prozent zu. Zum Start ins zweite Quartal war der Jobaufbau nun aber so groß wie seit gut zwei Jahren nicht mehr. Es entstanden 273.000 Stellen in der Privat-Wirtschaft, davon rund 32.000 am Bau und 12.000 in der Industrie. Die Regierung schuf trotz ihres Sparkurses 15.000 Arbeitsplätze. Einer Faustregel zufolge müssen Monat für Monat rund 250.000 Stellen entstehen, damit der Arbeitsmarkt richtig in Schwung kommt.

Dazu kommt ein weiteres Signal der Stärke: Die getrennt erhobene Arbeitslosenquote sei von 6,7 Prozent im Vormonat auf 6,3 Prozent gefallen, teilte das US-Arbeitsministerium in Washington mit. Dies ist die niedrigste Rate seit September 2008. Analysten hatten im aktuellen Job Report eine weitgehend unveränderte Quote von 6,6 Prozent erwartet.

Beschleunigter Exit?

Für die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) ergeben sich aus den offiziellen Daten neue Handlungsgrundlagen: Bis vor kurzem noch galt die Arbeitslosenquote als wichtigste Richtschnur in der Beurteilung US-Geldpolitik. Für diese Berechnungen zur Arbeitslosenquote werden private Haushalte befragt. Für die Zahl der Beschäftigten wendet sich das Ministerium hingegen direkt an Firmen und Behörden.

An den Märkten lösten die Daten deutliche Reaktionen aus: Nach anfänglichen Kursausschlägen sackte der deutsche Leitindex Dax kräftig ab. Die kräftige Erholung am Arbeitsmarkt dürfte der Fed Spielraum für eine weitere Drosselung ihrer Konjunkturhilfen bieten, hieß es in einer ersten Beurteilung. Diese stützenden Maßnahmen sollen bisherigen Planungen zufolge im Rahmen des viel diskutierten "Exits" noch in diesem Jahr auslaufen.

Sollte die US-Notenbank ihre Hilfen schneller und energischer reduzieren, dürfte dies allerdings zu erheblichen Verlagerungsbewegungen an den Märkten führen. Das von der Fed im Zug ihrer Stützungspolitik garantierte "billige Geld" aus historischen Niedrigzinsen und monatlichen Wertpapierkäufen gilt als treibender Faktor des anhaltenden Höhenflugs an den Börsen.

10-Milliarden-Schritte pro Monat

Die kräftige Erholung am Arbeitsmarkt bietet der US-Notenbank nun Spielraum für eine weitere Drosselung ihrer Konjunkturspritzen. Ökonomen gehen davon aus, dass die Fed jedoch ihren Kurs beibehalten wird und auf jeder künftigen Sitzung die Hilfen wie zuletzt um jeweils zehn Milliarden Dollar kürzt.

Erst Mitte der Woche hatte die Fed um Präsidentin Janet Yellen trotz der jüngsten Konjunkturflaute in Folge des strengen Winters in weiten Teilen der USA beschlossen, die monatlichen Hilfen auf 45 Milliarden Dollar zu reduzieren. Ursprünglich hatte die Fed geplant, die Leitzinsen von derzeit null bis 0,25 Prozent bei einer Arbeitslosenquote von weniger als 6,5 Prozent langsam wieder zu erhöhen.

Aber Yellen erklärte im März, die Notenbank orientiere sich nun künftig an dem Inflationsziel von zwei Prozent sowie Fortschritten Richtung Vollbeschäftigung. Damit dürften die Mini-Zinsen - eine Reaktion auf die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008/09 - noch bis nächstes Jahr niedrig bleiben. Je besser sich der Arbeitsmarkt aber entwickelt, desto früher könnten sie wieder steigen.

US-Industrie zählt mehr Aufträge

Kurz nach dem Job-Bericht aus Washington erreichten Daten aus dem Handelsministerium die Öffentlichkeit: Das Neugeschäft der US-Industrie zieht demnach weiter an. Die Betriebe sammelten im März 1,1 Prozent mehr Aufträge ein als im Vormonat, wie das US-Handelsministerium mitteilte. Analysten hatten allerdings einen etwas größeren Anstieg um 1,4 Prozent erwartet. Ohne den üblicherweise sehr schwankungsanfälligen Bereich "Transport und Verkehr" kletterten die Bestellungen im März um 0,6 Prozent.

Die jüngsten Daten fielen besser aus als von Fachleuten erwartet und setzten den Euro unter Druck. Den jüngsten Rückschlag beim Wachstum könne man geflissentlich ignorieren, sagte Russell Price vom Finanzdienstleister Ameriprise. "Im Sommer wird die Wirtschaft wohl Fahrt aufnehmen."

Quelle: n-tv.de

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