Wirtschaft
Nur 113.000 neue Stellen im Januar: Für eine echte Erholung ist das zu wenig.
Nur 113.000 neue Stellen im Januar: Für eine echte Erholung ist das zu wenig.(Foto: REUTERS)

US-Wirtschaft in Winterstarre: US-Arbeitsmarktbericht enttäuscht

Auf den ersten Blick zeichnet der offizielle Regierungsbericht zur Lage am US-Arbeitsmarkt ein optimistisches Bild. Die Zahl der Arbeitslosen sinkt, die Quote nähert sich der Fed-Schwelle an. Jubeln will an der Wall Street dennoch niemand.

Eigentlich sind es ermutigende Signale: In den USA geht die Zahl der Erwerbslosen zu Jahresbeginn leicht zurück. Die Arbeitslosenquote sei im Januar auf 6,6 Prozent gefallen, teilte das Washingtoner Arbeitsministerium mit. Das ist der tiefste Stand seit Oktober 2008. Im Vormonat lag die Quote bei 6,7 Prozent.

Der Stellenzuwachs fiel allerdings mager aus: Im Januar wurden außerhalb der Landwirtschaft lediglich 113.000 neue Jobs geschaffen. Im Vorfeld befragte Experten hatten hier eine wesentlich höhere Zahl erwartet. Im Konsens war von 185.000 neuen Stellen die Rede.

Schon im Dezember waren nach revidierten Zahlen lediglich 75.000 zusätzliche Jobs verzeichnet worden. Ökonomen gehen davon aus, dass der US-Arbeitsmarkt monatlich rund 200.000 Stellen erzeugen müsste, um eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung zu erreichen.

Ist der Winter schuld?

"Der Rückgang der Arbeitslosenquote ist eine gute Nachricht, die enttäuschende Stellenentwicklung weniger", kommentierte HSBC-Analyst Rainer Sartoris die Daten in einer ersten Reaktion. "Ich gehe aber davon aus, dass es wegen des kalten Januars zu einer wetterbedingten Verzerrung gekommen ist. Es sind bislang keine Anzeichen zu erkennen, dass die US-Konjunktur wegknickt." Die Fed dürfte sich daher nicht dazu veranlasst fühlen, von ihrem Tapering-Kurs abzuweichen.

Die für die US-Geldpolitik als Orientierungslinie maßgebliche Fed-Schwelle liegt bei 6,5 Prozent. Allerdings hat die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) bereits unter Führung des im Januar ausgeschiedenen Notenbankchefs Ben Bernanke deutlich gemacht, dass selbst im Fall schneller Erfolge am Arbeitsmarkt und einem zügigen Erreichen der Fed-Schwelle keinesfalls automatisch mit einem Kurswechsel zu rechnen sei.

Der US-Notenbanker Richard Fisher hält die Aussagekraft der Daten für begrenzt: Wegen der arktischen Kältewelle sei der amerikanische Konsument praktisch seit zwei Monaten "eingefroren", erklärte Fisher und bestätigte damit die ersten Einschätzungen am Markt. Die Januardaten dürften die US-Notenbank daher wohl nicht davon abhalten, ihre Anschubhilfe für die Wirtschaft schrittweise zu verringern. Die Federal Reserve (Fed) hatte jüngst ihre Geldspritzen weiter gedrosselt. Sie will das Volumen der monatlichen Anleihenkäufe von derzeit 65 Milliarden Dollar noch dieses Jahr auf null herunterfahren.

Schwergewicht unter den K-Daten

Der monatliche Arbeitsmarktbericht findet an den Börsen in der Regel starke Beachtung. Unter Analysten und Anlagestrategen gilt der Job Report als wichtiger Gradmesser zur Beurteilung der Wachstumsperspektiven der weltgrößten Volkswirtschaft. Die Daten werden aufgrund ihrer Brisanz und des mitunter erwartbaren Wirbels vor dem Handelsstart an den New Yorker Börsen vorgelegt.

Im deutschen Aktienmarkt reagierten Anleger verhalten. Der unerwartet schwach ausgefallene Arbeitsmarktbericht schien die Dax-Anleger zunächst zu enttäuschen. Auch der Eurostoxx50 gab in ersten Reaktionen zeitweise nach. Am Devisenmarkt geriet der US-Dollar unter Druck, der Euro schaffte es zeitweise bis auf 1,3634 Dollar von zuvor 1,3580 Dollar. Die Nachfrage nach Bundesanleihen zog ebenfalls an. Händler erklärten die Reaktionen an den Börsen ebenfalls mit dem Argument, der Bericht sei offenbar wegen des kalten Winters verzerrt.

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Quelle: n-tv.de

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