Wirtschaft
(Foto: REUTERS)

Die Polster wachsen wieder: US-Banken versprühen keinen Glanz

Sie sind der erste große Hingucker der Berichtssaison: Bis zum Ende der Woche öffnen die US-Geldhäuser ihre Bücher. Den Auftakt machen JP Morgen und Wells Fargo. Und schon beginnen die Enttäuschungen.

In den USA hat die Bankenberichtssaison glanzlos begonnen. So haben etwa hohe Kosten für Rechtsstreitigkeiten sowie sinkende Einnahmen im Handel mit festverzinslichen Produkten JP Morgan das Schlussquartal verhagelt. Darüber hinaus stockte die Bank die Risikovorsorge deutlich auf. Die US-Großbank Wells Fargo hat dagegen von einer höheren Kreditvergabe profitiert. Allerdings bremsten höhere Kosten einen stärkeren Gewinnanstieg. Immerhin erfüllte das Institut die Erwartung der Analysten.

Dagegen verfehlte JP Morgan sowohl beim Gewinn als auch bei den Einnahmen die Prognosen. Vor allem die Rechtskosten fielen mit 1,1 Milliarden US-Dollar (990 Millionen nach Steuern) in den drei Monaten per Ende Dezember höher aus als im Vorjahr. Zuletzt hatte die JP Morgan Chase & Co eine Sammelklage gegen Zahlung von rund 500 Millionen Dollar beigelegt. Noch offen sind die strafrechtlichen Ermittlungen im Zusammenhang mit mutmaßlichen Manipulationen von Devisenkursen.

Insgesamt verdiente die New Yorker Bank im Schlussquartal mit 4,93 Milliarden Dollar oder 1,19 Dollar je Aktie 6,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Analysten hatten der Bank zuletzt mit 1,31 Dollar je Anteil deutlich mehr zugetraut. Im Vorjahr lag der Gewinn bei 5,28 Milliarden Dollar.

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Zugleich sanken die Einnahmen um 2,3 Prozent auf 23,55 Milliarden Dollar. Auch hier konnte die Bank die Marktschätzungen, die im Konsens bei 23,64 Milliarden Dollar lagen, nicht erfüllen. Deutlich rückläufig um nahezu ein Viertel waren die Einnahmen im Handel mit festverzinslichen Produkten. Rund lief es hingegen im Wertpapierhandel, der Aktien und Optionen umfasst. Trotz eines harten Umfelds konnte JP Morgan zudem höhere Einnahmen im Investmentbanking erzielen. Eine gewisse Stärke verzeichnete das auch Hypothekengeschäft. Deutlich aufgestockt auf 840 Millionen von 104 Millionen Dollar hat die Gesellschaft die Risikovorsorge für notleidende Kredite.

Hypothekensparte bei Wells Fargos wird vorsichtiger

Dagegen steigerte US-Großbank Wells Fargo den Gewinn im letzten Jahresviertel von 5,61 Milliarden auf 5,71 Milliarden US-Dollar. Je Aktie verdiente das Institut 1,02 Dollar. Die Einnahmen stiegen um knapp vier Prozent auf 21,44 Milliarden Dollar.

Die Kreditvergabe brachte die Bank aus San Francisco auch im vierten Quartal weiter voran. Sie stieg um 4,9 Prozent. Zunehmende Bedeutung gewinnt seit einigen Jahren das Geschäft mit Autokrediten. Finanzchef John Shrewsberry verwies auf die starken Nettozinseinnahmen. Sie stiegen um 3,5 Prozent auf 11,18 Milliarden Dollar.

Marktbeobachter schauen bei Wells Fargo vor allem auf das Hypothekengeschäft. Die Bank ist hier Marktführer in den USA und gilt somit als Barometer für den Häusermarkt. Gewinne im Neugeschäft wurden zuletzt durch ein Abflauen der Refinanzierung in den vergangenen Quartalen zunichte gemacht. Die Kreditqualität hat sich zuletzt offensichtlich verschlechtert. Wells Fargo ist zuletzt vorsichtiger geworden. Sie stockte die Risikovorsorge auf 485 Millionen von 363 Millionen Dollar im Vorjahr auf.

Wells Fargo, bei der das Kapitalmarktgeschäft keinen großen Stellenwert hat, war in den vergangenen Jahren ein Favorit unter den Bankaktien. Die gemessen am Marktwert wertvollste Bank der USA hat laut FactSet in den vergangenen 18 Quartalen jeweils einen Gewinnanstieg auf Jahressicht verbucht.

Quelle: n-tv.de

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