Wirtschaft
Der erste kommerzielle Offshore-Windpark in der Nordsee BARD Offshore 1 befindet sich etwa neunzig Kilometer vor der ostfriesischen Insel Borkum.
Der erste kommerzielle Offshore-Windpark in der Nordsee BARD Offshore 1 befindet sich etwa neunzig Kilometer vor der ostfriesischen Insel Borkum.(Foto: picture alliance / dpa)

Milliarden für Offshore-Windkraft: US-Investor will ins deutsche Netz

Das Problem fehlender Anschlusskabel für Windparks vor der deutschen Küste könnte bald erledigt sein. Das US-Unternehmen Anbaric will Milliarden ins deutsche Stromnetz investieren. Ins Auge gefasst haben die Amerikaner das deutsche Geschäft des niederländischen Betreibers Tennet. Er spielt eine Schlüsselrolle beim Ausbau der Offshore-Windkraft.

Das amerikanische Finanz- und Infrastrukturunternehmen Anbaric prüft einem Pressebericht zufolge einen Einstieg in das deutsche Stromnetz des niederländischen Betreibers Tennet. Die Amerikaner wollen umgerechnet rund 3,1 Mrd. Euro investieren, berichtet die "Wirtschaftswoche" unter Berufung auf das Umfeld des niederländischen Wirtschaftsministeriums. Eine Tennet-Sprecherin wollte zu einem Engagement von Anbaric nichts sagen. "Wir sind gerade dabei, Investoren zu finden." Bei Anbaric war niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Sollte der Vorstoß erfolgreich sein, könnte sich das Problem fehlender Anschlussskabel für die deutschen Offshore-Windparks bald erledigt haben.

Tennet ist der größte Netzbetreiber in Deutschland und spielt eine Schlüsselrolle beim Ausbau der Windenergie auf See. Der Netzbetreiber, der dem niederländischen Staat gehört, war finanziell unter Druck geraten, weil sich die Verbindung von Windparks auf der Nordsee mit den Stromnetzen an Land verzögert. Die Windparks spielen eine wichtige Rolle bei der Umsetzung der Energiewende in Deutschland.

Anbaric-Chef Edward Krapels wirbt laut "Wirtschaftswoche" derzeit nicht nur beim niederländischen Wirtschaftsminister Maxime Verhagen für sein Konzept, sondern auch beim deutschen Wirtschaftsminister Philipp Rösler und Umweltminister Peter Altmaier. Bei seinen Besuchen in Berlin und Den Haag habe sich Krapels optimistisch gezeigt, zum Zuge zu kommen. Hinter Anbaric steht nach Angaben von Unternehmenskennern als Geldgeber eine Reihe von Versicherungen und Pensionsfonds.

Ziel des amerikanischen Unternehmens ist es laut "Welt" ausdrücklich nicht, sich am niederländischen Staatskonzern zu beteiligen. Es gehe vielmehr um eine Beteiligung an einzelnen Leitungsprojekten von Tennet in der deutschen Nordsee. Eine deutsche Tochtergesellschaft namens "Gotic" (German Offshore Transmission Investment Corporation") sei zu diesem Zweck bereits gegründet worden.

Mitzsubishi hat es vorgemacht

Anbaric ist bereits der zweite Miliardeninvestor, der Tennet zu Seite springt, um die Netzanbindungen in der Nordsee zu stemmen. Bereits im Februar hatte Mitsubishi zugesagt, die beiden Offshore-Hochspannungsleitungen BorWind1 und BorWind2 mit zu finanzieren. Die Fianzierungskücken sind aber weiterhin nicht geschlossen. Nach Zeitungsinformationen sind erst vier von insgesamt sieben Anbindungsprojekten finanziell abgesichert. Hier könnte jetzt Anbaric in die Bresche springen.

Die US-Investoren dürften in Deutschland somit hoch willkommen sein. Eine Sprecherin von Rösler wollte den Bericht aber weder bestätigen noch dementieren: Das Wirtschaftsministerium freue sich über "das große Interesse von nationalen und internationalen Investoren am Netzausbau in Deutschland" und stehe für entsprechende Gespräche zur Verfügung, hieß es lediglich. Die Entscheidung, mit welchem Investor Tennet zusammenarbeiten wolle, liege beim Unternehmen selbst. Ähnlich äußerte sich ein Sprecher von Umweltminister Altmaier. Das Unternehmen entscheide, die Politik mische sich da nicht ein.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen