Wirtschaft
Die Angst geht um an der Wall Street. Die US-Konjunktur kommt nicht wirklich auf die Beine.
Die Angst geht um an der Wall Street. Die US-Konjunktur kommt nicht wirklich auf die Beine.(Foto: picture alliance / dpa)

Erneut enttäuschende Daten: US-Konjunktur verbreitet Angst

Den Schuldenstreit gibt es nicht mehr, dafür richtet sich das Augenmerk der Finanzmärkte nun wieder stärker auf die Konjunkturdaten der größten Volkswirtschaft der Welt. Und die sorgen ebenso für Sorgenfalten wie die zuvor drohende Zahlungsunfähigkeit.

Die Serie enttäuschender US-Konjunkturdaten reißt nicht ab. Damit steigt die Sorge, dass die weltgrößte Volkswirtschaft langsamer wieder in Tritt kommt als erhofft. Neben der Industrie sind auch die US-Dienstleister schwächer ins zweite Halbjahr gestartet als erwartet. Für einen kleinen Lichtblick sorgte am Mittwoch der Jobmarkt.

Die US-Privatwirtschaft schuf einer Umfrage zufolge im Juli zwar 114.000 neue Stellen und damit mehr als erwartet. Dies reicht aber kaum aus, um die hohe Arbeitslosigkeit von mehr als neun Prozent spürbar zu senken. Ökonomen warten nun mit Spannung auf die offiziellen Daten, die die Regierung am Freitag vorlegt.

Tiefster Stand seit Februar 2010

Der an den Finanzmärkten viel beachtete Service-Index des Institute for Supply Management (ISM) sank auf 52,7 von 53,3 Zählern im Juni. Das Barometer lag damit auf dem tiefsten Stand seit Februar 2010, notierte aber weiter über der Wachstumsschwelle von 50 Zählern. Das Neugeschäft der Dienstleister stieg langsamer als zuletzt und sie stellten unterm Strich nicht mehr so viel Personal ein wie im Juni.

Analysten hatten im Schnitt mit einem Anstieg auf 53,6 Punkte gerechnet. "Dies wird nicht das Gerede am Markt beenden, dass wir uns vielleicht in Richtung einer Rezession bewegen", sagte Tom Porcelli von RBC Capital Markets. An den Börsen sorgten die neuen Daten für deutliche Kursrückgänge.

Anleger verschreckt

Auch Industrie und Dienstleister in Deutschland und im gesamten Euro-Raum mussten der Abkühlung Tribut zollen und verbuchten im Juli überraschend schlechte Geschäfte.

Zuletzt hatte die US-Industrie einen deutlichen Einbruch beim Wachstum verbucht und damit weltweit Anleger verschreckt. Experten befürchten, dass die Erholung die US-Wirtschaft nicht wie erhofft an Fahrt gewinnt. Im Juni verbuchte die Industrie ein Auftragsminus von 0,8 Prozent. Klammert man aber die Verkehrssparte aus, kletterten die Orders um 0,1 Prozent.

Achillesferse Jobmarkt

Der schwache Arbeitsmarkt ist derzeit die größte Bremse für ein stärkeres Wachstum der größten Volkswirtschaft der Welt. Die Umfrage-Daten der privaten Arbeitsagentur ADP waren zwar besser als die Markterwartung von 100.000, aber schlechter als zu Boomzeiten. Zugleich revidierten die Experten die Zahl für Juni nach unten: Es wurden 145.000 neue Arbeitsplätze eingerichtet, nachdem zunächst plus 157.000 gemeldet waren.

Eine zweite Studie signalisierte, dass die Zahl der geplanten Entlassungen im vergangenen Monat deutlich gestiegen ist und so hoch liegt wie seit 16 Monaten nicht mehr. "Am meisten beunruhigt an dem Anstieg im Juli, dass die meisten Pläne Branchen treffen, in denen es bisher nur wenig Entlassungen gab", sagte John Challenger, Chef des Beratungsunternehmens Challenger, Gray & Christmas, das den Bericht vorlegte.

Demnach kündigten im vorigen Monat Arbeitgeber den Abbau von 66.414 Jobs an und damit rund 60 Prozent mehr als noch im Juni. Seit Anfang des Jahres kletterte die Zahl der geplanten Entlassungen auf rund 312.000.

Macht die Fed wieder mobil?

Die Finanzmärkte blicken nun gespannt auf die Job-Daten vom Freitag. Fachleute gehen davon aus, dass unterm Strich rund 85.000 neue Jobs geschaffen wurden. Nach einer Faustformel sind aber etwa 300.000 neue Stellen nötig, um die Arbeitslosigkeit spürbar zu senken. Sollte die Beschäftigung um 75.000 oder weniger steigen, könnte dies wieder ein neues Programm der US-Notenbank zum Kauf von Staatsanleihen auf den Plan rufen, sagte Greg Salvaggio von Tempus Consulting.

Die Fed hatte ihr Programm Mitte des Jahres auslaufen lassen, mit dem sie rund 600 Mrd. Dollar in die Wirtschaft pumpte. Allerdings hat sich Fed-Chef Ben Bernanke bereits dafür offen gezeigt, dass die Zentralbank erneut die Notenpresse anwerfen könnte.

Die Angst vor dem Jobverlust hat die amerikanischen Konsumenten knauserig gemacht. Im zweiten Quartal erhöhten sie ihre Ausgaben fast nicht mehr. Dies fällt stark ins Gewicht, da die Verbraucher für gut zwei Drittel der Wirtschafskraft aufkommen. Die gesamte Wirtschaft wuchs deshalb mit 1,3 Prozent aufs Jahr hochgerechnet deutlich weniger als erwartet.

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Quelle: n-tv.de

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