Freitag, 16. Juli 2010
"Die Zahlen sind schrecklich": US-Verbraucherindex bricht ein
Die amerikanischen Verbraucher riechen den Braten Aufschwung noch nicht. Der entsprechende Index sackt um fast zehn Punkte auf 66,5 Punkte ab. Die Konjunkturerholung hat viele US-Bürger nicht erreicht. Experten warten nun auf den zweiten Wind für die US-Wirtschaft.
Die düstere Lage am Arbeitsmarkt schlägt auf das Kaufverhalten der Amerikaner durch.
(Foto: REUTERS)
Die US-Verbraucher trauen der wirtschaftlichen Erholung nicht über den Weg. Der Index von Thomson Reuters und der Universität Michigan zum Konsumentenvertrauen sackte nach vorläufigen Berechnungen um fast zehn Punkte auf 66,5 Punkte ab. Experten wurden von dem Stimmungseinbruch auf dem falschen Fuß erwischt, da sie nur mit einer leichten Eintrübung gerechnet hatten.
Noch im Vormonat hatte sich das Vertrauen gefestigt und das höchste Niveau seit fast zweieinhalb Jahren erreicht. "Die Zahlen sind schrecklich. Die Verbraucher sind sich bewusst, dass sich die Aussichten eingetrübt haben", sagte David Sloan von 4Cast in New York.
Zuletzt hatte auch die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) ihre Wachstumsprognose nach unten korrigiert und laut über neue Konjunkturspritzen nachgedacht. Zentralbankchef Ben Bernanke und Co. rechnen damit, dass die Wirtschaftsleistung 2010 nur noch um 3,25 Prozent zulegt. Dieses Tempo ist zu schwach, um die düstere Lage am Arbeitsmarkt merklich aufzuhellen. Die Zahl der Beschäftigten sank im Juni sogar erstmals in diesem Jahr. Die Arbeitslosenquote liegt mit 9,5 Prozent weiterhin auf einem für US-Verhältnisse recht hohen Niveau.
Wann kommt der zweite Wind?
Obwohl die Wirtschaft längst das tiefe Rezessionstal hinter sich gelassen hat, spüren viele Amerikaner davon noch nichts, wie Gary Thayer von Wells Fargo Advisers erläutert. "Das heißt nicht, dass wir jetzt konjunkturell wieder in schweres Fahrwasser geraten. Doch es wird wahrscheinlich noch eine Pause geben, bevor die Wirtschaft den zweiten Wind bekommt."
Der von Anlegern und Volkswirten stark beachtete Michigan-Index gilt als wichtiges Konjunkturbarometer, das die Stimmung und das Kaufverhalten der US-Verbraucher im Voraus anzeigt. Die Konsumausgaben machen rund zwei Drittel der Wirtschaftsleistung der USA aus.
Benzin deutlich billiger
Zumindest an der Preisfront herrscht derzeit weiter Ruhe: Billigere Energie hat die Lebenshaltungskosten in den USA im Juni den dritten Monat in Folge fallen lassen. Sie sanken um 0,1 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Zuletzt hatte es Ende 2008 eine derart lange Phase mit sinkenden Preisen gegeben. Im Vergleich zum Vorjahresmonat kletterten die Lebenshaltungskosten um 1,1 Prozent. Das war der geringste Anstieg seit Oktober 2009. Analysten hatten mit 1,2 Prozent gerechnet.
Die Preise fielen vor allem deshalb, weil sich Benzin innerhalb eines Monats um 4,5 Prozent verbilligte. Ohne die besonders stark schwankenden Energie- und Lebensmittelpreise wären die Lebenshaltungskosten um 0,2 Prozent gestiegen. Der geringe Preisdruck erlaubt es der Fed, ihre Zinsen für längere Zeit nahe Null zu halten, um mit billigem Geld Konsum und Investitionen anzukurbeln.
wne/rts
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